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„In jedem Danach liegt ein Davor begraben …“ Vergegenkunft als kompositorisches Prinzip in Günter Grass‘ Grimms Wörter

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주제분류기타인문학

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Der von Günter Grass geprägte Portmanteau-Begriff Vergegenkunft setzt sich aus den Wörtern Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen und bezeichnet die Vorstellung, dass diese drei Zeitebenen nicht nacheinander, sondern gewissermaßen gleichzeitig existieren und sich gegenseitig durchdringen. In diesem Aufsatz wird untersucht, wie dieses Konzept in Grimms Wörter (2010) zum kompositorischen Prinzip erhoben und dazu verwendet wird, Episoden aus dem Leben des Autors Grass so mit der Geschichte der Brüder Grimm und ihrer Arbeit am Deutschen Wörterbuch zu verknüpfen, dass der ontologische Status der entsprechenden Passagen eigentümlich in der Schwebe bleibt: Handelt es sich um autobiographischreferentielle Schilderungen wirklicher Erlebnisse des Autors Günter Grass - oder um fiktional-romanhafte Darstellungen, die seiner literarischen Vorstellungskraft entstammen? Und welche Rolle spielt die Kategorie der Autofiktionalität? Unter Bezugnahme auf Philip Lejeunes einflussreiches Modell des autobiographischen Paktes untersucht die vorliegende Arbeit somit nicht nur die komplexe narrative Struktur von Grimms Wörter, sondern analysiert anhand dieses Textes auch ein strukturelles Merkmal, das, außer in Günter Grass‘ letztem Werk, auch in Kopfgeburten (1980), Die Rättin (1986) und Ein weites Feld (1995) von zentraler Bedeutung ist: das Konzept der Vergegenkunft.

Abstract

Der von Günter Grass geprägte Portmanteau-Begriff Vergegenkunft setzt sich aus den Wörtern Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen und bezeichnet die Vorstellung, dass diese drei Zeitebenen nicht nacheinander, sondern gewissermaßen gleichzeitig existieren und sich gegenseitig durchdringen. In diesem Aufsatz wird untersucht, wie dieses Konzept in Grimms Wörter (2010) zum kompositorischen Prinzip erhoben und dazu verwendet wird, Episoden aus dem Leben des Autors Grass so mit der Geschichte der Brüder Grimm und ihrer Arbeit am Deutschen Wörterbuch zu verknüpfen, dass der ontologische Status der entsprechenden Passagen eigentümlich in der Schwebe bleibt: Handelt es sich um autobiographischreferentielle Schilderungen wirklicher Erlebnisse des Autors Günter Grass - oder um fiktional-romanhafte Darstellungen, die seiner literarischen Vorstellungskraft entstammen? Und welche Rolle spielt die Kategorie der Autofiktionalität? Unter Bezugnahme auf Philip Lejeunes einflussreiches Modell des autobiographischen Paktes untersucht die vorliegende Arbeit somit nicht nur die komplexe narrative Struktur von Grimms Wörter, sondern analysiert anhand dieses Textes auch ein strukturelles Merkmal, das, außer in Günter Grass‘ letztem Werk, auch in Kopfgeburten (1980), Die Rättin (1986) und Ein weites Feld (1995) von zentraler Bedeutung ist: das Konzept der Vergegenkunft.

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