초기시민 독일어와 교양시민 독일어
Early bourgeois German and educated middle-class German
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초록
Die Aufgabe der vorliegenden Arbeit ist eine sozialgeschichtlich fundierte Sprachgeschichtsforschung in einer Tendenzwende vom frühbürgerlichen Deutsch des 16.Jh. zum Bildungsbürgerlichen Deutsch des 17.Jh. Diese sozialgeschichtlich erklärbare Tendenzwende ist wichtig für die ganze neuere deutsche Sprachgeschichte, da viele Probleme des modernen Deutsch ohne sie nicht zu verstehen sind. Zunächst verwenden wir den Ausdruck “frühbürgerliches Deutsch” im Anschluss an das Buch “Deutsche Sprachgeschichte” des angesehenen Germanisten v. Polenz im Sinne einer Sammelbezeichnung für Ansätze zu einer allgemeinverständlichen, für praktische öffentliche Alltagskommunikation geeigneten Nationalsprache im frühen 16.Jh. Die Arbeit beschäftigt sich dann mit der sprachgeschichtlichen Bedeutung der bürgerlichen Intellektuellen, vor allem mit dem Ergebnis, dass es im frühen 16.Jh. Ansätze zu einer allgemeinverständlichen deutschen Öffentlichkeitssprache gegeben hat. v. Polenz wies aufgrund einer Arbeit von Rössing-Hager darauf hin, dass es im frühen 16.Jh. schon Zeugnisse dafür gibt, dass syntaktische Stilregeln einer hörerbezogenen, leicht vorlesbaren Sprache bewusst waren und empfohlen wurden. Die frühe Massenpublizistik (z.B. die Flugschriften) brachte also etwas grundsätzlich Neues in die öffentliche Kommunikation. Die Tendenz zum frühbürgerlichen Deutsch wurde aber seit dem Ende des 16.Jh. abgelöst von der zum Bildungsbürgerlichen Deutsch, das die Geschichte der deutschen Sprache geprägt hat. Stilistische Vorbilder für die deutsche Sprache waren wieder mehr die Kanzleisprache und der Schreibstil gelehrter Schriftsteller. Von daher ist die deutsche Sprachstandardisierung seit dem späten 16.Jh. verhältnismäßig mehr schreibsprachlich und akademisch. Das bildungsbürgerliche Deutsch löst sich immer mehr vom ökonomischen und politischen Alltag, wurden zur Prestigesymbolik einer Bildungselite gesteigert. So hatte dann das bildungsbürgerliche Deutsch weniger der intersozialen Kommunikation als vielmehr der kulturellen Selbstdarstellung des Großbürgertum zu dienen. Darauf folgend werden einige sprachlichen Merkmale dieses bildungsbürgerlichen Deutsch im Vergleich mit dem frühbürgerlichen Deutsch dargestellt. Als Beispiele dafür sind die folgenden zu nennen: die Entwicklung des deutschen Satzrahmens, die Erweiterung adjektivischer Attribute in Nominalgruppe, weiterführende Nebensätze, der Substantivierungsstil, die Großschreibung der Substantive, Suffixpurismus usw. In den folgenden Überlegungen beschäftigt sich die Arbeit mit der Frage, was die Ursachen für diese relativ stark bildungssprachliche Entwicklung des Deutsch vom 17. bis 19.Jh sind. Es folgt daraus, dass man grundsätzlich unterscheiden muss zwischen denjenigen Sprachmitteln, die einst historisch notwendig der großbürgerlichen Prestigegewinnung gedient haben und heute überflüssig sind, und denjenigen Sprachmitteln, die für öffentliche Argumentation oder für technisches, wissenschaftliches, journalistisches oder literarisches Formulieren oder für überregionalen und internationale Verständigung unentbehrlich sind.
Abstract
Die Aufgabe der vorliegenden Arbeit ist eine sozialgeschichtlich fundierte Sprachgeschichtsforschung in einer Tendenzwende vom frühbürgerlichen Deutsch des 16.Jh. zum Bildungsbürgerlichen Deutsch des 17.Jh. Diese sozialgeschichtlich erklärbare Tendenzwende ist wichtig für die ganze neuere deutsche Sprachgeschichte, da viele Probleme des modernen Deutsch ohne sie nicht zu verstehen sind. Zunächst verwenden wir den Ausdruck “frühbürgerliches Deutsch” im Anschluss an das Buch “Deutsche Sprachgeschichte” des angesehenen Germanisten v. Polenz im Sinne einer Sammelbezeichnung für Ansätze zu einer allgemeinverständlichen, für praktische öffentliche Alltagskommunikation geeigneten Nationalsprache im frühen 16.Jh. Die Arbeit beschäftigt sich dann mit der sprachgeschichtlichen Bedeutung der bürgerlichen Intellektuellen, vor allem mit dem Ergebnis, dass es im frühen 16.Jh. Ansätze zu einer allgemeinverständlichen deutschen Öffentlichkeitssprache gegeben hat. v. Polenz wies aufgrund einer Arbeit von Rössing-Hager darauf hin, dass es im frühen 16.Jh. schon Zeugnisse dafür gibt, dass syntaktische Stilregeln einer hörerbezogenen, leicht vorlesbaren Sprache bewusst waren und empfohlen wurden. Die frühe Massenpublizistik (z.B. die Flugschriften) brachte also etwas grundsätzlich Neues in die öffentliche Kommunikation. Die Tendenz zum frühbürgerlichen Deutsch wurde aber seit dem Ende des 16.Jh. abgelöst von der zum Bildungsbürgerlichen Deutsch, das die Geschichte der deutschen Sprache geprägt hat. Stilistische Vorbilder für die deutsche Sprache waren wieder mehr die Kanzleisprache und der Schreibstil gelehrter Schriftsteller. Von daher ist die deutsche Sprachstandardisierung seit dem späten 16.Jh. verhältnismäßig mehr schreibsprachlich und akademisch. Das bildungsbürgerliche Deutsch löst sich immer mehr vom ökonomischen und politischen Alltag, wurden zur Prestigesymbolik einer Bildungselite gesteigert. So hatte dann das bildungsbürgerliche Deutsch weniger der intersozialen Kommunikation als vielmehr der kulturellen Selbstdarstellung des Großbürgertum zu dienen. Darauf folgend werden einige sprachlichen Merkmale dieses bildungsbürgerlichen Deutsch im Vergleich mit dem frühbürgerlichen Deutsch dargestellt. Als Beispiele dafür sind die folgenden zu nennen: die Entwicklung des deutschen Satzrahmens, die Erweiterung adjektivischer Attribute in Nominalgruppe, weiterführende Nebensätze, der Substantivierungsstil, die Großschreibung der Substantive, Suffixpurismus usw. In den folgenden Überlegungen beschäftigt sich die Arbeit mit der Frage, was die Ursachen für diese relativ stark bildungssprachliche Entwicklung des Deutsch vom 17. bis 19.Jh sind. Es folgt daraus, dass man grundsätzlich unterscheiden muss zwischen denjenigen Sprachmitteln, die einst historisch notwendig der großbürgerlichen Prestigegewinnung gedient haben und heute überflüssig sind, und denjenigen Sprachmitteln, die für öffentliche Argumentation oder für technisches, wissenschaftliches, journalistisches oder literarisches Formulieren oder für überregionalen und internationale Verständigung unentbehrlich sind.
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