“수치심과 죄책감” 속에 길 잃은 “과거규명” - 베른하르트 슐링크의 『책 읽어주는 남자』에 나타난 수치심과 죄책감의 역동관계 -
Die Irrwege der “Aufarbeitung der Vergangenheit” durch “Erschrecken, Scham und Schuld” - Verwicklung von Scham und Schuld in Bernhard Schlinks Der Vorleser
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초록
"Bernhard Schlinks Roman Der Vorleser stellt einen Text dar, der mit Scham und Schuld, d. h. mit zwei Begriffen, “die für die deutsche Erinnerungsgeschichte absolut zentral sind” (Aleida Assmann), verwoben ist. Bereits seit der ersten Begegnung mit Hanna, der weiblichen Hauptfigur des Romans, ist der Ich-Erzähler, Michael, ständig der Scham ausgesetzt. Nach seinem “Verrat” empfindet er zwar Schuldgefühle, diese erweisen sich allerdings als Maske des Schamgefühls darüber, dass er mit der inneren Bindung an die Nazi-Verbrecherin nicht fertigwerden kann. Als Beweis dieser psychischen Logik dient, dass sein Schuldgefühl ständig von Wut begleitet ist. Auch Hanna ist von einem starken Schamgefühl geplagt. Erst im zweiten Teil des Romans wird plötzlich offenbar, dass dieses auf einen bei Hanna vorhandenen Analphabetismus zurückzuführen ist. Die hier der Handlung innewohnende Anagnorisis dient als zentrale Stütze der Erzählstruktur des Romans, wobei die Scham(-angst) der Analphabetin den roten Faden durch die Narrative darstellt, der jedoch in manchen Details eher zu Verwirrungen führt. Besonders deutlich wird dies, wenn der eingeschränkte Blickwinkel des Ich-Erzählers vom Autor allzu manipulativ eingesetzt wird: Angesichts der fragwürdigen Stärke der Schamangst von Hanna sieht er sich außerstande, mehr als eine Reihe von rhetorischen Selbstfragen zu stellen und somit dem Leser dadurch zuvorzukommen, statt nach Antworten zu suchen oder gar auf der historischen Ebene aufzuklären. Mit dieser personalen Erzählperspektive ist nicht nur Michael, sondern auch der Leser nicht in der Lage, innere Veränderungen bei Hanna genau wahrzunehmen oder darüber hinaus zu bewerten. Auch die dritte Partie des Romans, die Nachkriegsgeneration, ist nicht frei von Schamgefühl. Der Autor und Jurist Bernhard Schlink lässt seinen Protagonisten, den Rechtsgeschichtswissenschaftler Michael dessen Elterngeneration nicht zu Schuld, sondern zu Scham verurteilen. Der spätere Michael hingegen distanziert sich von der Generation der 68er-Bewegung, die seiner Meinung nach ihrerseits selbst vom Schamgefühl betroffen ist. Um dieses eigene Leiden abzuwehren, habe sie die Elterngeneration als Zielscheibe ihrer Aggression benutzt. Solch eine “stellvertretende Scham” (Hilge Landweer) fungiert, so Alexandra Pontzen, als ein annehmbarer Kompromiss, um Schuld nicht auf das eigene Konto nehmen zu müssen. Michaels Behauptung weicht von der These von Aleida Assmann stark ab, dass die Nachkriegsgeneration die Kollektivschuld verinnerlicht und somit den Paradigmenwechsel von Schamkultur zu Schuldkultur erfolgreich gemeistert habe. Falls Der Vorleser kein persönlicher Liebesroman sein will, der, um den Roman massentauglich zu verpacken, vor dem Hintergrund der großen Umbrüche der Geschichte den Anschein einer autobiografischen Authentizität zu erwecken versucht, scheint sich Schlinks “Aufarbeitung der Vergangenheit” im selbst gebastelten Labyrinth von “Erschrecken, Scham und Schuld” verlaufen zu haben."
Abstract
"Bernhard Schlinks Roman Der Vorleser stellt einen Text dar, der mit Scham und Schuld, d. h. mit zwei Begriffen, “die für die deutsche Erinnerungsgeschichte absolut zentral sind” (Aleida Assmann), verwoben ist. Bereits seit der ersten Begegnung mit Hanna, der weiblichen Hauptfigur des Romans, ist der Ich-Erzähler, Michael, ständig der Scham ausgesetzt. Nach seinem “Verrat” empfindet er zwar Schuldgefühle, diese erweisen sich allerdings als Maske des Schamgefühls darüber, dass er mit der inneren Bindung an die Nazi-Verbrecherin nicht fertigwerden kann. Als Beweis dieser psychischen Logik dient, dass sein Schuldgefühl ständig von Wut begleitet ist. Auch Hanna ist von einem starken Schamgefühl geplagt. Erst im zweiten Teil des Romans wird plötzlich offenbar, dass dieses auf einen bei Hanna vorhandenen Analphabetismus zurückzuführen ist. Die hier der Handlung innewohnende Anagnorisis dient als zentrale Stütze der Erzählstruktur des Romans, wobei die Scham(-angst) der Analphabetin den roten Faden durch die Narrative darstellt, der jedoch in manchen Details eher zu Verwirrungen führt. Besonders deutlich wird dies, wenn der eingeschränkte Blickwinkel des Ich-Erzählers vom Autor allzu manipulativ eingesetzt wird: Angesichts der fragwürdigen Stärke der Schamangst von Hanna sieht er sich außerstande, mehr als eine Reihe von rhetorischen Selbstfragen zu stellen und somit dem Leser dadurch zuvorzukommen, statt nach Antworten zu suchen oder gar auf der historischen Ebene aufzuklären. Mit dieser personalen Erzählperspektive ist nicht nur Michael, sondern auch der Leser nicht in der Lage, innere Veränderungen bei Hanna genau wahrzunehmen oder darüber hinaus zu bewerten. Auch die dritte Partie des Romans, die Nachkriegsgeneration, ist nicht frei von Schamgefühl. Der Autor und Jurist Bernhard Schlink lässt seinen Protagonisten, den Rechtsgeschichtswissenschaftler Michael dessen Elterngeneration nicht zu Schuld, sondern zu Scham verurteilen. Der spätere Michael hingegen distanziert sich von der Generation der 68er-Bewegung, die seiner Meinung nach ihrerseits selbst vom Schamgefühl betroffen ist. Um dieses eigene Leiden abzuwehren, habe sie die Elterngeneration als Zielscheibe ihrer Aggression benutzt. Solch eine “stellvertretende Scham” (Hilge Landweer) fungiert, so Alexandra Pontzen, als ein annehmbarer Kompromiss, um Schuld nicht auf das eigene Konto nehmen zu müssen. Michaels Behauptung weicht von der These von Aleida Assmann stark ab, dass die Nachkriegsgeneration die Kollektivschuld verinnerlicht und somit den Paradigmenwechsel von Schamkultur zu Schuldkultur erfolgreich gemeistert habe. Falls Der Vorleser kein persönlicher Liebesroman sein will, der, um den Roman massentauglich zu verpacken, vor dem Hintergrund der großen Umbrüche der Geschichte den Anschein einer autobiografischen Authentizität zu erwecken versucht, scheint sich Schlinks “Aufarbeitung der Vergangenheit” im selbst gebastelten Labyrinth von “Erschrecken, Scham und Schuld” verlaufen zu haben."
참고문헌 (28)
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- 뒤르, 한스 페터, "음란과 폭력" (2003), 한길사
