하인리히 뵐의 소설 『어느 어릿광대의 견해』 속의 전화 모티브
Das Motiv des Telefons in Heinrich Bölls Roman Ansichten eines Clowns
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초록
In den späten 50er und 60er Jahren beginnt in Deutschland ein neues kommunikatives Medium die kulturelle Landschaft Deutschlands zu verändern: Das Telefon. Diese technische Neuheit, die tief in die kommunikative Praxis des Landes eingriff, hinterließ auch Spuren in der Literatur dieser Jahre. Ganze Szenen in Erzählwerken der damaligen Zeit waren von diesem neuen Medium geprägt. Jochen Vogt sprach in dieser Hinsicht sogar von der Gattung des “Telefonromans”; Heinrich Bölls “Ansichten eines Clowns”(1963) ist einer davon. Untersuchungen in Bezug auf die inhaltliche und strukturelle Funktion dieses neuen Motivs blieben bislang aus. Der vorliegende Aufsatz unternimmt einen solchen Versuch am Beispiel von Heinrich Böll. Die zwölf Telefonate Hans Schniers, der Hauptfigur des Romans, beruhen auf einer Liste von Personen, die in der Lage sind, ihn finanziell - gern oder weniger gern - zu unterstützen. Die entsprechenden Telefonate führen aber zu keinem Erfolg, da Schnier seine Lebenssituation nur einseitig und militant vorzubringen in der Lage ist. Dabei geht er davon aus, dass die katholische Morallehre seine Beziehung zu Marie zerstört habe. Bei der Konstruktion der Handlung hätte Böll auf die vielen Telefonate verzichten und stattdessen persönliche Gespräche verwenden können. Erst in Kontrast zu dieser alternativen Plot-Konstruktion wird die von Böll gewählte signifikant. Das Ergebnis dieser neuen Kommunikationsform erinnert an ihre Weiterentwicklung im Netz der Neuzeit: Handys, Smartphones und E-Mails, deren kommunikative Dysfunktion schon oft beklagt wurde. Mit diesen Medien lassen sich zwar Informationen austauschen, aber keine komplexen Probleme persönlicher Art lösen. Diese Medien laden nicht zur Reflexion und zum Atemholen ein, sondern zu gedankenloser Flüchtigkeit unter dem Diktat permanenter Zeitknappheit. Das technische Medium neigt schließlich dazu, seinen Zweck, denjenigen der Kommunikation, zu zerstören. Die Suche nach einer Lösung über den Umweg dieses Mediums führt Schnier immer tiefer in die Sackgasse eines Labyrinths. Tatsächlich hat Böll in einem Interview mit Heinz Ludwig Arnold erklärt, dass der Plot seines Romans auf dem Theseus-Mythos beruhe. Dabei fungiert “der politische deutsche Katholizismus” als Labyrinth, Schnier als Theseus und Marie als Ariadne. Mit dieser Mythologisierung einer individuellen Sozialisierung werden zeitlich gebundene Tataschen auf einen zeitenthobenen Urgrund projiziert. Damit entkommt das Erzählte dem Makel des Zufälligen und des Einmaligen. Gleichzeitig entsteht auf diese Weise eine neue Legitimation zur Lektüre dieses Romans in der heutigen Zeit. Zwar bemerkt Heinrich Böll 1985, dass sein Roman inzwischen historisch geworden sei, doch spricht sein Roman auch davon, dass alles Historische auf zeitenthobenen Grundstrukturen beruht.
Abstract
In den späten 50er und 60er Jahren beginnt in Deutschland ein neues kommunikatives Medium die kulturelle Landschaft Deutschlands zu verändern: Das Telefon. Diese technische Neuheit, die tief in die kommunikative Praxis des Landes eingriff, hinterließ auch Spuren in der Literatur dieser Jahre. Ganze Szenen in Erzählwerken der damaligen Zeit waren von diesem neuen Medium geprägt. Jochen Vogt sprach in dieser Hinsicht sogar von der Gattung des “Telefonromans”; Heinrich Bölls “Ansichten eines Clowns”(1963) ist einer davon. Untersuchungen in Bezug auf die inhaltliche und strukturelle Funktion dieses neuen Motivs blieben bislang aus. Der vorliegende Aufsatz unternimmt einen solchen Versuch am Beispiel von Heinrich Böll. Die zwölf Telefonate Hans Schniers, der Hauptfigur des Romans, beruhen auf einer Liste von Personen, die in der Lage sind, ihn finanziell - gern oder weniger gern - zu unterstützen. Die entsprechenden Telefonate führen aber zu keinem Erfolg, da Schnier seine Lebenssituation nur einseitig und militant vorzubringen in der Lage ist. Dabei geht er davon aus, dass die katholische Morallehre seine Beziehung zu Marie zerstört habe. Bei der Konstruktion der Handlung hätte Böll auf die vielen Telefonate verzichten und stattdessen persönliche Gespräche verwenden können. Erst in Kontrast zu dieser alternativen Plot-Konstruktion wird die von Böll gewählte signifikant. Das Ergebnis dieser neuen Kommunikationsform erinnert an ihre Weiterentwicklung im Netz der Neuzeit: Handys, Smartphones und E-Mails, deren kommunikative Dysfunktion schon oft beklagt wurde. Mit diesen Medien lassen sich zwar Informationen austauschen, aber keine komplexen Probleme persönlicher Art lösen. Diese Medien laden nicht zur Reflexion und zum Atemholen ein, sondern zu gedankenloser Flüchtigkeit unter dem Diktat permanenter Zeitknappheit. Das technische Medium neigt schließlich dazu, seinen Zweck, denjenigen der Kommunikation, zu zerstören. Die Suche nach einer Lösung über den Umweg dieses Mediums führt Schnier immer tiefer in die Sackgasse eines Labyrinths. Tatsächlich hat Böll in einem Interview mit Heinz Ludwig Arnold erklärt, dass der Plot seines Romans auf dem Theseus-Mythos beruhe. Dabei fungiert “der politische deutsche Katholizismus” als Labyrinth, Schnier als Theseus und Marie als Ariadne. Mit dieser Mythologisierung einer individuellen Sozialisierung werden zeitlich gebundene Tataschen auf einen zeitenthobenen Urgrund projiziert. Damit entkommt das Erzählte dem Makel des Zufälligen und des Einmaligen. Gleichzeitig entsteht auf diese Weise eine neue Legitimation zur Lektüre dieses Romans in der heutigen Zeit. Zwar bemerkt Heinrich Böll 1985, dass sein Roman inzwischen historisch geworden sei, doch spricht sein Roman auch davon, dass alles Historische auf zeitenthobenen Grundstrukturen beruht.
참고문헌 (15)
- 하인리히 뵐, "어느 어릿광대의 견해" (2010), 문학동네
- Heinrich Böll, "Ansichten eines Clowns. Roman", dtv, ~ (1997)
- Bernáth, Árpád, "Heinrich Böll. Werke. Kölner Ausgabe. Bd.13: Ansichten eines Clowns" (2004), Kiepenheuer & Witsch
- Ansichten eines Clowns, "Regie u. Drehbuch von Vojtěch Jasný" (1976)
- Arnold, Heinz Ludwig, "Im Gespräch: Heinrich Böll mit H. L. Arnold" (1971)
- "Diplomaten erzählen. Zu Büchern von Daniele Varè und Wilhelm Hausenstein" (1955)[URL]
- "Beichtstuhl auf Distanz. ‘Kongress für Telefonseel- sorge’ in Bad Boll" (1962)[URL]
- "In den 50 Jahren vom Luxus zum Standard. Pressemitteilung Nr. 363" (2013)[URL]
- 김병익, "컴퓨터는 문학을 어떻게 변화시킬 것인가", 동서문학, (여름), pp.254~264 (1994)
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- Balzer, Bernd, "Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns" (1999)
- Blamberge, Günter, "Heinrich Böll. Romane und Erzählungen. Interpretationen", pp.200~221 (2000)
- Fischer, Bernhard, "Deutsche literarische Zeitschriften 1945-1970: Ein Repertorium" (1992), De Gruyter
- Götze, Karl Heinz, "Interpretationen: Romane des 20. Jahrhunderts", pp.186~211 (1993), Romane des 20. Jahrhunderts. Bd. 2. Stuttgart. 186-211
- Vogt, Jochen, "Einladung zur Literaturwissenschaft" (2001), München
