폐허와 기억 - W. G. 제발트의 문학에서 공간적 기억과 화자의 문제를 중심으로
Ruins and Spatialized Memory in the work of W. G. Sebald
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초록
In dieser Arbeit versuche ich die Wechselwirkung zwischen dem Raum der Ruinen und der Erinnerung in W.G. Sebalds Literatur zu erläutern. Die räumliche Dimensionist in den letzten Jahren als eine wichtige grundlegende Kategorie, die Probleme der postmoderne Realität wahrzunehmen, wieder entdeckt worden. (E. Soja) Daher praktiziert man in der Kultur- und Literaturwissensschaft einen radikal neuen Umgang mit Räumen. Der Raum wird dabei selbst als eine Art Text oder Zeichen behandelt. In Sebalds Literatur setzt sich die Erinnerung im verfallenen Räumen, also in Ruinen, in Gang: die räumliche Struktur beeinflusst die Erinnerung. Dabei wird die Erinnerungsarbeit mit der archäologischen Arbeit verglichen (F. Loqua), ein Vergleich, der eigentlich von W. Benjamins kleiner Schrift Ausgraben und Erinnern herkommt. Nach Benjamin ist das Erlebte tief in der Erde verschüttet, und der Erinnernde berichtet nicht nur über die Fundobjekte, die er ausgegraben hat, sondern auch über den Ort im heutigen Boden, an dem der Forscher der Erinnerungsbilder habhaft wird. Benjamins Erinnerungskonzept hat zwei wichtige Aspekte. Erstens: die Erinnerungorientiert sich räumlich, und sie ist ein Medium wie das Erdreich. Zweitens: Diewahrhafte Erinnerung berichtet nicht nur über den vergangenen Sachverhalt, sondern auch über die heutige Bewahrung und die gegenwärtigen Verhältnisse zur Vergangenheit. Diese Einsicht hilft uns, Sebalds Erinnerungsmechanismus besser zu verstehen. Auch bei Sebald ist die Vergangenheit tief in der Erde verschüttet, und während beiBenjamin die Erde als Medium der Erinnerung fungiert, übernimmt bei Sebald die Ruine diese Funktion des Erinnerungsmediums. Zweitens gibt es bei Sebald immer zwei Erzähler, einen Augenzeugen und einen Erzähler der Nachkriegs-Generation, der die Erinnerung des Augenzeugen erzählt: Der Augenzeuge bezeugt die Vergangenheit, während der Nachgeborene das Verhältnis zur Gegenwart herstellt. Sebalds Erinnerungsraum präsentiert sich oft als Ruine. Die Ruine bedeutet für die Figuren einen Ort, wo die vergangene Zeit fortbesteht, in Form der Trümmer, des Verfalls und des Staubs. Aus diesen Trümmern kann man sich vorstellen, wie diese Szenerie früher ausgesehen hat. Also verweist die Ruine auf die Vergangenheit. Aus diesem Grund bezeichnet G. Simmel sie als „die gegenwärtige Form einesvergangenen Lebens“. Wichtig dabei ist, dass diese Erinnerungsbilder nicht der Vergangenheit selbst entsprechen. Sie sind gegenwärtige Vorstellungsbilder einer vergangenen Zeit, hervorgerufen durch den Blick des gegenwärtigen Betrachters, der die FaktizitÄt der Trümmer ins Imaginäre erweitert. Diese Ästhetik der Ruine und der Erinnerung prägt Sebalds Werke, vor allem die Geschichte von der realen Person, Michael Hamburger, dessen Leben von dem an Sebald erinnernden Erzähler verfolgt wird. Hamburger versucht vergeblich, sich die Berliner Kindheit in der Nazi-Zeit zurückzurufen. Es gelingt ihm erst dann, als ersich das in Trümmer liegende Berlin vorstellt, wie es wirklich gewesen wäre. Doch diese Erinnerungsbilder zeugen nicht von seiner Vergangenheit und kommen ihm unrealistisch vor. Sie sind nicht real, sondern Imaginationen, mit anderen Worten: fiktionalisierte Wirklichkeit. Damit lautet die Frage: Ist diese fiktionalisierte Erinnerung wirklich von M. Hamburger, dem Augenzeugen, hergestellt? Welche Rolle spielt der erinnernde Erzähler, der Nachgeborene? Es ist angenommen, dass diese Erinnerungsbilder nicht von dem Augenzeugenselbst, sondern von dem zweiten Erzähler geschaffen sind, der nicht direkt dieKriegszeit erlebt hat, und dass sie gerade deshalb als „fiktionalisierte Wirklichkeit“ angesehen werden können. Diese Behauptung bringt eine grundlegende Frage in die Sebalds-Forschung. Wegen der Konzentration auf den Augenzeugen-Erzähler wurde Sebalds Erinnerungspoetik bisher oft im Rahmen der Holocaust-Literatur behandelt. Dadurch wurde der zweite Erzähler nicht als der Erinnernde, sondern nur als der Rekonstruierende der Tatsachen angesehen. Das Problem ist dabei nicht, dass seine Erinnerung unreal und fiktiv wäre: Sie ist zwar fiktionalisiert, aber zugleich sehr wirklichkeitstreu. Vielmehr liegt der entscheidende Unterschied darin, dass es bei Sebalds Erinnerungspoetik nicht um die Mittlung des wahren Sachverhaltes geht, sondern um die Bewahrung und Vergegenwärtigung der Vergangenheit. Diesem literarischen Unternehmen kommt in der Zeit, da die Augenzeugen-Generationausstirbt, eine wichtige Aufgabe zu. Der Raum der Ruine ist bei Sebald der Ort, wo sich die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet und die Erinnerung der nach dem Krieg geborenen Generation ermöglicht und bewahrt.
Abstract
In dieser Arbeit versuche ich die Wechselwirkung zwischen dem Raum der Ruinen und der Erinnerung in W.G. Sebalds Literatur zu erläutern. Die räumliche Dimensionist in den letzten Jahren als eine wichtige grundlegende Kategorie, die Probleme der postmoderne Realität wahrzunehmen, wieder entdeckt worden. (E. Soja) Daher praktiziert man in der Kultur- und Literaturwissensschaft einen radikal neuen Umgang mit Räumen. Der Raum wird dabei selbst als eine Art Text oder Zeichen behandelt. In Sebalds Literatur setzt sich die Erinnerung im verfallenen Räumen, also in Ruinen, in Gang: die räumliche Struktur beeinflusst die Erinnerung. Dabei wird die Erinnerungsarbeit mit der archäologischen Arbeit verglichen (F. Loqua), ein Vergleich, der eigentlich von W. Benjamins kleiner Schrift Ausgraben und Erinnern herkommt. Nach Benjamin ist das Erlebte tief in der Erde verschüttet, und der Erinnernde berichtet nicht nur über die Fundobjekte, die er ausgegraben hat, sondern auch über den Ort im heutigen Boden, an dem der Forscher der Erinnerungsbilder habhaft wird. Benjamins Erinnerungskonzept hat zwei wichtige Aspekte. Erstens: die Erinnerungorientiert sich räumlich, und sie ist ein Medium wie das Erdreich. Zweitens: Diewahrhafte Erinnerung berichtet nicht nur über den vergangenen Sachverhalt, sondern auch über die heutige Bewahrung und die gegenwärtigen Verhältnisse zur Vergangenheit. Diese Einsicht hilft uns, Sebalds Erinnerungsmechanismus besser zu verstehen. Auch bei Sebald ist die Vergangenheit tief in der Erde verschüttet, und während beiBenjamin die Erde als Medium der Erinnerung fungiert, übernimmt bei Sebald die Ruine diese Funktion des Erinnerungsmediums. Zweitens gibt es bei Sebald immer zwei Erzähler, einen Augenzeugen und einen Erzähler der Nachkriegs-Generation, der die Erinnerung des Augenzeugen erzählt: Der Augenzeuge bezeugt die Vergangenheit, während der Nachgeborene das Verhältnis zur Gegenwart herstellt. Sebalds Erinnerungsraum präsentiert sich oft als Ruine. Die Ruine bedeutet für die Figuren einen Ort, wo die vergangene Zeit fortbesteht, in Form der Trümmer, des Verfalls und des Staubs. Aus diesen Trümmern kann man sich vorstellen, wie diese Szenerie früher ausgesehen hat. Also verweist die Ruine auf die Vergangenheit. Aus diesem Grund bezeichnet G. Simmel sie als „die gegenwärtige Form einesvergangenen Lebens“. Wichtig dabei ist, dass diese Erinnerungsbilder nicht der Vergangenheit selbst entsprechen. Sie sind gegenwärtige Vorstellungsbilder einer vergangenen Zeit, hervorgerufen durch den Blick des gegenwärtigen Betrachters, der die FaktizitÄt der Trümmer ins Imaginäre erweitert. Diese Ästhetik der Ruine und der Erinnerung prägt Sebalds Werke, vor allem die Geschichte von der realen Person, Michael Hamburger, dessen Leben von dem an Sebald erinnernden Erzähler verfolgt wird. Hamburger versucht vergeblich, sich die Berliner Kindheit in der Nazi-Zeit zurückzurufen. Es gelingt ihm erst dann, als ersich das in Trümmer liegende Berlin vorstellt, wie es wirklich gewesen wäre. Doch diese Erinnerungsbilder zeugen nicht von seiner Vergangenheit und kommen ihm unrealistisch vor. Sie sind nicht real, sondern Imaginationen, mit anderen Worten: fiktionalisierte Wirklichkeit. Damit lautet die Frage: Ist diese fiktionalisierte Erinnerung wirklich von M. Hamburger, dem Augenzeugen, hergestellt? Welche Rolle spielt der erinnernde Erzähler, der Nachgeborene? Es ist angenommen, dass diese Erinnerungsbilder nicht von dem Augenzeugenselbst, sondern von dem zweiten Erzähler geschaffen sind, der nicht direkt dieKriegszeit erlebt hat, und dass sie gerade deshalb als „fiktionalisierte Wirklichkeit“ angesehen werden können. Diese Behauptung bringt eine grundlegende Frage in die Sebalds-Forschung. Wegen der Konzentration auf den Augenzeugen-Erzähler wurde Sebalds Erinnerungspoetik bisher oft im Rahmen der Holocaust-Literatur behandelt. Dadurch wurde der zweite Erzähler nicht als der Erinnernde, sondern nur als der Rekonstruierende der Tatsachen angesehen. Das Problem ist dabei nicht, dass seine Erinnerung unreal und fiktiv wäre: Sie ist zwar fiktionalisiert, aber zugleich sehr wirklichkeitstreu. Vielmehr liegt der entscheidende Unterschied darin, dass es bei Sebalds Erinnerungspoetik nicht um die Mittlung des wahren Sachverhaltes geht, sondern um die Bewahrung und Vergegenwärtigung der Vergangenheit. Diesem literarischen Unternehmen kommt in der Zeit, da die Augenzeugen-Generationausstirbt, eine wichtige Aufgabe zu. Der Raum der Ruine ist bei Sebald der Ort, wo sich die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet und die Erinnerung der nach dem Krieg geborenen Generation ermöglicht und bewahrt.
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