모방인가, 추상인가 ― 릴케의 ‘사물시’에 대한 소고
Nachahmung oder Abstraktion? Eine Studie über Rilkes Dinggedicht
0
조회
0
다운로드
5
인용
0
참고문헌
키워드
초록
Über Rilkes Dinggedicht herrscht in der Forschung eine Vielzahl verschiedener Meinungen. Am verbreitetsten ist die Ansicht, es wolle das Wesen eines Gegenstandes in einer Weise ausdrücken, als spräche dieser über sich selbst. Als Beispiel dafür gilt <Der Panther> als ein Gedicht, das die Grenzsituation des Panthers im Käfig erfolgreich schildert. Dagegen sieht Bernhard Blume den Panther als ein Symbol für den Dichter, der sich in Wirklichkeit selbst in einer Sackgasse befindet. Die vorliegende Studie beabsichtigt, diesem Umstand in der Art und Weise, wie Rilke seine Dichtung erschafft, also in der Struktur des Dinggedichts selbst auf den Grund zu gehen. Das Dinggedicht hat zum einen den Moment der Nachahmung und zum anderen den der Abstraktion auf derselben Ebene in sich. Diese Sachlage lässt uns das Dinggedicht aus der Sicht der Repräsentation oder der des Symbols interpretieren. Aber es erlaubt sich kaum, das Dinggedicht nur als reine Nachahmung eines Gegenstandes zu lesen. Denn es vereinfacht grob die Grundzüge eines Gegenstandes mit einigen dicken Grundlinien, darauf geschieht jenseits der konkreten Schilderung der Dinge eine Abstraktion der Wirklichkeit, die zur Verallgemeinerung führt, in der sich die Sehnsucht des Dichters nach dem Allgemeinen verbirgt. Aus der extremen Entwicklung der Abstraktion resultiert eine Symbolisierung. So gesehen läßt sich das empathische Gedicht als Erfahrungsgedicht, das abstrakte Gedicht als Gedicht mit Symbolcharakter bezeichnen. Nach Wilhelm Worringer haben die spezifischen Kunstgesetze mit der Ästhetik des Naturschönen prinzipiell nichts zu tun. Er meint damit, dass es nicht wichtig ist, die Natur zu schildern wie sie ist, sondern es die Hauptsache sei, wie man die Natur in Kunst verwandeln kann und welche konkreten Voraussetzungen diese Arbeit in sich hat. Aus der konkreten Beschreibung des Lebens entwickelt sich eine Abstraktion, die zu einer Symbolisierung und Generalisierung führt, charakteristisch für Literatursprache im Allgemeinen. Verkürzt gesagt dient die Schilderung eines Panthers im Käfig oder eines Schwans als leeres Gefäß, welches man mit der Symbolisierung des Lebens füllt. Das Dinggedicht liegt im Spannungsfeld zwischen dem Drang zur reinen Nachahmung der Dinge und dem Drang des Dichters, seinem Inneren Ausdruck zu verleihen. Dies ermöglicht es, Rilkes Dinggedicht zum einen aus der Sicht der Nachahmung, zum anderen aus der Sicht des Symbols zu lesen. Um mit Worringer zu sprechen: Das Dinggedicht ist ein Aussprechen des Wunsches des Dichters nach Sicherheit in existentiell unsicheren Zeiten durch Abstraktion, oder wie Rilke an Lou Salomé schreibt: “Dinge machen aus Angst.”
Abstract
Über Rilkes Dinggedicht herrscht in der Forschung eine Vielzahl verschiedener Meinungen. Am verbreitetsten ist die Ansicht, es wolle das Wesen eines Gegenstandes in einer Weise ausdrücken, als spräche dieser über sich selbst. Als Beispiel dafür gilt <Der Panther> als ein Gedicht, das die Grenzsituation des Panthers im Käfig erfolgreich schildert. Dagegen sieht Bernhard Blume den Panther als ein Symbol für den Dichter, der sich in Wirklichkeit selbst in einer Sackgasse befindet. Die vorliegende Studie beabsichtigt, diesem Umstand in der Art und Weise, wie Rilke seine Dichtung erschafft, also in der Struktur des Dinggedichts selbst auf den Grund zu gehen. Das Dinggedicht hat zum einen den Moment der Nachahmung und zum anderen den der Abstraktion auf derselben Ebene in sich. Diese Sachlage lässt uns das Dinggedicht aus der Sicht der Repräsentation oder der des Symbols interpretieren. Aber es erlaubt sich kaum, das Dinggedicht nur als reine Nachahmung eines Gegenstandes zu lesen. Denn es vereinfacht grob die Grundzüge eines Gegenstandes mit einigen dicken Grundlinien, darauf geschieht jenseits der konkreten Schilderung der Dinge eine Abstraktion der Wirklichkeit, die zur Verallgemeinerung führt, in der sich die Sehnsucht des Dichters nach dem Allgemeinen verbirgt. Aus der extremen Entwicklung der Abstraktion resultiert eine Symbolisierung. So gesehen läßt sich das empathische Gedicht als Erfahrungsgedicht, das abstrakte Gedicht als Gedicht mit Symbolcharakter bezeichnen. Nach Wilhelm Worringer haben die spezifischen Kunstgesetze mit der Ästhetik des Naturschönen prinzipiell nichts zu tun. Er meint damit, dass es nicht wichtig ist, die Natur zu schildern wie sie ist, sondern es die Hauptsache sei, wie man die Natur in Kunst verwandeln kann und welche konkreten Voraussetzungen diese Arbeit in sich hat. Aus der konkreten Beschreibung des Lebens entwickelt sich eine Abstraktion, die zu einer Symbolisierung und Generalisierung führt, charakteristisch für Literatursprache im Allgemeinen. Verkürzt gesagt dient die Schilderung eines Panthers im Käfig oder eines Schwans als leeres Gefäß, welches man mit der Symbolisierung des Lebens füllt. Das Dinggedicht liegt im Spannungsfeld zwischen dem Drang zur reinen Nachahmung der Dinge und dem Drang des Dichters, seinem Inneren Ausdruck zu verleihen. Dies ermöglicht es, Rilkes Dinggedicht zum einen aus der Sicht der Nachahmung, zum anderen aus der Sicht des Symbols zu lesen. Um mit Worringer zu sprechen: Das Dinggedicht ist ein Aussprechen des Wunsches des Dichters nach Sicherheit in existentiell unsicheren Zeiten durch Abstraktion, oder wie Rilke an Lou Salomé schreibt: “Dinge machen aus Angst.”
참고문헌 (20)
- Rilke, Rainer Maria, "Lou: Briefwechsel", ~ (1952)
- Manfred Engel, "Rilke, Rainer Maria, Werke. Kommentierte Ausgabe in vier Bänden", ~ (1996)
- 김재혁, "말테의 수기를 읽는 법. In: 말테의 수기", pp.250~262 (2010), 펭귄클래식
- 말라르메, 스테판, "시집" (2005), 문학과지성사
- 푸코, 미셸, "지식의 고고학" (2000), 민음사
- Blume, Bernhard, "Existenz und Dichtung. In: Rilke heute. Beziehungen und Wirkungen. 2. Bd", 168~186 (1976)
- Bradley, Brigitte, "Rainer Maria Rilkes Der Neuen Gedichte anderer Teil. Entwicklungsstufen seiner Pariser Lyrik", ~ (1976)
- Bridge, Helen, "Das Problem der Abstraktion. In Nach Duino", 214~234 (2010)
- Man, Paul, "Allegories of Reading. Figural Language in Rousseau, Nietzsche, Rilke, and Proust", Yale University, ~ (1979)
- Engel, Manfred, "Rilke Handbuch: Leben-Werk-Wirkung", ~ (2004)
- Henne, Helmut, "Sprachliche Spur der Moderne. In Gedichten um 1900: Nitetzsche, Holz, George, Rilke, Morgenstern", ~ (2010)
- Jacobs, Angelika, "Vom Symbolismus zur Stimmung. In Blätter der Rilke-Gesellschaft. Bd. 25", 99~127 (2004)
- Kahl, Michael, "Lebensphilosophie und Ästhetik. Zu Rilkes Werk 1902-1910", ~ (1999)
- Klee, Paul, "Das bildnerische Denken, in Schriften zur Form- und Gestaltungslehre", ~ (1956)
- Müller, Wolfgang, "Rainer Maria Rilkes Neue Geidchte. Vielfältigkeit eines Gedichttypus", Meisenheim am Glan, ~ (1971)
- Oppert, Kurt, "Das Dinggedicht. Eine Kunstform bei Mörike, Meyer und Rilke. DVjs 4", ~ (1926)
- Scharnowski, Susanne, "Rilkes Poetik des Blicks zwischen Einfühlung und Abstraktion: Die Bildbeschreibungen in den Briefen über Cézanne. In Poetik der Krise", 250~261 (2000)
- Steiner, Jacob, "Rilke. Vorträge und Aufsätze", ~ (1986)
- Worringer, Wilhelm, "Abstraktion und Einfühlung. Ein Beitrag zur Stilpsychologie(1908)", ~ (1996)
- Worringer, Wilhelm, "Abstraktion und Einfühlung", ~ (2007)
