고대 그리스비극에서 합창의 역할 - 동일시와 카타르시스
Zur Wirkung des Chors in der griechischen Tragödie - Identifikation und Katharsis
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초록
Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich mit dem Chor in den griechischen Tragödien Aischylos’, Sophokles’ und Euripides’. Dabei soll überprüft werden, ob seine Wirkung beim Publikum im Sinne der Theorie des epischen Theaters von Bertolt Brecht anti-aristotelisch ist. Das Ergebnis zeigt, dass der Chor trotz der kommentierenden Momente den Zuschauer beim Betrachten der Dramenwelt eher zur aristotelischen Identifikation mit der Fiktion, denn zur kritischen Distanz bringt, weil er als Handlungsfigur stark in die mythische Fiktion integriert ist. Er repräsentiert nämlich als integrierter Charakter konsequent eine bestimmte Weltanschauung in der Fiktion, die einen festen Rahmen der Dramenwelt bildet. Seine Kommentare verstärken nur den Rahmen der Fiktion. Der Männerchor in Aischylos’ Agamemnon beispielsweise zieht den Zuschauer durch seine wiederholte Vorhersage des drohenden tragischen Mordgeschehens im Königshaus in die Handlungsfolge hinein und lässt ihn endlich eine Katharsis miterleben. Der Chor wirkt also für den Zuschauer vielmehr identitätsstiftend - und zwar für ihn vielmehr als einen Staatsbürger, der zu der gemeinsamen theokratischen Schicksalsgemeinschaft Griechenland gehört - als dass er ihn zur kritischen Auseinanderzusetzung mit dem Schicksal veranlasst. Eine derartige identifizierende Funktion des Chors findet sich auch in Choephoroi von Aischylos, wo der Frauenchor stark mit der leidenden Heldin Elektra sympathisiert. Trotz der das Schicksal der Heldin verallgemeinernden Kommentare agiert der Chor sichtbar als gefühlvolle Freundinnen Elektras, die ihrerseits unter dem gleichen Schicksal leiden wie die Heldin. Der Göttinnenchor in Eumenides lässt sich sogar von den 11 zivilen Jurys dazu überreden, auf die entschlossene Verfolgung nach Orest endgültig zu verzichten. So wirkt in der Tetralogie Aischylos’ der Chor vielmehr als einheitliche Person, denn als kritischer Kommentator, der zu seiner Rolle- und zur Dramenfiktion Distanz herstellen kann. Die illusionistische Wirkung des Chors ist auch bei Sophokles zu finden. Der meistens aus alten Männern bestehende Chor führt die tragischen Geschehnisse der Königsfamilie Thebens immer wieder auf den unwiderruflich festen Willen der olympischen Götter zurück, was das Publikum vor der Macht der Götter ehrfürchtig macht und somit die Theaterbühne quasi in einen heiligen Ort der ritualen Opferung verwandelt. Bei Euripides als dem letzten griechischen Dramatiker engagiert sich der meistens aus Frauen bestehende Chor zwar sozialkritisch, indem er zur patriarchalischen Gesellschaft kritisch Stellung nimmt. Aber auch diese Kritik wirkt beim Zuschauer weniger episierend als vielmehr illusorisch Sympathie erregend, da die ganze Fiktion des Stückes ihrerseits ohnehin sozialkritisch konzipiert und inszeniert ist. Die Heldin selber übt von Anfang bis zum Ende harte Kritik an der patriarchalischen Gesellschaft. Die Chor übt lediglich aus der Sicht der Heldinn die gleiche Kritik. Er hebt sich also charakteristisch kaum von den Heldin ab, die schon aufklärerisch emanzipiert ist. In Euripides’ Hippolytos beispielsweise kann der Chor als intellektuell unterlegene Rolle die mächtige Aphrodite nur anbeten, dass er von dem gleichen Schicksal der in Hippolytos zum Tod verliebten Heldin Phaedra verschont bleibe. Auch in dem Satyrspiel Bakchen kann der Chor in seiner Not der Verfolgung durch den rationalistischen Pentheus höchstens Dionysos anbeten und verlangen, ihn zu bestrafen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Chor in den griechischen Tragödien trotz seines episierenden Anscheins meistens illusorisch und aristotelisch wirkt. Er selber ist eine persönliche Figur, die an der theokratischen Idee Athens als Lebensprinzip festhält.
Abstract
Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich mit dem Chor in den griechischen Tragödien Aischylos’, Sophokles’ und Euripides’. Dabei soll überprüft werden, ob seine Wirkung beim Publikum im Sinne der Theorie des epischen Theaters von Bertolt Brecht anti-aristotelisch ist. Das Ergebnis zeigt, dass der Chor trotz der kommentierenden Momente den Zuschauer beim Betrachten der Dramenwelt eher zur aristotelischen Identifikation mit der Fiktion, denn zur kritischen Distanz bringt, weil er als Handlungsfigur stark in die mythische Fiktion integriert ist. Er repräsentiert nämlich als integrierter Charakter konsequent eine bestimmte Weltanschauung in der Fiktion, die einen festen Rahmen der Dramenwelt bildet. Seine Kommentare verstärken nur den Rahmen der Fiktion. Der Männerchor in Aischylos’ Agamemnon beispielsweise zieht den Zuschauer durch seine wiederholte Vorhersage des drohenden tragischen Mordgeschehens im Königshaus in die Handlungsfolge hinein und lässt ihn endlich eine Katharsis miterleben. Der Chor wirkt also für den Zuschauer vielmehr identitätsstiftend - und zwar für ihn vielmehr als einen Staatsbürger, der zu der gemeinsamen theokratischen Schicksalsgemeinschaft Griechenland gehört - als dass er ihn zur kritischen Auseinanderzusetzung mit dem Schicksal veranlasst. Eine derartige identifizierende Funktion des Chors findet sich auch in Choephoroi von Aischylos, wo der Frauenchor stark mit der leidenden Heldin Elektra sympathisiert. Trotz der das Schicksal der Heldin verallgemeinernden Kommentare agiert der Chor sichtbar als gefühlvolle Freundinnen Elektras, die ihrerseits unter dem gleichen Schicksal leiden wie die Heldin. Der Göttinnenchor in Eumenides lässt sich sogar von den 11 zivilen Jurys dazu überreden, auf die entschlossene Verfolgung nach Orest endgültig zu verzichten. So wirkt in der Tetralogie Aischylos’ der Chor vielmehr als einheitliche Person, denn als kritischer Kommentator, der zu seiner Rolle- und zur Dramenfiktion Distanz herstellen kann. Die illusionistische Wirkung des Chors ist auch bei Sophokles zu finden. Der meistens aus alten Männern bestehende Chor führt die tragischen Geschehnisse der Königsfamilie Thebens immer wieder auf den unwiderruflich festen Willen der olympischen Götter zurück, was das Publikum vor der Macht der Götter ehrfürchtig macht und somit die Theaterbühne quasi in einen heiligen Ort der ritualen Opferung verwandelt. Bei Euripides als dem letzten griechischen Dramatiker engagiert sich der meistens aus Frauen bestehende Chor zwar sozialkritisch, indem er zur patriarchalischen Gesellschaft kritisch Stellung nimmt. Aber auch diese Kritik wirkt beim Zuschauer weniger episierend als vielmehr illusorisch Sympathie erregend, da die ganze Fiktion des Stückes ihrerseits ohnehin sozialkritisch konzipiert und inszeniert ist. Die Heldin selber übt von Anfang bis zum Ende harte Kritik an der patriarchalischen Gesellschaft. Die Chor übt lediglich aus der Sicht der Heldinn die gleiche Kritik. Er hebt sich also charakteristisch kaum von den Heldin ab, die schon aufklärerisch emanzipiert ist. In Euripides’ Hippolytos beispielsweise kann der Chor als intellektuell unterlegene Rolle die mächtige Aphrodite nur anbeten, dass er von dem gleichen Schicksal der in Hippolytos zum Tod verliebten Heldin Phaedra verschont bleibe. Auch in dem Satyrspiel Bakchen kann der Chor in seiner Not der Verfolgung durch den rationalistischen Pentheus höchstens Dionysos anbeten und verlangen, ihn zu bestrafen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Chor in den griechischen Tragödien trotz seines episierenden Anscheins meistens illusorisch und aristotelisch wirkt. Er selber ist eine persönliche Figur, die an der theokratischen Idee Athens als Lebensprinzip festhält.
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