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Heinrich von Kleist und Sprachskepsis
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초록
Im Heinrich von Kleists Text「Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden」stehen die sprachtheoretischen Erwägungen im Mittelpunkt der Darstellung. Sprachskepsis od. Sprachkritik wird in diesem Text zwar nicht sehr ausdrücklich zum Thema erhoben, er lässt sich aber in Beziehung zu Kleists poetischer Verfahrensweise setzen und ermöglicht dadurch Rückschlüsse auf die sprachskeptische Ausprägung seiner Werke. In seinem Text stellt Kleist zwei Hebammenkünste der Gedanken bzw. zwei Modelle der Gedankenfindung vor, die bezeichnenderweise das oft in Kleists Briefen zum Ausdruck gebrachte Dilemma der Unaussprechlichkeit und Entfremdung durch Sprache theoretisch beglaubigen, statt es völlig aufzuheben. Aber Kleists Sehnsucht nach der wahrheitserhaltenden Sprache und Kommunikation bildet abermals die Grundlage für seine Reflexionen über den Status der Sprache und deren Bezug zu einem vermeintlich Authentizität verbürgenden sprachunabhängigen Denken. In seinem Drama『Der zerbrochne Krug』greift Kleist das Problem der Sprache von einer ganz anderen Seite auf. Hier wird Sprache nicht mehr im Horizont ihres Repräsentations- und Vermittlungsdefizits betrachtet, sondern in ihrer Funktion als Vehikel der Verstellung, Manipulation und Lüge. Es ist daher kein Zufall, dass ausgerechnet die als Musterbeispiel einer allmählchen Verfertigung der Gedanken geltende Rede Adams im Drama 『Der zerbrochne Krug』das Erkenntnisinteresse, das dem ersten und traditionellen Sprachmodell innewohnt, auf den Kopf stellt, indem sie nicht auf Wahrheit, sondern auf deren Verschleierung ziehlt. Die dem Text「Über die allmählige Verfertigung der Gedanken beim Reden」supponierte heuristische Wahrheitsfindung schlägt im Drama 『Der zerbrochne Krug』um in ein ‘Sagen des Falschen’, in eine allmähliche Verfertigung der Lügen beim Reden, in der die Entzweiung von Wort und Sinn irreversibel festgeschrieben und nicht aufgehoben wird. Die aus den expositorisen Texte, z. B. 「Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden」 und 『Über das Marionettentheater』 gewonnenen Einsichten im Zusammenhang mit der Sprachskepsis sollen jedenfalls für die weiteren Analysen des Kleist-Werks fruchtbar gemacht werden.
Abstract
Im Heinrich von Kleists Text「Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden」stehen die sprachtheoretischen Erwägungen im Mittelpunkt der Darstellung. Sprachskepsis od. Sprachkritik wird in diesem Text zwar nicht sehr ausdrücklich zum Thema erhoben, er lässt sich aber in Beziehung zu Kleists poetischer Verfahrensweise setzen und ermöglicht dadurch Rückschlüsse auf die sprachskeptische Ausprägung seiner Werke. In seinem Text stellt Kleist zwei Hebammenkünste der Gedanken bzw. zwei Modelle der Gedankenfindung vor, die bezeichnenderweise das oft in Kleists Briefen zum Ausdruck gebrachte Dilemma der Unaussprechlichkeit und Entfremdung durch Sprache theoretisch beglaubigen, statt es völlig aufzuheben. Aber Kleists Sehnsucht nach der wahrheitserhaltenden Sprache und Kommunikation bildet abermals die Grundlage für seine Reflexionen über den Status der Sprache und deren Bezug zu einem vermeintlich Authentizität verbürgenden sprachunabhängigen Denken. In seinem Drama『Der zerbrochne Krug』greift Kleist das Problem der Sprache von einer ganz anderen Seite auf. Hier wird Sprache nicht mehr im Horizont ihres Repräsentations- und Vermittlungsdefizits betrachtet, sondern in ihrer Funktion als Vehikel der Verstellung, Manipulation und Lüge. Es ist daher kein Zufall, dass ausgerechnet die als Musterbeispiel einer allmählchen Verfertigung der Gedanken geltende Rede Adams im Drama 『Der zerbrochne Krug』das Erkenntnisinteresse, das dem ersten und traditionellen Sprachmodell innewohnt, auf den Kopf stellt, indem sie nicht auf Wahrheit, sondern auf deren Verschleierung ziehlt. Die dem Text「Über die allmählige Verfertigung der Gedanken beim Reden」supponierte heuristische Wahrheitsfindung schlägt im Drama 『Der zerbrochne Krug』um in ein ‘Sagen des Falschen’, in eine allmähliche Verfertigung der Lügen beim Reden, in der die Entzweiung von Wort und Sinn irreversibel festgeschrieben und nicht aufgehoben wird. Die aus den expositorisen Texte, z. B. 「Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden」 und 『Über das Marionettentheater』 gewonnenen Einsichten im Zusammenhang mit der Sprachskepsis sollen jedenfalls für die weiteren Analysen des Kleist-Werks fruchtbar gemacht werden.
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