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이성인가, 현혹인가? - 작품 현혹과 주인공 페터 킨

Vernunft als Blendung? - Peter Kien in der Blendung

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주제분류독일어와문학

초록

Für den Hauptcharakter der Blendung hatte Canetti den Namen Kant erwogen. Schon mit diesem Bezug zum philosophischen Denker Immanuel Kant wäre die dogmatische Vernunft und strenge Logik des weltfremden Professors angedeutet gewesen. Der dazu passende Titel Kant fängt Feuer hätte den Aspekt des Entflammbaren transportiert. Doch letztendlich hat Canetti sich anders entschieden und den intellektuellen ‘Büchermenschen’ auf den Namen Peter Kien getauft. Bei diesem Namen steht der Kienspan Pate und trägt die leichte Entzündbarkeit in sich. Das weltferne Wesen des international bedeutenden Sinologen entdeckt der Leser schon zu Beginn der Blendung. Zu Kien existiert ein weiblicher Gegenpol mit dem Namen Therese Krummholz. Sie symbolisiert den gewöhnlichen Menschentypus, der in der ungebildeten Masse anzufinden ist. Sie träumt von Liebe und lässt sich bei ihren Entscheidungen gern von einer ausgeprägten Geldgier leiten. Ihre finanziellen Ansprüche begründet sie allesamt aus der glücklosen Ehe mit Kien. Dieser dagegen stellt sich als altruistischer Diener der Wissenschaften dar, der bereit ist, sich dem Diktat der Vernunft unter- zuordnen. Doch in diesem Streben zeigt Kien ebenfalls Begierden, die durchaus weltlich sind. Seine Bibliothek ist ein solches Objekt. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft richtet er sie ein und versucht, Therese dafür zu missbrauchen, um sie in Ordnung zu halten. Es entwickelt sich ein eiskalter Kampf um die Herrschaft über die als Bücherfestung gestaltete Wohnung. Als das Ringen beider eskaliert, bietet nur noch der Tod des jeweils anderen einen Ausweg aus der Ehe. Kien begründet seine Absicht auf Thereses Tod mit der Vernunft. Seine Vernunft erhebt sich damit zur moralischen Kraft mit dem Anspruch, gottgleich über Leben und Tod richten zu können. Eine verdrehte Ethik und ein grotesker Missbrauch der Vernunft, der den Boden für eine schreckliche Komödie bereitet. Das Bibelzitat “Im Anfang war das Wort” spiegelt die Über- zeugung von gottgewollter Existenz der Kienschen Bibliothek treffend wieder. Kien ist allerdings nicht der einzige geblendete, der Gewalttaten auf vermeintlich nützliche Ziele zurückführt. Der ehemalige Polizeibeamte Benedikt Pfaff ist tatkräftiger als Kien, er prügelt gern. Er glaubt, dass es die Ordnung ist, die einen gesamtgesellschaftlichen Wert darstellt, der nur durch regelmäßigen Einsatz der Fäuste zu erreichen sei. Das aus seiner Zeit als Polizist ausgeübte Gewaltmonopol des Staates hat Pfaff fest in sein Privatleben übertragen und verankert die Gewalt damit in der menschlichen Gesellschaft. Die schreckliche Komödie findet sich also nicht nur bei Kien, sondern ist überall. Die Gewalt Kiens richtet sich am Ende gegen ihn selbst. Sein Verstand ist mittlerweile total dem Wahnsinn verfallen und er wählt als ultimative logische Konsequenz die Selbstverbrennung zusammen mit seiner geliebten Bibliothek. Sein Leben endet wie sein gesamter Verlauf als logischer Schluss von missverstandenen Grundvoraussetzungen. Die Menschen in seinem Umfeld konnten oder wollten ihn nicht vor dem Untergang retten, da sie allesamt in ihren eigenen Wahnvorstellungen gefangen sind. Somit zeigt Canetti die ganze Welt als Irrenhaus.

Abstract

Für den Hauptcharakter der Blendung hatte Canetti den Namen Kant erwogen. Schon mit diesem Bezug zum philosophischen Denker Immanuel Kant wäre die dogmatische Vernunft und strenge Logik des weltfremden Professors angedeutet gewesen. Der dazu passende Titel Kant fängt Feuer hätte den Aspekt des Entflammbaren transportiert. Doch letztendlich hat Canetti sich anders entschieden und den intellektuellen ‘Büchermenschen’ auf den Namen Peter Kien getauft. Bei diesem Namen steht der Kienspan Pate und trägt die leichte Entzündbarkeit in sich. Das weltferne Wesen des international bedeutenden Sinologen entdeckt der Leser schon zu Beginn der Blendung. Zu Kien existiert ein weiblicher Gegenpol mit dem Namen Therese Krummholz. Sie symbolisiert den gewöhnlichen Menschentypus, der in der ungebildeten Masse anzufinden ist. Sie träumt von Liebe und lässt sich bei ihren Entscheidungen gern von einer ausgeprägten Geldgier leiten. Ihre finanziellen Ansprüche begründet sie allesamt aus der glücklosen Ehe mit Kien. Dieser dagegen stellt sich als altruistischer Diener der Wissenschaften dar, der bereit ist, sich dem Diktat der Vernunft unter- zuordnen. Doch in diesem Streben zeigt Kien ebenfalls Begierden, die durchaus weltlich sind. Seine Bibliothek ist ein solches Objekt. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft richtet er sie ein und versucht, Therese dafür zu missbrauchen, um sie in Ordnung zu halten. Es entwickelt sich ein eiskalter Kampf um die Herrschaft über die als Bücherfestung gestaltete Wohnung. Als das Ringen beider eskaliert, bietet nur noch der Tod des jeweils anderen einen Ausweg aus der Ehe. Kien begründet seine Absicht auf Thereses Tod mit der Vernunft. Seine Vernunft erhebt sich damit zur moralischen Kraft mit dem Anspruch, gottgleich über Leben und Tod richten zu können. Eine verdrehte Ethik und ein grotesker Missbrauch der Vernunft, der den Boden für eine schreckliche Komödie bereitet. Das Bibelzitat “Im Anfang war das Wort” spiegelt die Über- zeugung von gottgewollter Existenz der Kienschen Bibliothek treffend wieder. Kien ist allerdings nicht der einzige geblendete, der Gewalttaten auf vermeintlich nützliche Ziele zurückführt. Der ehemalige Polizeibeamte Benedikt Pfaff ist tatkräftiger als Kien, er prügelt gern. Er glaubt, dass es die Ordnung ist, die einen gesamtgesellschaftlichen Wert darstellt, der nur durch regelmäßigen Einsatz der Fäuste zu erreichen sei. Das aus seiner Zeit als Polizist ausgeübte Gewaltmonopol des Staates hat Pfaff fest in sein Privatleben übertragen und verankert die Gewalt damit in der menschlichen Gesellschaft. Die schreckliche Komödie findet sich also nicht nur bei Kien, sondern ist überall. Die Gewalt Kiens richtet sich am Ende gegen ihn selbst. Sein Verstand ist mittlerweile total dem Wahnsinn verfallen und er wählt als ultimative logische Konsequenz die Selbstverbrennung zusammen mit seiner geliebten Bibliothek. Sein Leben endet wie sein gesamter Verlauf als logischer Schluss von missverstandenen Grundvoraussetzungen. Die Menschen in seinem Umfeld konnten oder wollten ihn nicht vor dem Untergang retten, da sie allesamt in ihren eigenen Wahnvorstellungen gefangen sind. Somit zeigt Canetti die ganze Welt als Irrenhaus.

참고문헌 (20)

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  2. Canetti, Elias, "Die Blendung" (1965), Fischer
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  6. Dissinger, Dieter, "Der Roman “Die Blendung”", Text+Kritik, 28, pp.30~38 (1973)
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  8. Durzak, Manfred, "Gespräche über den Roman mit Joseph Breitbach" (1976), Suhrkampf
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  12. Magris, Claudio, "Der Schriftsteller, der sich versteckt", Modern Austrian Literatur, 16(3, pp.4) (1983), 177~195
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  14. Piel, Edgar, "Elias Canetti, In Edition Text und Kritik" (1984)
  15. Scheichl, Sigurd Paul, "Der Möbelkauf. Zur Funktion eines Handlungsstrangs in der ‘Blendung’, In Elias Canetti. Blendung als Lebensform", pp.126~127 (1985), Athenäum
  16. Schneider, Manfred, "Die Krüppel und ihr symbolischer Leib. Über Canettis Mythos, In Hüter der Verwandlung. Beiträge zum Werk von Elias Canetti", pp.22~41 (1988), Fischer
  17. Schuh, Franz, "Blendung als Lebensform, In Elias Canetti", pp.29~44 (1985)
  18. 신현숙, "Wirklichkeitsphobie. Raum und Zeit im Wirklichkeitskonzept von Peter Kien in der Blendung", 독일문학, 53(4), pp.303~330 (2012), 한국독어독문학회
  19. Thies, Christian, "Die Krise des Individuums. Zur Kritik der Moderne bei Adorno und Gehlen" (1997)
  20. Wiesenhöfer, Stephan, "Mythos zwischen Wahn und Kunst. Elias Canettis Roman “Die Blendung”" (1987), tuduv

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