디지털 매체와 이동의 시대, 정체성의 문제와 환상성의 부활 - 다니엘 켈만의 <명성>과 스티븐 울리의 <아담의 푸가>를 중심으로
Identitätsprobleme im Zeitalter der digitalen Medien und der Diaspora und das Phantastische - Am Beispiel von Daniel Kehlmanns Ruhm und Steven Uhlys Adams Fuge
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초록
Die deutsche Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist durch denRealismus bestimmt, während die Weltliteratur im Zuge des lateinamerikanischenMagischen Realismus und der Fantasy durch die nicht-mimetische Schreibweisedominiert wurde. Das Phantastische, das mit der Romantik Einzug in die deutscheLiteratur gehalten und bei Kafka seinen Höhepunkt erreicht hat, ist nur eineRanderscheinung (z. B. Michael Ende). Gegen diese herrschende Tendenz sträubtsich die junge Generation der Schriftsteller, Autoren wie Daniel Kehlmann undSteven Uhly, die an die Tradition von Borges und des lateinamerikanischenMagischen Realismus anknüpfend das Phantastische wieder in den Vordergrundstellen: Besonders Kehlmann tut dies plakativ mit seiner Poetik des „gebrochenenRealismus“. Kehlmanns Ruhm und Uhlys Adams Fuge zeigen nicht nur in Hinsicht auf dieWiederbelebung der Phantastik Gemeinsamkeiten, sondern auch hinsichtlich derThematik: die Identitätskrise im Zeitalter der digitalen Medien (Handy undInternet) und der Diaspora bzw. Reise. In Ruhm erscheint das Phantastische als dasIneinandergreifen von Fiktion und Realität und bei Uhly als die Wiederauferstehungder Toten. Seit Todorov gilt das Phantastische als die Schreibweise, die aus demZusammenprall zweier inkompatibler Realitätskonzepte (eines naturgesetzmäßigenmit einem naturgesetzwidrigen) die Unschlüssigkeit des Lesers erzeugt. Auf dieseWeise geht es bei der Phantastik um die Fragestellung der herrschenden Ordnungim Bereich der Epistemologie, der Anthropologie, der Kultur und schließlich der Ontologie wie bei Borges am Anfang des 20. Jahrhunderts. In der NeophantastikBorges’ ist das Phantasma jedoch nicht mehr in traditioneller Weise dasÜbernatürliche, wie z. B. Geist oder Maschinenmensch, sondern die Fiktion selbst. In Kehlmanns Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten führen die meistenFiguren durch Handy und Internet ein Doppelleben und erleben die Spaltung desIchs. „Die parallele Wirklichkeit“, die die digitale Welt prompt ermöglicht,fungiert als Ausweg aus dem langweiligen Alltag oder aus dem uneigentlichenDasein der Figuren, aber sie macht auch Wirklichkeit unwirklich und es stellt sichihnen die Identitätsfrage ihrer „bloß halbwahren Existenz“. Anders als die siebenGeschichten, die relativ realistisch gehalten sind, gewinnt das Phantastische in denbeiden Geschichten, die Leo erfunden hat, die Oberhand. Hier mischen sichmetaleptisch Wirklichkeit und parallele Wirklichkeit, also die Fiktion und dasReale. Dadurch wird die Wirklichkeit selbst ihr realer Boden entzogen und wird zueiner „Geschichte in Geschichten“. Auf diese Weise knüpft Kehlmann an dieNeophantastik Borges’ an. In Uhlys Adams Fuge geht es auch um Doppelleben und Transformation, undzwar im Zeitalter der Migration. Adam/Adem, der deutsche Türke, wurde als Kindvom Vater in die Türkei entführt und, nachdem er als 26-jähriger Soldat einenKurden getötet hatte, von der türkische Regierung mit einem geheimen Auftragnach Deutschland geschickt. Er trifft da weiter viele Doppelagenten, wie auch denKurden, der eigentlich ein türkischer Geheimagent war, und ermordet sie alle. DasPhantastische im diesem Werk ist das Wiederauferstehen der von Adam Getöteten. Adam nimmt ihre Identitäten an und sieht sich aus der Perspektive der Toten. DasPhantastische hier spiegelt Adams Verunsicherung gegenüber seinem fremden,halbwahren‘ Dasein zwischen den Identitäten als Deutscher und als Türke wider. Adams Reise in Begleitung der Toten endet in einer Begegnung mit seinemfrüheren Ich vor der Spaltung seines Ichs zwischen zwei Kulturen. Das Phantastische in den beiden Werken ist der Ausdruck der durch diedigitalen Medien und das Phänomen der Diaspora vertieften Unwirklichkeit der Wirklichkeit und der damit zusammenhängenden Identitätskrise.
Abstract
Die deutsche Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist durch denRealismus bestimmt, während die Weltliteratur im Zuge des lateinamerikanischenMagischen Realismus und der Fantasy durch die nicht-mimetische Schreibweisedominiert wurde. Das Phantastische, das mit der Romantik Einzug in die deutscheLiteratur gehalten und bei Kafka seinen Höhepunkt erreicht hat, ist nur eineRanderscheinung (z. B. Michael Ende). Gegen diese herrschende Tendenz sträubtsich die junge Generation der Schriftsteller, Autoren wie Daniel Kehlmann undSteven Uhly, die an die Tradition von Borges und des lateinamerikanischenMagischen Realismus anknüpfend das Phantastische wieder in den Vordergrundstellen: Besonders Kehlmann tut dies plakativ mit seiner Poetik des „gebrochenenRealismus“. Kehlmanns Ruhm und Uhlys Adams Fuge zeigen nicht nur in Hinsicht auf dieWiederbelebung der Phantastik Gemeinsamkeiten, sondern auch hinsichtlich derThematik: die Identitätskrise im Zeitalter der digitalen Medien (Handy undInternet) und der Diaspora bzw. Reise. In Ruhm erscheint das Phantastische als dasIneinandergreifen von Fiktion und Realität und bei Uhly als die Wiederauferstehungder Toten. Seit Todorov gilt das Phantastische als die Schreibweise, die aus demZusammenprall zweier inkompatibler Realitätskonzepte (eines naturgesetzmäßigenmit einem naturgesetzwidrigen) die Unschlüssigkeit des Lesers erzeugt. Auf dieseWeise geht es bei der Phantastik um die Fragestellung der herrschenden Ordnungim Bereich der Epistemologie, der Anthropologie, der Kultur und schließlich der Ontologie wie bei Borges am Anfang des 20. Jahrhunderts. In der NeophantastikBorges’ ist das Phantasma jedoch nicht mehr in traditioneller Weise dasÜbernatürliche, wie z. B. Geist oder Maschinenmensch, sondern die Fiktion selbst. In Kehlmanns Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten führen die meistenFiguren durch Handy und Internet ein Doppelleben und erleben die Spaltung desIchs. „Die parallele Wirklichkeit“, die die digitale Welt prompt ermöglicht,fungiert als Ausweg aus dem langweiligen Alltag oder aus dem uneigentlichenDasein der Figuren, aber sie macht auch Wirklichkeit unwirklich und es stellt sichihnen die Identitätsfrage ihrer „bloß halbwahren Existenz“. Anders als die siebenGeschichten, die relativ realistisch gehalten sind, gewinnt das Phantastische in denbeiden Geschichten, die Leo erfunden hat, die Oberhand. Hier mischen sichmetaleptisch Wirklichkeit und parallele Wirklichkeit, also die Fiktion und dasReale. Dadurch wird die Wirklichkeit selbst ihr realer Boden entzogen und wird zueiner „Geschichte in Geschichten“. Auf diese Weise knüpft Kehlmann an dieNeophantastik Borges’ an. In Uhlys Adams Fuge geht es auch um Doppelleben und Transformation, undzwar im Zeitalter der Migration. Adam/Adem, der deutsche Türke, wurde als Kindvom Vater in die Türkei entführt und, nachdem er als 26-jähriger Soldat einenKurden getötet hatte, von der türkische Regierung mit einem geheimen Auftragnach Deutschland geschickt. Er trifft da weiter viele Doppelagenten, wie auch denKurden, der eigentlich ein türkischer Geheimagent war, und ermordet sie alle. DasPhantastische im diesem Werk ist das Wiederauferstehen der von Adam Getöteten. Adam nimmt ihre Identitäten an und sieht sich aus der Perspektive der Toten. DasPhantastische hier spiegelt Adams Verunsicherung gegenüber seinem fremden,halbwahren‘ Dasein zwischen den Identitäten als Deutscher und als Türke wider. Adams Reise in Begleitung der Toten endet in einer Begegnung mit seinemfrüheren Ich vor der Spaltung seines Ichs zwischen zwei Kulturen. Das Phantastische in den beiden Werken ist der Ausdruck der durch diedigitalen Medien und das Phänomen der Diaspora vertieften Unwirklichkeit der Wirklichkeit und der damit zusammenhängenden Identitätskrise.
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