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베른하르트 슐링크의 소설 『 책 읽어주는 남자』에 나타난 죄와 수치의 유산

Bernhard Schlinks Der Vorleser and the problem of the transgenerational transmission of the shame and guilt feelings

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주제분류독일어와문학

초록

Sigmund Freud hat in Totem und Tabu von der ‘Gefühlserbschaft’ gesprochen, was bedeutet, dass die unbewussten psychischen Vorgänge transgenerationell weitergegeben werden. Die nicht zu kommunizierenden Gefühlsinformationen beispielsweise infolge von Kriegstraumata werden durch die narzisstische Identifizierung der Eltern mit den Kindern auf sie übertragen. Unter Berücksichtigung der freudschen Gefühlserbschaft versucht die vorliegende Arbeit, Hannas überstarke Schamangst vor der Bloßstellung als Analphabetin und Michaels Schuldgefühl zu ergründen. Ihre These ist wie folgt: Hanna schämt sich dermaßen zwanghaft, dass ihr alles recht und billig ist, um nur nicht bloßgestellt zu werden. Es heißt im Text, sie hatte um ihre Wahrheit und ihre Gerechtigkeit gekämpft. Ihre Schamangst ist irreduzibel, sodass sie dem Schuldbewußtsein überlegen ist und sie das Verantwortungsgefühl den Menschen gegenüber schweigen läßt. An Hanna lässt sich veranschaulichen, inwieweit die Schamangst einen zu den destruktiven, gewalttätigen und selbstverleugnenden Handlungen verleiten kann. Für Michael ist Hanna das libidinöse Liebesobjekt und die urteilende Instanz zugleich. In der Liebesbeziehung zu Hanna wird er beleidigt, beschämt und gedemütigt. Nichtsdestoweniger nimmt er aufgrund der Angst vor Liebesverlust alles auf sich. Er wird durch die Liebe, die einem Hörigkeitsverhältnis gleichkommt, in die Schuld verstrickt. Michael übernimmt Hannas psychische Struktur. Er wirft sich vor, sich selber schuldig gemacht zu haben, da er Hanna (die Naziverbrecherin) geliebt hat. Aber er ist nicht imstande, dafür Verantwortung zu tragen und sich von seinem Schuldgefühl zu lösen. In ihm entwickelt sich ein Zustand der Betäubung, in dem er alles wahrnimmt, aber nichts fühlt. Es stellt sich schließlich heraus, dass die Vergangenheit nichts Abgetanes und Erledigtes ist, sondern sie gegenwärtig wirkt und durchaus lebendig ist. Daher gilt es, sich mit dem Erbe der Vergangenheit immer wieder auseinanderzusetzen, ohne dass man wähnt, das endgültige Ziel der Vergangenheitsbewältigung erreicht zu haben. Schließlich versteht sich die vorliegende Arbeit als eine genealogische Erkundung, die deutsche Literatur der Schuld unter dem Licht der unbewussten Vererbung der Gefühle neuartig zu beleuchten.

Abstract

Sigmund Freud hat in Totem und Tabu von der ‘Gefühlserbschaft’ gesprochen, was bedeutet, dass die unbewussten psychischen Vorgänge transgenerationell weitergegeben werden. Die nicht zu kommunizierenden Gefühlsinformationen beispielsweise infolge von Kriegstraumata werden durch die narzisstische Identifizierung der Eltern mit den Kindern auf sie übertragen. Unter Berücksichtigung der freudschen Gefühlserbschaft versucht die vorliegende Arbeit, Hannas überstarke Schamangst vor der Bloßstellung als Analphabetin und Michaels Schuldgefühl zu ergründen. Ihre These ist wie folgt: Hanna schämt sich dermaßen zwanghaft, dass ihr alles recht und billig ist, um nur nicht bloßgestellt zu werden. Es heißt im Text, sie hatte um ihre Wahrheit und ihre Gerechtigkeit gekämpft. Ihre Schamangst ist irreduzibel, sodass sie dem Schuldbewußtsein überlegen ist und sie das Verantwortungsgefühl den Menschen gegenüber schweigen läßt. An Hanna lässt sich veranschaulichen, inwieweit die Schamangst einen zu den destruktiven, gewalttätigen und selbstverleugnenden Handlungen verleiten kann. Für Michael ist Hanna das libidinöse Liebesobjekt und die urteilende Instanz zugleich. In der Liebesbeziehung zu Hanna wird er beleidigt, beschämt und gedemütigt. Nichtsdestoweniger nimmt er aufgrund der Angst vor Liebesverlust alles auf sich. Er wird durch die Liebe, die einem Hörigkeitsverhältnis gleichkommt, in die Schuld verstrickt. Michael übernimmt Hannas psychische Struktur. Er wirft sich vor, sich selber schuldig gemacht zu haben, da er Hanna (die Naziverbrecherin) geliebt hat. Aber er ist nicht imstande, dafür Verantwortung zu tragen und sich von seinem Schuldgefühl zu lösen. In ihm entwickelt sich ein Zustand der Betäubung, in dem er alles wahrnimmt, aber nichts fühlt. Es stellt sich schließlich heraus, dass die Vergangenheit nichts Abgetanes und Erledigtes ist, sondern sie gegenwärtig wirkt und durchaus lebendig ist. Daher gilt es, sich mit dem Erbe der Vergangenheit immer wieder auseinanderzusetzen, ohne dass man wähnt, das endgültige Ziel der Vergangenheitsbewältigung erreicht zu haben. Schließlich versteht sich die vorliegende Arbeit als eine genealogische Erkundung, die deutsche Literatur der Schuld unter dem Licht der unbewussten Vererbung der Gefühle neuartig zu beleuchten.

참고문헌 (19)

  1. Schlink, Bernhard, "Der Vorleser" (1997), Zürich
  2. 이홍경, "베른하르트 슐링크의 <책 읽어주는 남자>에 나타난 과거극복", 독일어문학, 12(4) (2004), 한국독일어문학회
  3. 이홍경, "트라우마를 남긴 사랑-베른하르트 슐링크의 『책 읽어주는 남자』의 정신분석학적 고찰", 독일문학, 46(1), pp.124~143 (2005), 한국독어독문학회
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  6. 에리카 크레이치, "세대’란 무엇인가? 카를 만하임 이후 세대담론의 주제들", pp.113~148 (2014), 한울
  7. "Untersuchungen, Erfahrungen, therapeutische Hilfen" (2010), Berlin
  8. Bastian, Till, "Kain. Die Trennung von Scham und Schuld am Beispiel der Genesis", Psyche, 44, pp.1100~1112 (1990)
  9. Bode, Sabine, "Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen" (2015), Stuttgart
  10. Bohleber, Werner, "Babylon", pp.70~83 (1990), Beiträge zur jüdischen Gegenwart
  11. Freud, Sigmund, "Totem und Tabu, Gesammelte Werke 9" (1999), Frankfurt a.M
  12. Krejci, Erika, "Generationen. Zur Relevanz eines wissenschaftlichen Grundbegriffs", pp.80~107 (2005), Hamburg
  13. Marks, Stephan, "Scham. Freiburger Literaturpsychologische Gespräche. Jahrbuch für Literatur und Psychoanalyse, Bd. 32", pp.203~211 (2013), Würzburg
  14. "Ders.: Scham - die tabuisierte Emotion" (2011), Ostfildern
  15. Moschytz-Ledgley, Miriam, "Vererbtes Trauma in Bernhard Schlinks Roman Der Vorleser" (2009), Marburg
  16. Niven, Bill, "Bernhard Schlink's Der Vorleser and the Problem of Shame", The Modern Language Review, 98(2), pp.381~396 (2003)
  17. Schlink, Bernhard, "Beiträge zu einem deutschen Thema" (2007), Zürich
  18. "Ders: Interview mit Frankfurter Allgemeiner Zeitung am 20" (2009)[URL]
  19. Schmitz, Helmut, "Malen nach Zahlen? Bernhard Schlinks Der Vorleser und die Unfähigkeit zu trauern", German Life and Letters, 55(3), pp.296~311 (2002)

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