노동의 서사화: 브레히트 서사극과 그 이후
Narrativierung von Arbeit in Literatur: Brechts episches Theater und danach
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초록
Die Theaterästhetik von Brecht gibt in besonderer Weise Aufschluss über jene Motive, welche das Interesse der Intellektuellen an der Sphäre der modernen Industriearbeit und an der sozialen Klasse des Proletariats tragen. Brecht identifizierte die Verwissenschaftlichung der Produktion in der modernen Industrie als den Vorgang einer Humanisierung der Natur durch den Menschen. Er konstruierte mithin ein produktionszentriertes Geschichtsnarrativ, in dem Arbeit nicht nur als die Quelle von Gebrauchsgütern, sondern überdies als der Ursprungsort eines teleologisch gerichteten geschichtlichen Prozess erscheint. Auf diesem Geschichtsnarrativ basierte seine eigene Theaterästhetik, in der die Kunst produktiv auf dem realen Lebensbereich bezogen ist. Die Kunst bringt nicht lediglich Kunstwerke hervor, sondern zugleich und vor allem eine über sie vermittelte produktive Haltung des Betrachters gegenüber seiner Gesellschaft, die in der Umwälzung der Gesellschaft zu sehen ist. Nach Brecht wird das Theater zum Produktionsort einer produktiven Haltung gegenüber der Gesellschaft nur unter der Bedingung, dass es ‘praktikable’ Abbildungen der Gesellschaft bietet, die dazu imstande sind, die Gesellschaft zu beeinflussen. Das heißt, das Theater soll als Medium der Geschichte die vermittlende Funktion für die Subjektkonstitution der ‘arbeitenden Massen’ erfüllen soll. Zu diesem Zweck entwickelt er sein Modell eines “epischen Theaters”, in dessen Mittelpunkt der Begriff des doppelten “Gestus” steht. Gestus der Figuren führt auf der Bühne das Publikum dazu, das bekannte Gegebene im Alltag als ‘verfremdet’ zu betrachten und dessen Veränderbarkeit zu erkennen. Hier stellt der Begriff Gestus ein für das Theater geeignetes kommunikationales Mittel zur Erfassung der Wirklichkeit. So bekomme Brecht - nach F. Josef Deiters - die seinem Geschichtsnarrativ und seiner auf ihm basierenden Theaterästhetik zugrunde liegende Operation einer Literarisierung der Arbeit in den Blick. Sein künsterlisches Programm, durch sein episches Theater die Erkenntnis der Veränderbarkeit der Gesellschaft zu befördern und damit seine literarische Tätigkeit auf die Masse der Produzierende auszurichten, erscheint nun aber als Versuch, die soziale Identität des Intellektuellen zu sichern. Wo der Intellektuelle nämlich für sich in Anspruch nimmt, schreibend das Subjekt des gesellschaftlichen Prozesses zu formieren, dort wird für den Autor der literarischen Texte die Werkherrschaft über den Gesellschaftstext reklamiert. Diese Selbstbezüglichkeit der Brecht’schen Theaterästhetik kann man als einen Versuch verstehen, dem Vertreter einer systematisch ausdifferenzierten und mithin sozial unspezifischen Literatur eine soziale Identität zuzuschreiben. Nach dem Faschismus konnte Brechts Ästhetik und Geschichtsauffassung einen erleichterten Eintritt in den Kulturbetrieb der frisch gegründeten DDR haben. Die Generation der Studentenbewegung, die ideologische Blütenträume zur Schau stellte, verhalf in der Bundesrepublik seinen Stücken zum raschen Ruhm. Seit den 70er Jarhen des vergangenen Jahrhunderts wurde in den fortgeschrittenen Industrieländern der Stellenwert der Arbeit als menschliche produktive Aneignung der Natur fragwürdig. Hier geriet der industrielle Produktionsprozess eher in den Verdacht, die natürlichen Grundlagen der menschlichen Gattungsexistenz zu untergraben. Darauf folgt die Entzauberung der Arbeit in der westdeutschen Literatur. So war das Thema “Literatur und Arbeit” schon lange an den Rand der literarischen Öffentlichkeit gerückt. Es scheint die Zeit, in der die Masse der Produzierenden in die gesellschaftliche Subjektposition eingeschrieben wurde, historisch geworden zu sein. Man setzt der Arbeiterliteratur einen ökologischen Literatur als alternative gegenüber. Seit den 1990er Jahren sind jedoch die ‘prekären’ Arbeitsverhältnisse einer zunehmend globalisierten Wirtschaftswelt wieder zum Gegenstand literarischer Texte geworden. Eine neueste EU-weite Studie hat gezeigt, dass die klassische Vollzeitbeschäftigung in Festanstellung überall zurückgeht. Gleichzeitig nehmen die unsicheren Beschäftigungsverhältnissen zu, z. B. Selbstständigkeit, Leih- und Zeitarbeit, geringfügige Beschäftigungen. Hier gilt Arbeit nicht als potenzielle Basis menschlicher Emanzipation, sondern als zerstörerische Last und ‘bloßen Job’ zum Gelderwerb. Die unbestrittene Wertsetzung von Arbeit scheint jedenfalls angekratzt. Daran setzt die jüngste Literatur oder etliche Schriftsteller interessieren sich für die kulturellen und symbolischen Aspekte der Arbeitswelt, d. h. für die übermächtig anmutende Verstrickung von Sprache, Denken und Mentalität in die Allgegenwart wirtschaftlicher Systeme. Welches Interesse dabei die Literarisierung der Arbeitswelt durch die Intellektuellen motiviert, ist noch nicht klar bestimmbar. Angesichts der nun proklamierten ‘Ende der Arbeit’ erwies sich die von Brecht versuchte ‘Meistererzählung’ menschlicher Emanzipation durch Arbeit als gescheitert, dennoch bleibt es immer noch sinnvoll, das problematische Arbeitsalltag kritisch als Gegenstand historischer Reflexion und Narrative zu thematisieren.
Abstract
Die Theaterästhetik von Brecht gibt in besonderer Weise Aufschluss über jene Motive, welche das Interesse der Intellektuellen an der Sphäre der modernen Industriearbeit und an der sozialen Klasse des Proletariats tragen. Brecht identifizierte die Verwissenschaftlichung der Produktion in der modernen Industrie als den Vorgang einer Humanisierung der Natur durch den Menschen. Er konstruierte mithin ein produktionszentriertes Geschichtsnarrativ, in dem Arbeit nicht nur als die Quelle von Gebrauchsgütern, sondern überdies als der Ursprungsort eines teleologisch gerichteten geschichtlichen Prozess erscheint. Auf diesem Geschichtsnarrativ basierte seine eigene Theaterästhetik, in der die Kunst produktiv auf dem realen Lebensbereich bezogen ist. Die Kunst bringt nicht lediglich Kunstwerke hervor, sondern zugleich und vor allem eine über sie vermittelte produktive Haltung des Betrachters gegenüber seiner Gesellschaft, die in der Umwälzung der Gesellschaft zu sehen ist. Nach Brecht wird das Theater zum Produktionsort einer produktiven Haltung gegenüber der Gesellschaft nur unter der Bedingung, dass es ‘praktikable’ Abbildungen der Gesellschaft bietet, die dazu imstande sind, die Gesellschaft zu beeinflussen. Das heißt, das Theater soll als Medium der Geschichte die vermittlende Funktion für die Subjektkonstitution der ‘arbeitenden Massen’ erfüllen soll. Zu diesem Zweck entwickelt er sein Modell eines “epischen Theaters”, in dessen Mittelpunkt der Begriff des doppelten “Gestus” steht. Gestus der Figuren führt auf der Bühne das Publikum dazu, das bekannte Gegebene im Alltag als ‘verfremdet’ zu betrachten und dessen Veränderbarkeit zu erkennen. Hier stellt der Begriff Gestus ein für das Theater geeignetes kommunikationales Mittel zur Erfassung der Wirklichkeit. So bekomme Brecht - nach F. Josef Deiters - die seinem Geschichtsnarrativ und seiner auf ihm basierenden Theaterästhetik zugrunde liegende Operation einer Literarisierung der Arbeit in den Blick. Sein künsterlisches Programm, durch sein episches Theater die Erkenntnis der Veränderbarkeit der Gesellschaft zu befördern und damit seine literarische Tätigkeit auf die Masse der Produzierende auszurichten, erscheint nun aber als Versuch, die soziale Identität des Intellektuellen zu sichern. Wo der Intellektuelle nämlich für sich in Anspruch nimmt, schreibend das Subjekt des gesellschaftlichen Prozesses zu formieren, dort wird für den Autor der literarischen Texte die Werkherrschaft über den Gesellschaftstext reklamiert. Diese Selbstbezüglichkeit der Brecht’schen Theaterästhetik kann man als einen Versuch verstehen, dem Vertreter einer systematisch ausdifferenzierten und mithin sozial unspezifischen Literatur eine soziale Identität zuzuschreiben. Nach dem Faschismus konnte Brechts Ästhetik und Geschichtsauffassung einen erleichterten Eintritt in den Kulturbetrieb der frisch gegründeten DDR haben. Die Generation der Studentenbewegung, die ideologische Blütenträume zur Schau stellte, verhalf in der Bundesrepublik seinen Stücken zum raschen Ruhm. Seit den 70er Jarhen des vergangenen Jahrhunderts wurde in den fortgeschrittenen Industrieländern der Stellenwert der Arbeit als menschliche produktive Aneignung der Natur fragwürdig. Hier geriet der industrielle Produktionsprozess eher in den Verdacht, die natürlichen Grundlagen der menschlichen Gattungsexistenz zu untergraben. Darauf folgt die Entzauberung der Arbeit in der westdeutschen Literatur. So war das Thema “Literatur und Arbeit” schon lange an den Rand der literarischen Öffentlichkeit gerückt. Es scheint die Zeit, in der die Masse der Produzierenden in die gesellschaftliche Subjektposition eingeschrieben wurde, historisch geworden zu sein. Man setzt der Arbeiterliteratur einen ökologischen Literatur als alternative gegenüber. Seit den 1990er Jahren sind jedoch die ‘prekären’ Arbeitsverhältnisse einer zunehmend globalisierten Wirtschaftswelt wieder zum Gegenstand literarischer Texte geworden. Eine neueste EU-weite Studie hat gezeigt, dass die klassische Vollzeitbeschäftigung in Festanstellung überall zurückgeht. Gleichzeitig nehmen die unsicheren Beschäftigungsverhältnissen zu, z. B. Selbstständigkeit, Leih- und Zeitarbeit, geringfügige Beschäftigungen. Hier gilt Arbeit nicht als potenzielle Basis menschlicher Emanzipation, sondern als zerstörerische Last und ‘bloßen Job’ zum Gelderwerb. Die unbestrittene Wertsetzung von Arbeit scheint jedenfalls angekratzt. Daran setzt die jüngste Literatur oder etliche Schriftsteller interessieren sich für die kulturellen und symbolischen Aspekte der Arbeitswelt, d. h. für die übermächtig anmutende Verstrickung von Sprache, Denken und Mentalität in die Allgegenwart wirtschaftlicher Systeme. Welches Interesse dabei die Literarisierung der Arbeitswelt durch die Intellektuellen motiviert, ist noch nicht klar bestimmbar. Angesichts der nun proklamierten ‘Ende der Arbeit’ erwies sich die von Brecht versuchte ‘Meistererzählung’ menschlicher Emanzipation durch Arbeit als gescheitert, dennoch bleibt es immer noch sinnvoll, das problematische Arbeitsalltag kritisch als Gegenstand historischer Reflexion und Narrative zu thematisieren.
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