자서전적 글쓰기와 문화적 정체성 - 귄터 그라스의 "양파껍질을 벗기며"를 예로 들어
Autobiographisches Schreiben und Kulturelle Identität - Am Beispiel von Günter Grass’ Beim Häuten der Zwiebel
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초록
Der Skandal um Günter Grass’ Autobiographie Beim Häuten der Zwiebel (2006), in der der Autor seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS zum ersten Mal bekannt gemacht hat, rührte daher, dass Grass im Nachkriegsdeutschland als eine moralische Instanz galt. Zudem war er “ein wichtiger Erinnerungträger des deutschen kulturellen Gedächtnisses” (Paaß). In der deutschen Erinnerungskultur ist Grass die symbolische Figur schlechthin. Er hat mit seinem Roman Die Blechtrommel (1959) noch vor den 68ern die Nazivergangenheit Deutschlands verurteilt und mit seiner Erzählung Im Krebsgang (2002), in der er das Leiden der Deutschen im Krieg thematisiert, zum “Paradigmenwechsel in dem Erinnerungsdiskurs” (Walzer) beigetragen. Beim Häuten der Zwiebel darf in dieser Hinsicht nicht bloß als ein Bekenntnisbuch, sondern muss unter dem Aspekt der deutschen Erinnerungskultur betrachtet werden. Grass’ Buch steht nämlich für eine neue Tendenz innerhalb der Erinnerungskultur: Nach der harten Kritik und Verurteilung der Täter-Generation und dem radikalen Bruch mit ihr stehen nun Selbstbefragung und Trauer im Vordergrund und damit auch die Herstellung von geschichtlicher Kontinuität. Grass’ Autobiographie ist ein Versuch, eigene Schuld auszuloten, sich zu entschuldigen und zu trauern, um damit die eigene gebrochene Identität wiederherzustellen und diese schließlich in das kulturelle Gedächtnis einzuordnen. Die werkimmanente Kritik an Grass’ Autobiographie richtet sich darauf, dass jener die eigene ‘Schuld’ durch die “Ambiguität” der Autobiographie zum Verschwinden bringen wolle (Tonger-Erk) oder durch Erzählstrategien die “Wiederherstellung der Unschuld im Schuldbekenntnis” zu erzielen suche (Wiedemann). Gegen die Ambiguität, die die Unzulänglichkeit der autobiographischen Erinnerung als Tatsachenbericht verursacht, kämpft Grass, so meine These, mit der Zwiebel- und der Bernsteinmetapher an, die die selbstreferenzielle Reflexion über die Unzulänglichkeit der Erinnerung und den bewussten Umgang mit diesen Problem zum Ausdruck bringt. Die Zwiebel helfe zwar “der Erinnerung auf die Sprünge”, laufe aber Gefahr die Tatschen zu verfälschen. Als Korrektiv hierzu dient der Bernstein mit seinen “handfesten Einzelheiten”, der so die “Ausflüchte” der Zwiebel widerlegt. Auf diese Weise wird Grass’ Erinnerungsprozess zu einem Selbstbefragungs-, Sichentschuldigungs- und Verurteilungs- und schließlich einem Trauerprozess. Denn beim Häuten der Zwiebel, die ein “Abführmittel besonderer Art” ist, fließen die Tränen. Andererseits geht es der Autobiographie programmatisch nicht um den Bericht der Tatsachen, sondern die Konstruierung der eigenen Schuld. Dazu dienen die Fiktionalisierung, z. B. die Figur wirtunsowasnicht, und der Verzicht auf die chronologische Darstellung. Auch die von Wiedemann kritisierten Erzählstrategien, u. a. die der Nebeneinanderstellung der Verbrechen und des Leidens der Deutschen und die Gleichstellung der Deutschen und Juden als Kriegsüberlebende sind als Strategien zum Ausbalancieren des kulturellen Gedächtnisses zu betrachten, denn das Leiden der Deutschen muss auch von der Erinnerungskultur ebenso wie die Verbrechen berücksichtigt werden. Allerdings blendet Grass dabei keineswegs die Bilder des Holocausts aus. Auf diese Weise dient der Schreibprozess der Sichtbarmachung des jungen Grass, den der Autor lange aus seinem Leben verbannt hatte. Dieses Sichtbarmachen bedeutet gleichzeitig die Wiederherstellung der eigenen Identität. Denn bei Grass hat das Ich keinen sichtbaren Kern, sondern nur viele Schichten wie eine Zwiebel, ein Konzept, das Grass Ibsens Peer Gynt entlehnt. Außerdem versucht Grass den jungen Grass als einen von Vielen zu konstruieren und dadurch in das kulturelle Gedächtnis einzuordnen. Damit ist der Schreibprozess auch ein Prozeß zur Gewinnnung der kulturellen Identität.
Abstract
Der Skandal um Günter Grass’ Autobiographie Beim Häuten der Zwiebel (2006), in der der Autor seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS zum ersten Mal bekannt gemacht hat, rührte daher, dass Grass im Nachkriegsdeutschland als eine moralische Instanz galt. Zudem war er “ein wichtiger Erinnerungträger des deutschen kulturellen Gedächtnisses” (Paaß). In der deutschen Erinnerungskultur ist Grass die symbolische Figur schlechthin. Er hat mit seinem Roman Die Blechtrommel (1959) noch vor den 68ern die Nazivergangenheit Deutschlands verurteilt und mit seiner Erzählung Im Krebsgang (2002), in der er das Leiden der Deutschen im Krieg thematisiert, zum “Paradigmenwechsel in dem Erinnerungsdiskurs” (Walzer) beigetragen. Beim Häuten der Zwiebel darf in dieser Hinsicht nicht bloß als ein Bekenntnisbuch, sondern muss unter dem Aspekt der deutschen Erinnerungskultur betrachtet werden. Grass’ Buch steht nämlich für eine neue Tendenz innerhalb der Erinnerungskultur: Nach der harten Kritik und Verurteilung der Täter-Generation und dem radikalen Bruch mit ihr stehen nun Selbstbefragung und Trauer im Vordergrund und damit auch die Herstellung von geschichtlicher Kontinuität. Grass’ Autobiographie ist ein Versuch, eigene Schuld auszuloten, sich zu entschuldigen und zu trauern, um damit die eigene gebrochene Identität wiederherzustellen und diese schließlich in das kulturelle Gedächtnis einzuordnen. Die werkimmanente Kritik an Grass’ Autobiographie richtet sich darauf, dass jener die eigene ‘Schuld’ durch die “Ambiguität” der Autobiographie zum Verschwinden bringen wolle (Tonger-Erk) oder durch Erzählstrategien die “Wiederherstellung der Unschuld im Schuldbekenntnis” zu erzielen suche (Wiedemann). Gegen die Ambiguität, die die Unzulänglichkeit der autobiographischen Erinnerung als Tatsachenbericht verursacht, kämpft Grass, so meine These, mit der Zwiebel- und der Bernsteinmetapher an, die die selbstreferenzielle Reflexion über die Unzulänglichkeit der Erinnerung und den bewussten Umgang mit diesen Problem zum Ausdruck bringt. Die Zwiebel helfe zwar “der Erinnerung auf die Sprünge”, laufe aber Gefahr die Tatschen zu verfälschen. Als Korrektiv hierzu dient der Bernstein mit seinen “handfesten Einzelheiten”, der so die “Ausflüchte” der Zwiebel widerlegt. Auf diese Weise wird Grass’ Erinnerungsprozess zu einem Selbstbefragungs-, Sichentschuldigungs- und Verurteilungs- und schließlich einem Trauerprozess. Denn beim Häuten der Zwiebel, die ein “Abführmittel besonderer Art” ist, fließen die Tränen. Andererseits geht es der Autobiographie programmatisch nicht um den Bericht der Tatsachen, sondern die Konstruierung der eigenen Schuld. Dazu dienen die Fiktionalisierung, z. B. die Figur wirtunsowasnicht, und der Verzicht auf die chronologische Darstellung. Auch die von Wiedemann kritisierten Erzählstrategien, u. a. die der Nebeneinanderstellung der Verbrechen und des Leidens der Deutschen und die Gleichstellung der Deutschen und Juden als Kriegsüberlebende sind als Strategien zum Ausbalancieren des kulturellen Gedächtnisses zu betrachten, denn das Leiden der Deutschen muss auch von der Erinnerungskultur ebenso wie die Verbrechen berücksichtigt werden. Allerdings blendet Grass dabei keineswegs die Bilder des Holocausts aus. Auf diese Weise dient der Schreibprozess der Sichtbarmachung des jungen Grass, den der Autor lange aus seinem Leben verbannt hatte. Dieses Sichtbarmachen bedeutet gleichzeitig die Wiederherstellung der eigenen Identität. Denn bei Grass hat das Ich keinen sichtbaren Kern, sondern nur viele Schichten wie eine Zwiebel, ein Konzept, das Grass Ibsens Peer Gynt entlehnt. Außerdem versucht Grass den jungen Grass als einen von Vielen zu konstruieren und dadurch in das kulturelle Gedächtnis einzuordnen. Damit ist der Schreibprozess auch ein Prozeß zur Gewinnnung der kulturellen Identität.
참고문헌 (19)
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- Mazurek Alice, "Der Erinnerungsprozess in Günter Grass’ Beim Häuten der Zwiebel" (2011), Tectum
- Paaß, Michael, "Zum Werk von Günter Grass" (2009), Aisthesis
- Pietsch, Timm Niklas, "Günter Grass als politischer Redner und Essayist" (2006), Klartext
- Tonger-Erk, Lily, "Zeitschrift für Deutsche Philologie 131", pp.571~590 (2012), Erich Schmidt
- Welzer, Harald, "Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis" (2002), Fischer
- Wiedemann, Barbara, "Die fünfziger Jahre im autobiographischen Rückblick", pp.105~132 (2013), Richart Boorberg
