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Verloren im Netzwerk - Die Wirklichkeitswahrnehmung in Daniel Kehlmanns Ruhm

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주제분류독일어와문학

초록

In Ingo Schulzes Erzählung Handy (2007) wird die Angst vor der unerwünschten beliebigen Kommunikation dargestellt, die durch das Handy zustande kommt: “Dich ruft jemand aus dem Kosovo an oder aus Tschetschenien oder von da, wo diese Springflut war. Oder einer von denen, die auf dem Mount Everest erfroren sind. Jetzt kannst du mit ihm reden bis zum Schluss, bis endgültig Schluss ist.” Die vom nächtlichen Anruf des angeblich in Not geratenen Nachbarn aufgeregte Frau fordert ihren Mann sogar zur Scheidung auf. Sie meint, ihr Mann, der dem Nachbarn seine Handynummer gegeben hatte, sei für den Verlust ihrer nie wieder zurückkehrenden Ruhe verantwortlich. Zu bemerken ist hierbei, dass die durch das Mobiltelefon ermöglichte Kommunikationsbedingung, nämlich immer und überall erreichbar zu sein, eher als beängstigend denn als bequem empfunden wird. Bezeichnet man den heutigen Menschen als ‘Homo Mobilicus’, legt es nahe, dass die moderne Kommunikationstechnologie - das Mobiltelefon sowie das Internet - der Menschheit enorme Bewegungsfreiheit geschenkt und einen neuen Blick auf Zeit und Raum eröffnet hat. Aber ist dieses verheißungsvolle Geschenk der Technologie vielleicht mit gewissen Kosten verbunden, so dass jemand dies eher als Störung für seine gewohnte Welt ansehen kann? Welche Einflüsse hat diese neue Ansicht über den Raum und die Zeit tatsächlich auf unser Leben?Daniel Kehlmanns neuester Roman Ruhm greift eben diese Fragen auf und thematisiert die Auswirkungen der modernen Kommunikationsmedien in Bezug auf Identitäts- und Wirklichkeitsvorstellungen. Im Folgenden werde ich der Frage nachgehen, welche Aspekte der heutigen Kommunikationstechnologie im Roman problematisiert werden, und anschließend versuchen, die sogenannte veränderte Wirklichkeitswahrnehmung im Zeitalter des Mobiltelefons mit Kehlmanns poetischer Konzeption des ‘gebrochenen Realismus’ in Verbindung zu setzen.

Abstract

In Ingo Schulzes Erzählung Handy (2007) wird die Angst vor der unerwünschten beliebigen Kommunikation dargestellt, die durch das Handy zustande kommt: “Dich ruft jemand aus dem Kosovo an oder aus Tschetschenien oder von da, wo diese Springflut war. Oder einer von denen, die auf dem Mount Everest erfroren sind. Jetzt kannst du mit ihm reden bis zum Schluss, bis endgültig Schluss ist.” Die vom nächtlichen Anruf des angeblich in Not geratenen Nachbarn aufgeregte Frau fordert ihren Mann sogar zur Scheidung auf. Sie meint, ihr Mann, der dem Nachbarn seine Handynummer gegeben hatte, sei für den Verlust ihrer nie wieder zurückkehrenden Ruhe verantwortlich. Zu bemerken ist hierbei, dass die durch das Mobiltelefon ermöglichte Kommunikationsbedingung, nämlich immer und überall erreichbar zu sein, eher als beängstigend denn als bequem empfunden wird. Bezeichnet man den heutigen Menschen als ‘Homo Mobilicus’, legt es nahe, dass die moderne Kommunikationstechnologie - das Mobiltelefon sowie das Internet - der Menschheit enorme Bewegungsfreiheit geschenkt und einen neuen Blick auf Zeit und Raum eröffnet hat. Aber ist dieses verheißungsvolle Geschenk der Technologie vielleicht mit gewissen Kosten verbunden, so dass jemand dies eher als Störung für seine gewohnte Welt ansehen kann? Welche Einflüsse hat diese neue Ansicht über den Raum und die Zeit tatsächlich auf unser Leben?Daniel Kehlmanns neuester Roman Ruhm greift eben diese Fragen auf und thematisiert die Auswirkungen der modernen Kommunikationsmedien in Bezug auf Identitäts- und Wirklichkeitsvorstellungen. Im Folgenden werde ich der Frage nachgehen, welche Aspekte der heutigen Kommunikationstechnologie im Roman problematisiert werden, und anschließend versuchen, die sogenannte veränderte Wirklichkeitswahrnehmung im Zeitalter des Mobiltelefons mit Kehlmanns poetischer Konzeption des ‘gebrochenen Realismus’ in Verbindung zu setzen.

참고문헌 (11)

  1. Kehlmann, Daniel, "Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten" (2009), Reinbek bei Hamburg
  2. Kehlmann, Daniel, "Leo Richters Porträt. Sowie ein Porträt des Autors von Adam Soboczinsky" (2009), Reinbek bei Hamburg
  3. Schulze, Ingo, "Handy. Dreizehn Geschichten in alter Manier" (2007)
  4. 김성도, "호모 모빌리쿠스" (2008), 삼성경제연구소
  5. Baudrillard, Jean, "Agonie des Realen" (1978)
  6. Kasaty, Olga Olivia, "Ein Gespräch mit Daniel Kehlmann, In Entgrenzungen. Vierzehn Autorengespräche", pp.169~195 (2007)
  7. Lovenberg, Felicitas von, "In wie vielen Welten schreiben Sie, Herr Kehlmann?", Faz.Net (2008)
  8. Münker, Stefan, "Vermittelte Stimmen, elektrische Welten. Anmerkungen zur Frühgeschichte des Virtuellen, In Telefonbuch", pp.185~198 (2000)
  9. Peters, John Durham, "Das Telefon als theologisches und erotisches Problem, In Telefonbuch", pp.61~82 (2000)
  10. Weinzierl, Ulrich, "Daniel Kehlmann ist ein Gefangener der Technik", Die Welt (2009)
  11. Zeyringer, Klaus, "Gewinnen wird die Erzählkunst. Ansätze und Anfänge von Daniel Kehlmanns »Gebrochenem Realismus«, In Daniel Kehlmann Text+Kritik (177)" (2008)

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