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Überlegungen zur Ästhetik des Humanen von Heinrich Böll

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주제분류독일어와문학

초록

Heinrich Böll hat in seinen Vorlesungen an der Universität Frankfurt im Wintersemester 1963/64 die Grundlinien und Konturen seines literarischen Programms sichtbar gemacht. Das Programm hat er in den <Frankfurter Vorlesungen> selbst auf den Begriff einer ‘Ästhetik des Humanen’ gebracht. Die Grundformel seines literarischen Werks sieht Böll in einer Ästhetik des Humanen, die “das Wohnen, die Nachbarschaft und die Heimat, das Geld und die Liebe, Religion und Mahlzeiten, Ehe, die Familie, Freundschaft, die Kleidung, die Arbeit, die Zeit” zu den Themen werden lässt, die der Autor immer wieder in seinen Werken neu aufgreift und literarisch zu gestalten versucht. Böll sieht die bundesrepublikanische Wirklichkeit im wesentlichen gekennzeichnet durch “verlorene Heimat, verlorene Zusammenhänge, kein vertrautes Gelände.” So erklärt sich für ihn denn auch die Tatsache, dass das Bild der Bundesrepublik Deutschland in der Literatur sich zumeist stark unterscheidet von dem Bild, das Politiker, Diplomaten, Statistiker zeichen. Böll benennt eine Kongruenz von Moral und Ästhetik als ein weiteres grundlegendes Moment seines literarischen Programms. Böll geht in den <Frankfurter Vorlesungen> aus von einer “unerbittlich wirksamen Kongruenz von vorgefundenem moralischem Gelände und ästhetischen Gesetzen” und erklärt: “Moral und Ästhetik erweisen sich als kongruent, untrennbar auch, ganz gleich, wie trotzig oder gelassen, wie milde oder wie wütend, mit welchem Stil, aus welcher Optik ein Autor sich an die Beschreibung oder bloße Schilderung des Humanen begeben mag: zerstörte Nachbarschaft, vergiftetes Gelände machen es ihm unmöglich, Vertrauen zu stiften oder Trost zu spenden.”Das entscheidende Kriterium zur Bestimmung der Humanität eines Landes ist für Böll das Alltägliche, oder genauer gesagt das von der Gesellschaft für abfällig erklärte Alltägliche. Ausgehend von seiner Grundformel einer ‘Ästhetik des Humanen’ behauptet Böll, die von der Gesellschaft als abfällig erklärten Menschen als den einzig möglichen Gegenstand der Literatur zu bestimmen. Die geeignetste Erzählhaltung bei einer literarischen Gestaltung dieses Gegenstandes, vor allem vor dem Hintergrund der “Suche nach einer bewohnbaren Sprache”, sieht Böll im Humor, dessen “Humanität darin besteht, das von der Gesellschaft abfällig Behandelte in seiner Erhabenheit darzustellen.” Ausgehend von der jeweils aktuell vorgefundenen bundesrepublikanischen Wirklichkeit greift Böll in seinem literarischen Werk immer wieder die Themen einer Ästhetik des Humanen aus der Perspektive der von der Gesellschaft für abfällig Erklärten auf. So spiegelt sich in dem literarischen Werk Heinrich Bölls zugleich auch bundesrepublikanische Wirklichkeit punktuell, ausschnittweise und subjektiv gebrochen. Obgleich Bölls ‘Ästhetik des Humanen’ aus den Erfahrungen der bundesrepublikanischen Wirklichkeit nach dem 2. Weltkrieg als ein literarisches Programm entwickelt worden ist, kann man sie nicht nur in Deutschland, sondern über Ort und Zeit hinaus als ein allgemein anwendbares Prinzip ansehen.

Abstract

Heinrich Böll hat in seinen Vorlesungen an der Universität Frankfurt im Wintersemester 1963/64 die Grundlinien und Konturen seines literarischen Programms sichtbar gemacht. Das Programm hat er in den <Frankfurter Vorlesungen> selbst auf den Begriff einer ‘Ästhetik des Humanen’ gebracht. Die Grundformel seines literarischen Werks sieht Böll in einer Ästhetik des Humanen, die “das Wohnen, die Nachbarschaft und die Heimat, das Geld und die Liebe, Religion und Mahlzeiten, Ehe, die Familie, Freundschaft, die Kleidung, die Arbeit, die Zeit” zu den Themen werden lässt, die der Autor immer wieder in seinen Werken neu aufgreift und literarisch zu gestalten versucht. Böll sieht die bundesrepublikanische Wirklichkeit im wesentlichen gekennzeichnet durch “verlorene Heimat, verlorene Zusammenhänge, kein vertrautes Gelände.” So erklärt sich für ihn denn auch die Tatsache, dass das Bild der Bundesrepublik Deutschland in der Literatur sich zumeist stark unterscheidet von dem Bild, das Politiker, Diplomaten, Statistiker zeichen. Böll benennt eine Kongruenz von Moral und Ästhetik als ein weiteres grundlegendes Moment seines literarischen Programms. Böll geht in den <Frankfurter Vorlesungen> aus von einer “unerbittlich wirksamen Kongruenz von vorgefundenem moralischem Gelände und ästhetischen Gesetzen” und erklärt: “Moral und Ästhetik erweisen sich als kongruent, untrennbar auch, ganz gleich, wie trotzig oder gelassen, wie milde oder wie wütend, mit welchem Stil, aus welcher Optik ein Autor sich an die Beschreibung oder bloße Schilderung des Humanen begeben mag: zerstörte Nachbarschaft, vergiftetes Gelände machen es ihm unmöglich, Vertrauen zu stiften oder Trost zu spenden.”Das entscheidende Kriterium zur Bestimmung der Humanität eines Landes ist für Böll das Alltägliche, oder genauer gesagt das von der Gesellschaft für abfällig erklärte Alltägliche. Ausgehend von seiner Grundformel einer ‘Ästhetik des Humanen’ behauptet Böll, die von der Gesellschaft als abfällig erklärten Menschen als den einzig möglichen Gegenstand der Literatur zu bestimmen. Die geeignetste Erzählhaltung bei einer literarischen Gestaltung dieses Gegenstandes, vor allem vor dem Hintergrund der “Suche nach einer bewohnbaren Sprache”, sieht Böll im Humor, dessen “Humanität darin besteht, das von der Gesellschaft abfällig Behandelte in seiner Erhabenheit darzustellen.” Ausgehend von der jeweils aktuell vorgefundenen bundesrepublikanischen Wirklichkeit greift Böll in seinem literarischen Werk immer wieder die Themen einer Ästhetik des Humanen aus der Perspektive der von der Gesellschaft für abfällig Erklärten auf. So spiegelt sich in dem literarischen Werk Heinrich Bölls zugleich auch bundesrepublikanische Wirklichkeit punktuell, ausschnittweise und subjektiv gebrochen. Obgleich Bölls ‘Ästhetik des Humanen’ aus den Erfahrungen der bundesrepublikanischen Wirklichkeit nach dem 2. Weltkrieg als ein literarisches Programm entwickelt worden ist, kann man sie nicht nur in Deutschland, sondern über Ort und Zeit hinaus als ein allgemein anwendbares Prinzip ansehen.

참고문헌 (27)

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