독일 근대문화와 몸을 향한 시각
Der Blick auf den K?rper in der deutschen modernen Kultur
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초록
Der menschliche Körper nahm im 18. und 19. Jahrhundert so vielfältige Aufmerksamkeit in Anspruch. Diese Konstellation benötigte mythische Gestalten für die symbolischen Experimentalzustände in Literatur und bildender Kunst. Das galt außerdem für die Rolle des Körpers und das spezifische Körperverständnis auf kulturellem und sozialem Gebiet. In diesem Zusammenhang war die Imagination der Frau als Statue ein aufschlussreiches Phänomen. Dem Mythos von der Liebe des Bildhauers Pygmalion zu seiner Statue begegnet man im Blick auf den Körper der lebendigen Frau, die zu einem ,Marmorbild‘ erstarrt. Dieses Motiv trägt Eichendorffs Erzählung schon im Titel. Wie Ch. Begemann beschreibt, wirft die Frau als Statue, als Marmorbild in literarischen Texten die Frage nach deren Wahrnehmung auf, die zum Kernbestand der klassizistischen Kunstdebatte gehört. J. Winckelmann führte einen neuen Blick auf die antike Plastik vor, darüber hinaus organisierte er die Körperwahrnehmung um. Sein an den Statuen trainierter, vergeistigter Blick wird auf den lebendigen Leib in Goethes ”Römische Elegien“ übersetzt. Das lyrische Ich versucht seinen eigenen Blick ästhetisch zu trainieren, um die erotische Faszination seiner Geliebten zu bannen. Der Körper der Frau wird selbst zu ”dem Marmor“, zum Körper, den der Blick des Mannes erst erschafft. Im Vergleich mit Winckelmann kommt hier ein Moment der Erstarrung des Lebendigen hinzu. Vor diesem Hintergrund wird das romantische Sehen in Eichendorffs Das Marmorbild erörtert. Den vielschichtigen Wahrnehmungsweisen seines Protagonisten Florio liegt ein Revisionsprozess alltäglichen Sehens zugrunde. Romantisches Sehen konstituiert sich aus den konkurrirenden Blickmöglichkeiten. Der neugierig beobachtende Blick wird zugunsten des ästhetischen Blicks destruiert. Eichendorffs Erzählung führt sowohl den Reiz der phantasmagorischen Gebilde dieses kontemplativen, nach innen gerichteten Blicks vor, - das Spiel zwischen Erotik und Erkenntnis, zwischen Begehren und Reflexion, - sie zeigt aber auch die darin enthaltene Gefährdung des Betrachters. So gerät der junge Dichter Florio in eine erotische Verstrickung durch ein Venusbild, das ihm zunächst aus Stein begegnet, dann als wundersame Frau mit schönem Leib lockt. Die Belebung der Venusstatue erscheint in der Szene am Weiher als ambivalenter Vorgang. Indem sie als Effekt des Blickes gezeigt wird, erweist sie sich als subjektive Verblendung des eigenen Blickes von Florio. Mit dem Wechsel von Belebung und Erstarrung der Venusfigur entwickelt die Szene am Weiher sich erotisch. Der pubertäre Aufbruch der Sexualität wird mit Fortunatos christlichem Lied und Florios frommem Stoßseufzer gebändigt, und lässt die imaginativ belebte Venus sodann erneut erstarren. Die Geister, die Eichendorff in der Gestalt der dämonischen ”Dame“ wachruft, können nur im Rückgriff auf die patriarchale, christliche Tradition und in der Anbetung der kindlich-reinen, demütigen Maria gebändigt werden. Die Bilderwelt der verführerischen Dame ist nur eine Projektion von Florios männlichem Sexualtrieb. Befreit von der Bilderwelt der dämonischen, nunmehr versteinerten Verführerin trifft Florio wieder auf das reine Frauenbild, die ihn seit der ersten Begegnung heiß liebende Bianca. Zum ”Engelbild“ wird sie erst am Ende von Florios erotischer Erziehung, zu der die Disziplinierung des Blicks gehört, mit dem in der Szene am Weiher alle Verwirrung begonnen hatte. Was gegen den in Venus personifizierten Eros aufgeboten wird, ist neben der christlichen Maria ein klassizistisches Frauenbild, ist ein mortifizierender wie idealisierender Blick auf den lebendigen Körper, der sich über Goethe bis auf Winckelmann zurückverfolgen lässt.
Abstract
Der menschliche Körper nahm im 18. und 19. Jahrhundert so vielfältige Aufmerksamkeit in Anspruch. Diese Konstellation benötigte mythische Gestalten für die symbolischen Experimentalzustände in Literatur und bildender Kunst. Das galt außerdem für die Rolle des Körpers und das spezifische Körperverständnis auf kulturellem und sozialem Gebiet. In diesem Zusammenhang war die Imagination der Frau als Statue ein aufschlussreiches Phänomen. Dem Mythos von der Liebe des Bildhauers Pygmalion zu seiner Statue begegnet man im Blick auf den Körper der lebendigen Frau, die zu einem ,Marmorbild‘ erstarrt. Dieses Motiv trägt Eichendorffs Erzählung schon im Titel. Wie Ch. Begemann beschreibt, wirft die Frau als Statue, als Marmorbild in literarischen Texten die Frage nach deren Wahrnehmung auf, die zum Kernbestand der klassizistischen Kunstdebatte gehört. J. Winckelmann führte einen neuen Blick auf die antike Plastik vor, darüber hinaus organisierte er die Körperwahrnehmung um. Sein an den Statuen trainierter, vergeistigter Blick wird auf den lebendigen Leib in Goethes ”Römische Elegien“ übersetzt. Das lyrische Ich versucht seinen eigenen Blick ästhetisch zu trainieren, um die erotische Faszination seiner Geliebten zu bannen. Der Körper der Frau wird selbst zu ”dem Marmor“, zum Körper, den der Blick des Mannes erst erschafft. Im Vergleich mit Winckelmann kommt hier ein Moment der Erstarrung des Lebendigen hinzu. Vor diesem Hintergrund wird das romantische Sehen in Eichendorffs Das Marmorbild erörtert. Den vielschichtigen Wahrnehmungsweisen seines Protagonisten Florio liegt ein Revisionsprozess alltäglichen Sehens zugrunde. Romantisches Sehen konstituiert sich aus den konkurrirenden Blickmöglichkeiten. Der neugierig beobachtende Blick wird zugunsten des ästhetischen Blicks destruiert. Eichendorffs Erzählung führt sowohl den Reiz der phantasmagorischen Gebilde dieses kontemplativen, nach innen gerichteten Blicks vor, - das Spiel zwischen Erotik und Erkenntnis, zwischen Begehren und Reflexion, - sie zeigt aber auch die darin enthaltene Gefährdung des Betrachters. So gerät der junge Dichter Florio in eine erotische Verstrickung durch ein Venusbild, das ihm zunächst aus Stein begegnet, dann als wundersame Frau mit schönem Leib lockt. Die Belebung der Venusstatue erscheint in der Szene am Weiher als ambivalenter Vorgang. Indem sie als Effekt des Blickes gezeigt wird, erweist sie sich als subjektive Verblendung des eigenen Blickes von Florio. Mit dem Wechsel von Belebung und Erstarrung der Venusfigur entwickelt die Szene am Weiher sich erotisch. Der pubertäre Aufbruch der Sexualität wird mit Fortunatos christlichem Lied und Florios frommem Stoßseufzer gebändigt, und lässt die imaginativ belebte Venus sodann erneut erstarren. Die Geister, die Eichendorff in der Gestalt der dämonischen ”Dame“ wachruft, können nur im Rückgriff auf die patriarchale, christliche Tradition und in der Anbetung der kindlich-reinen, demütigen Maria gebändigt werden. Die Bilderwelt der verführerischen Dame ist nur eine Projektion von Florios männlichem Sexualtrieb. Befreit von der Bilderwelt der dämonischen, nunmehr versteinerten Verführerin trifft Florio wieder auf das reine Frauenbild, die ihn seit der ersten Begegnung heiß liebende Bianca. Zum ”Engelbild“ wird sie erst am Ende von Florios erotischer Erziehung, zu der die Disziplinierung des Blicks gehört, mit dem in der Szene am Weiher alle Verwirrung begonnen hatte. Was gegen den in Venus personifizierten Eros aufgeboten wird, ist neben der christlichen Maria ein klassizistisches Frauenbild, ist ein mortifizierender wie idealisierender Blick auf den lebendigen Körper, der sich über Goethe bis auf Winckelmann zurückverfolgen lässt.
참고문헌 (13)
- Joseph von, "Sämtliche Werke in fünf Bänden"
- Goethe, "Tagebücher und Gespräche", pp.40~ (1987)
- Hoffmann, "Ein Phantasma in der europäischen Literatur des 18", pp.135~19 159 (1999)
- Barbara, "Zur Funktion der poetischen Bilder als Geschlechterdiskurs in Eichendorffs Das Sprachbild als textuelle Interaktion", becker-cantari, pp.123~134
- Das Marmorbild, "Joseph von Eichendorff"
- Beller, "Narziß und Venus", pp.117~62 142 (1968)
- A, "Zur Psychodynamik der Venuskult - Novellen von Tieck Literatur und Psychoanalyse", münchen1989, 133~176
- Das Marmorbild, "Semantische Räume und Rollen in Eichendorffs Erzählung", pp.325~335
- Foucault, "Sexualität und Wahrheit" (1977)
- Pfotenhauer, "Position und Opposition" (1995), Winckelmann
- Plumpe, "Epochen der modernen Literatur"
- Weisrock, "Götterblick und Zaubermacht"
- Wilber, "Eine Vision an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend"
