제발트에서 나타나는 기억이미지와 알레고리적 역사서술
Erinnerungsbilder und allegorische Geschichtsschreibung bei W. G. Sebald
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초록
Winfried G. Sebald (1944-2001), einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, setzte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Frage nach Erinnerung und Geschichtsschreibung auseinander. Er wurde von der Gedankenwelt Walter Benjamins unübersehbar beeinflusst. Auf die in einem Interview gestellte Frage, warum er nicht historische Monographien, sondern Erzählungen schreibe, antwortete Sebald wie folgt: „Was die historische Monographie nicht leisten kann, ist, eine Metapher oder Allegorie eines kollektiven Geschichtsverlaufes zu produzieren“. Was Sebald hier mit der Formulierung von ‚Allegorisierung eines kollektiven Geschichtsverlaufes‘ meint, ist aus seinem Zitat aus Benjamins Über den Begriff der Geschichte, das er am Ende seiner Züricher Vorlesungen Luftkrieg und Literatur angeführt hat, zu erschließen. Man könnte sagen, wenn Sebald erzählerisch auf die „allegorische Geschichtsschreibung“ setzt, dann hat er wahrscheinlich just Benjamins Engel der Geschichte im Kopf, der selbst allegorisch jene Geschichtsphilosophie verkörpert. Dabei lässt sich die allegorische Geschichtsschreibung im Sinne Benjamins dadurch charakterisieren, dass sie auf den Riss zwischen einem geschichtlichen Ereignis und der Bedeutung, die diesem verliehen wird, aufmerksam macht, das leere und homogene geschichtliche Kontinuum aufsprengt und dadurch das, was in Geschichten verfehlt, verdrängt und vergessen ist, ausgräbt. Mithilfe dieser zerbrochenen Fragmente trachtet die allegorische Geschichtsschreibung so einen anderen Zugang zur Geschichte konstruktiv zu schaffen. Die Art und Weise, wie die Allegorie in Sebalds Text wirkt, weist daraufhin, dass Sebald über das traditionelle Verständnis der Allegorie hinausgeht und sich Benjamin anschließt: Bei Sebald wie auch bei Benjamin erschöpft sich die Allegorie nicht in einem tieferen Sinn, vielmehr wird das Scheitern der Allegorie dargestellt, um dann performativ durch dieses Scheitern den Prozess der Sinnproduktion bzw. den Bedeutungsaufschub weiterlaufen zu lassen. Als Beispiel ist eine Allegorie in der ersten Erzählung von Sebalds Schwindel. Gefühle. zu nennen. In Sebalds Erzählungen wird das Darstellungsproblem, d.h. der „Riß, der die wahren Begebenheiten von ihrer Darstellung trennt“, bloßgestellt. Zugleich ist dieser Riss der Ursprung, in dem Sinnbilder entstehen und vergehen. Zudem werden Erinnerungsbilder in Sebalds Erzählungen immer wieder durch die Einsicht erschüttert, dass sie etwas Anderes bedeuten können, als was dargestellt wird. Deshalb fällt es schwer, Erinnerungsbilder „aus dem Gedächtnis heraufzuholen“ (SG 8). Der Riss der Erinnerungsbilder hat vor allem damit zu tun, dass sich das Erinnerungsbild nicht unversehrt, sondern nur bruchstückhaft weiter tragen lässt. Allerdings kommt die Erinnerungsarbeit bei Sebald auf allegorische Weise in Gang, insofern die allegorische Betrachtungsweise durch den Riss bzw. die Differenz veranlasst und gerechtfertigt wird. Diese Differenz wirkt sich auf einige Stellen aus Schwindel. Gefühle. deutlich als schwindelerregende Kluft aus. Jedoch wird Sebald bisweilen von einigen Forschern vorgehalten, dass seiner allegorischen Geschichtsschreibung eine messianische Dimension bzw. ein dialektischer „Umschwung“, wie man sie bei Benjamin finden kann, fehle, so dass die Hoffnung auf Rettung in Sebalds Werken gänzlich ausgelöscht werde. Diese Feststellung führt zu der Behauptung, dass Sebald Benjamins Allegoriebegriff mit einer Akzentverschiebung übernimmt bzw. ihn sogar missversteht, da Sebald den erlösenden Umschwung der allegorischen Betrachtung außer Acht lasse, aber dieser Kritikpunkt wird in meiner vorliegenden Arbeit in Frage gestellt und abgelehnt: Im Gegensatz zu Benjamin, der deutlich vom jüdischen Messianismus inspiriert ist, wird bei Sebald die messianische Dimension zwar durch das Gefühl einer Beunruhigung abgeschwächt, doch die verspürte Unsicherheit bzw. das aufsteigende Schwindelgefühl lassen sich bei Sebald wiederum als erste Anzeichen eines dialektischen Umschwungs betrachten. Hier kann man sich nun darauf berufen, dass Benjamin – in seinen Worten - einem sich im Sturz Überschlagenden und so dem Schwindel erregenden Zustand Ausgelieferten ein allegorisches Umspringen zuerkennen will. Also ist der erlösende Glimmer der allegorischen Geschichtsschreibung im Falle von Sebald symptomatisch an deren beunruhigenden Schwindel-Erfahrungen zu erkennen.
Abstract
Winfried G. Sebald (1944-2001), einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, setzte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Frage nach Erinnerung und Geschichtsschreibung auseinander. Er wurde von der Gedankenwelt Walter Benjamins unübersehbar beeinflusst. Auf die in einem Interview gestellte Frage, warum er nicht historische Monographien, sondern Erzählungen schreibe, antwortete Sebald wie folgt: „Was die historische Monographie nicht leisten kann, ist, eine Metapher oder Allegorie eines kollektiven Geschichtsverlaufes zu produzieren“. Was Sebald hier mit der Formulierung von ‚Allegorisierung eines kollektiven Geschichtsverlaufes‘ meint, ist aus seinem Zitat aus Benjamins Über den Begriff der Geschichte, das er am Ende seiner Züricher Vorlesungen Luftkrieg und Literatur angeführt hat, zu erschließen. Man könnte sagen, wenn Sebald erzählerisch auf die „allegorische Geschichtsschreibung“ setzt, dann hat er wahrscheinlich just Benjamins Engel der Geschichte im Kopf, der selbst allegorisch jene Geschichtsphilosophie verkörpert. Dabei lässt sich die allegorische Geschichtsschreibung im Sinne Benjamins dadurch charakterisieren, dass sie auf den Riss zwischen einem geschichtlichen Ereignis und der Bedeutung, die diesem verliehen wird, aufmerksam macht, das leere und homogene geschichtliche Kontinuum aufsprengt und dadurch das, was in Geschichten verfehlt, verdrängt und vergessen ist, ausgräbt. Mithilfe dieser zerbrochenen Fragmente trachtet die allegorische Geschichtsschreibung so einen anderen Zugang zur Geschichte konstruktiv zu schaffen. Die Art und Weise, wie die Allegorie in Sebalds Text wirkt, weist daraufhin, dass Sebald über das traditionelle Verständnis der Allegorie hinausgeht und sich Benjamin anschließt: Bei Sebald wie auch bei Benjamin erschöpft sich die Allegorie nicht in einem tieferen Sinn, vielmehr wird das Scheitern der Allegorie dargestellt, um dann performativ durch dieses Scheitern den Prozess der Sinnproduktion bzw. den Bedeutungsaufschub weiterlaufen zu lassen. Als Beispiel ist eine Allegorie in der ersten Erzählung von Sebalds Schwindel. Gefühle. zu nennen. In Sebalds Erzählungen wird das Darstellungsproblem, d.h. der „Riß, der die wahren Begebenheiten von ihrer Darstellung trennt“, bloßgestellt. Zugleich ist dieser Riss der Ursprung, in dem Sinnbilder entstehen und vergehen. Zudem werden Erinnerungsbilder in Sebalds Erzählungen immer wieder durch die Einsicht erschüttert, dass sie etwas Anderes bedeuten können, als was dargestellt wird. Deshalb fällt es schwer, Erinnerungsbilder „aus dem Gedächtnis heraufzuholen“ (SG 8). Der Riss der Erinnerungsbilder hat vor allem damit zu tun, dass sich das Erinnerungsbild nicht unversehrt, sondern nur bruchstückhaft weiter tragen lässt. Allerdings kommt die Erinnerungsarbeit bei Sebald auf allegorische Weise in Gang, insofern die allegorische Betrachtungsweise durch den Riss bzw. die Differenz veranlasst und gerechtfertigt wird. Diese Differenz wirkt sich auf einige Stellen aus Schwindel. Gefühle. deutlich als schwindelerregende Kluft aus. Jedoch wird Sebald bisweilen von einigen Forschern vorgehalten, dass seiner allegorischen Geschichtsschreibung eine messianische Dimension bzw. ein dialektischer „Umschwung“, wie man sie bei Benjamin finden kann, fehle, so dass die Hoffnung auf Rettung in Sebalds Werken gänzlich ausgelöscht werde. Diese Feststellung führt zu der Behauptung, dass Sebald Benjamins Allegoriebegriff mit einer Akzentverschiebung übernimmt bzw. ihn sogar missversteht, da Sebald den erlösenden Umschwung der allegorischen Betrachtung außer Acht lasse, aber dieser Kritikpunkt wird in meiner vorliegenden Arbeit in Frage gestellt und abgelehnt: Im Gegensatz zu Benjamin, der deutlich vom jüdischen Messianismus inspiriert ist, wird bei Sebald die messianische Dimension zwar durch das Gefühl einer Beunruhigung abgeschwächt, doch die verspürte Unsicherheit bzw. das aufsteigende Schwindelgefühl lassen sich bei Sebald wiederum als erste Anzeichen eines dialektischen Umschwungs betrachten. Hier kann man sich nun darauf berufen, dass Benjamin – in seinen Worten - einem sich im Sturz Überschlagenden und so dem Schwindel erregenden Zustand Ausgelieferten ein allegorisches Umspringen zuerkennen will. Also ist der erlösende Glimmer der allegorischen Geschichtsschreibung im Falle von Sebald symptomatisch an deren beunruhigenden Schwindel-Erfahrungen zu erkennen.
참고문헌 (17)
- Sebald, W.G, "Schwindel. Gefühle.(3. Aufl.)" (2000)
- Sebald, W.G, "Luftkrieg und Literatur(2. Aufl.)" (2002)
- Sebald, W.G, "Die Ausgewanderten. Vier lange Erzählungen" (2002)
- Sebald, W.G, "Die Ringe des Saturn(9. Aufl.)" (2007)
- Assmann, Aleida, "Texte, Spuren, Abfall: die wechselnden Medien des kulturellen Gedächtnisses. In Literatur und Kulturwissenschaften" (1996)
- Benjamin, Walter, "Das Passagen-Werk. In Walter Benjamin. Gesammelte Schriften. Bd. V-1" (1991)
- Benjamin, Walter, "Ursprung des deutschen Trauspiels. In Walter Benjamin. Gesammelte Schriften, Bd. I-1" (1991)
- Benjamin, Walter, "Über den Begriff der Geschichte. In Walter Benjamin. Gesammelte Schriften, Bd. I-2" (1991)
- Huyssen, Andreas, "On Rewriting and New Beginnings", Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik, 124 (2001)
- Lemke,Anja, "Figurationen der Melancholie: Spuren Walter Benjamins in W. G. Sebalds Die Ringe des Saturn", Zeitschrift für Deutsche Philologie, 127(2) (2008)
- Löffler, Sigrid, "Wildes Denken‟. Gespräch mit W. G. Sebald. In W. G. Sebald: Porträt" (1997)
- Mosbach, Bettina, "Figurationen der Katastrophe. Ästhetischen Verfahreri in W.G. Sebalds Die Ringe des Saturn und Austerlitz" (2008)
- Ryan, Judith, "Fulgurations: Sebald and Surrealism", The Germanic Review. Literatur Culture Theory, 82(3) (2007)
- Silverblatt, Michael, "A Poem of an invisible Subject. In The emergence of memory. Conversation with W. G. Sebald" (2007)
- 구연정, "W. G. Sebald의 문학적 역사 쓰기에서 현기증 느낌과 감정이입의 상관관계", 브레히트와 현대연극, (23), pp.129~147 (2010), 한국브레히트학회
- 구연정, "은유로서의 현기증과 제발트의 기억 시학 -W. G. 제발트의 아우스터리츠를 중심으로", 카프카 연구, (25), pp.91~109 (2011), 한국카프카학회
- 최윤영, "풍크툼, 기억 그리고 개인의 정체성 - 제발트의 『아우스터리츠』 분석을 중심으로 -", 독일어문화권연구, (19), pp.103~129 (2010), 독일어문화권연구소
