Umweltethik und Hegelianismus - Kann Hegels Naturbegriff Hans Jonas' Zukunftsethik unterstützen?
Hegelianism and Environmental Ethics - Can Hegel's Concept of Nature lend support to Jonas's Environmental Ethics
Spahn, Christian
초록
Zahlreiche aktuelle umweltethische Ansätze argumentiert gegen den Anthropozentrismus. Um die Menschheit vor den Folgen der Umweltzerstörung zu schützen, müsse gegen den Anthropozentrismus eine Theorie des intrinsischen Wertes der Natur verteidigt werden, da nur so die Umwelt vor der Ausbeutung durch den Menschen bewahrt und eine Zukunft für unseren Planeten gerettet werden könne. Hegels Überordnung des Geistes über die Natur wäre aus dieser Perspektive als klassisches anthropozentrisches Denken zu brandmarken, und im Sinne der Herausforderungen der Zeit sogar als gefährlich zurückzuweisen. Der Aufsatz argumentiert mit Hans Jonas dafür, dass es nun gerade eben nicht der Anthropozentrismus als solcher ist, der verantwortlich für die ökologische Krise der Gegenwart ist. Jonas revolutionäre Zukunftsethik basiert durchaus auf einem traditionellen Gedanken, der auch im Zentrum des hegelschen Denkens steht, nämlich auf dem Gedanken menschlicher verantwortlicher Freiheit. Ausgehend vom Freiheitsbegriff will Jonas durch naturphilosophische Überlegungen zum Wesen des Organischen, die stark an Hegels Philosophie der Biologie erinnern, für einen intrinsischen Wert nicht nur des menschlichen, sondern des organischen Lebens insgesamt argumentieren. Jonas’ Verteidigung der Idee eines intrinsischen Wertes der organischen Natur ist jedoch in Gefahr, dem naturalistischen Fehlschluss anheim zu fallen. Jonas Argumentation lässt sich nun gerade mit Rückgriff auf Hegels Naturbegriff vor dem naturalistischen Fehlschluss bewahren.