토마스 만의 『파우스트 박사』에 나타난 현대이성의 배척원리
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초록
Die geheimnisvolle Seite der Natur, mit der Adrian in seiner Kindheit durch die väterlichen Experimente vertraut gemacht wird, ist auch für seine spätere Entwicklung sehr bedeutsam. Dabei gerät die gewohnte Vorstellung von der Natur ins Schwanken. Die im Experiment des alten Leverkühn in Erscheinung tretenden Phänomene entziehen sich identifizierendem Denken und zeigen, daß die Begriffsbildung des diskursiven Denkens “durch Gleichsetzen des Nichtgleichen” entsteht. Weil die seltsamen Naturspiele sich nicht in eine begriffliche Einheit bringen lassen, sieht der humanistisch gebildete Biograph in ihnen die unlautere Magie. Das zeigt das Prinzip der Naturbeherrschung der modernen Ratio: was sich in das vereinheitlichende System einverleiben läßt, wird angeeignet, und was die Einverleibung verweigert, wird abgewertet und ausgegrenzt. Die thematische Bedeutung des Teufelsgesprächs kann unterschiedlich ausgelegt werden. Unverkennbar sind die Hölle und der Teufel zunächst eine politische Allegorie für die deutsche Katastrophe. Aber vom kulturellen und ästhetischen Gesichtspunkt aus gesehen plädiert der Teufel für die Freisetzung der irrationalen Kräfte, die Enthemmung der stagnierenden kreativen Kräfte und den Ausbruch aus der verkrusteten bürgerlichen Kultur. Der Teufel ist nicht nur das Sinnbild für das irrationale Prinzip als bloße Opposition zur Vernunft, sondern eher das Prinzip der Überschreitung. Um das, was im Teufelsgespräch auf der irrealen, symbolischen Ebene gesprochen wird, auf die realistische Ebene zu verschieben, wird im Roman der Krankheit die Funktion zugeschrieben, die ästhetische Produktivität Adrians zu steigern. Adrian Leverkühns Spätmusik bringt das Andere, das die identitätsetzende Vernunft zu Material reduzierte, als nicht einheitliches und begrifflich bestimmbares zum Vorschein. Zeitblom bemerkt, daß in diesem Werk “die Musik als Sprache befreit” wird. Damit wird die Musik Gegeninstanz zum diskursiven Denken, zur verengten Rationalität. Es scheint kein Zufall zu sein, daß Adrian, der angesichts der in die Sackgasse geratenen Kulturkrise den neuen Impuls sucht, dem Wahnsinn verfällt. Denn es handelt sich beim Wahnsinn nach Foucault um “ein Gebiet, wo es eher um die Grenzen als um die Wesenseinheit einer Kultur geht.” Adrians Wahnsinn als Quelle künstlerischer Produktivität eröffnet die Möglichkeit, über die disziplinierte Ordnung des Diskurses hinauszugehen und die Sprache des Anderen wieder zu artikulieren, die nach Foucault in der klassischen Epoche durch die ausschließliche Privilegierung der Rede der Vernunft ausgeschlossen und zum Schweigen gebracht wurde. Adrians Wille zur Grenzüberschreitung, die mit dem Faust-Motiv verbunden dargestellt wird, ist in dem oben dargestellten Zusammenhang nichts anderes als ein Versuch, das unterdrückte, verdrängte Andere wieder zu entriegeln, um damit die kulturelle Stagnation zu durchbrechen.
Abstract
Die geheimnisvolle Seite der Natur, mit der Adrian in seiner Kindheit durch die väterlichen Experimente vertraut gemacht wird, ist auch für seine spätere Entwicklung sehr bedeutsam. Dabei gerät die gewohnte Vorstellung von der Natur ins Schwanken. Die im Experiment des alten Leverkühn in Erscheinung tretenden Phänomene entziehen sich identifizierendem Denken und zeigen, daß die Begriffsbildung des diskursiven Denkens “durch Gleichsetzen des Nichtgleichen” entsteht. Weil die seltsamen Naturspiele sich nicht in eine begriffliche Einheit bringen lassen, sieht der humanistisch gebildete Biograph in ihnen die unlautere Magie. Das zeigt das Prinzip der Naturbeherrschung der modernen Ratio: was sich in das vereinheitlichende System einverleiben läßt, wird angeeignet, und was die Einverleibung verweigert, wird abgewertet und ausgegrenzt. Die thematische Bedeutung des Teufelsgesprächs kann unterschiedlich ausgelegt werden. Unverkennbar sind die Hölle und der Teufel zunächst eine politische Allegorie für die deutsche Katastrophe. Aber vom kulturellen und ästhetischen Gesichtspunkt aus gesehen plädiert der Teufel für die Freisetzung der irrationalen Kräfte, die Enthemmung der stagnierenden kreativen Kräfte und den Ausbruch aus der verkrusteten bürgerlichen Kultur. Der Teufel ist nicht nur das Sinnbild für das irrationale Prinzip als bloße Opposition zur Vernunft, sondern eher das Prinzip der Überschreitung. Um das, was im Teufelsgespräch auf der irrealen, symbolischen Ebene gesprochen wird, auf die realistische Ebene zu verschieben, wird im Roman der Krankheit die Funktion zugeschrieben, die ästhetische Produktivität Adrians zu steigern. Adrian Leverkühns Spätmusik bringt das Andere, das die identitätsetzende Vernunft zu Material reduzierte, als nicht einheitliches und begrifflich bestimmbares zum Vorschein. Zeitblom bemerkt, daß in diesem Werk “die Musik als Sprache befreit” wird. Damit wird die Musik Gegeninstanz zum diskursiven Denken, zur verengten Rationalität. Es scheint kein Zufall zu sein, daß Adrian, der angesichts der in die Sackgasse geratenen Kulturkrise den neuen Impuls sucht, dem Wahnsinn verfällt. Denn es handelt sich beim Wahnsinn nach Foucault um “ein Gebiet, wo es eher um die Grenzen als um die Wesenseinheit einer Kultur geht.” Adrians Wahnsinn als Quelle künstlerischer Produktivität eröffnet die Möglichkeit, über die disziplinierte Ordnung des Diskurses hinauszugehen und die Sprache des Anderen wieder zu artikulieren, die nach Foucault in der klassischen Epoche durch die ausschließliche Privilegierung der Rede der Vernunft ausgeschlossen und zum Schweigen gebracht wurde. Adrians Wille zur Grenzüberschreitung, die mit dem Faust-Motiv verbunden dargestellt wird, ist in dem oben dargestellten Zusammenhang nichts anderes als ein Versuch, das unterdrückte, verdrängte Andere wieder zu entriegeln, um damit die kulturelle Stagnation zu durchbrechen.
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