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Bildtheorie von Gottfried Boehm

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주제분류독일어와문학

초록

Der philosophisch ausgebildete Kunsthistoriker Gottfried Boehm hebt lange bereits die eigene Logik des Bildlichen, die “ikonische Differenz”, gegenüber dem westlichen Logozentrismus von Sprache und Text wie auch gegenüber der profanen Realität hervor. Für Boehm sind Bilder nicht nur Spiegel der Wirklichkeit, nicht nur Illustrationen, nicht nur bildlicher Ausdruck sprachlich vorformulierten Wissens. Auf dieser Einsicht versucht er eine Theorie des Bildes zu entwickeln,die nicht bei einer Beschreibung bildlicher Phänomene stehen bleibt, sondern in der das Bild, ganz ähnlich der Sprache und doch nicht-sprachlich, selbst Erkenntnis stiften kann. Dabei stehen Boehms Gedankengänge in der hermeneutischen, aber auch vor allem phänomenologischen Tradition. Entscheidend für die phänomenologische Einstellung den Bildern gegenüber ist ein erweiteres Verständnis vom wahrnehmenden Akt des Sehens, der nicht einfach als ein statischer, mechanischer, automatischer und reproduzierender Prozess begriffen wird. Vielmehr wird er selbst als ein schöpferisches, begehrendes, intentionales Wahrnehmen aufgefasst, in dem Sehen und Gesehenes, Innen und Außen, Subjekt und Objekt nicht starr voneinander getrennt werden, sondern miteinander verschränkt sind und sich wechselseitig bedingen. Das Sehen ist in der leiblichen Wahrnehmung und ihrem Verhältnis zur Lebenswelt fundiert. “Das Auge ist in der Welt, die Welt im Auge”, fasst Boehm dieses untrennbare Geflecht zusammen. Ein weiteres Kern phänomenologischer Bildtheorie ist wie folgt formuliert: Das Wesentliche der Bilder liegt darin, etwas sichtbar zu machen, was ohne sie nicht sichtbar wäre. Sie machen etwas anschaulich, was ansonsten unanschaulich bliebe. Mit dem Wort von Boehm kann man bei dem Bildlichen eine spezifische “ikonische Differenz” erfahren. Die ikonische Differenz ist von Boehm als jener Prozess bestimmt, durch den Sinn entsteht. Darüber hinaus redet Boehm von der “ikonischen Wendung”, mit der er ein neuartiges kulturelles, gesellschaftliches und insbesondere wissenschaftliches Interesse am Bild bezeichnet. Worum es im Grunde geht, sind Bedingungen des Erkennens, ist letzte Begründung des Wissens. Sprache allein konnte dem philosophischen Erkenntnisanspruch nicht Genüge tun, führte schließlich im 20. Jahrhundert zur Infragestellung ihres sprachlichen Fundaments. Je mehr die Autorität der Sprache verblasste, desto mehr rückten alternative Erkenntnisformen in den wissenschaftlichen Blick. Diesem Wandel versucht Boehm mit der Formel der ikonischen Wendung gerecht zu werden.

Abstract

Der philosophisch ausgebildete Kunsthistoriker Gottfried Boehm hebt lange bereits die eigene Logik des Bildlichen, die “ikonische Differenz”, gegenüber dem westlichen Logozentrismus von Sprache und Text wie auch gegenüber der profanen Realität hervor. Für Boehm sind Bilder nicht nur Spiegel der Wirklichkeit, nicht nur Illustrationen, nicht nur bildlicher Ausdruck sprachlich vorformulierten Wissens. Auf dieser Einsicht versucht er eine Theorie des Bildes zu entwickeln,die nicht bei einer Beschreibung bildlicher Phänomene stehen bleibt, sondern in der das Bild, ganz ähnlich der Sprache und doch nicht-sprachlich, selbst Erkenntnis stiften kann. Dabei stehen Boehms Gedankengänge in der hermeneutischen, aber auch vor allem phänomenologischen Tradition. Entscheidend für die phänomenologische Einstellung den Bildern gegenüber ist ein erweiteres Verständnis vom wahrnehmenden Akt des Sehens, der nicht einfach als ein statischer, mechanischer, automatischer und reproduzierender Prozess begriffen wird. Vielmehr wird er selbst als ein schöpferisches, begehrendes, intentionales Wahrnehmen aufgefasst, in dem Sehen und Gesehenes, Innen und Außen, Subjekt und Objekt nicht starr voneinander getrennt werden, sondern miteinander verschränkt sind und sich wechselseitig bedingen. Das Sehen ist in der leiblichen Wahrnehmung und ihrem Verhältnis zur Lebenswelt fundiert. “Das Auge ist in der Welt, die Welt im Auge”, fasst Boehm dieses untrennbare Geflecht zusammen. Ein weiteres Kern phänomenologischer Bildtheorie ist wie folgt formuliert: Das Wesentliche der Bilder liegt darin, etwas sichtbar zu machen, was ohne sie nicht sichtbar wäre. Sie machen etwas anschaulich, was ansonsten unanschaulich bliebe. Mit dem Wort von Boehm kann man bei dem Bildlichen eine spezifische “ikonische Differenz” erfahren. Die ikonische Differenz ist von Boehm als jener Prozess bestimmt, durch den Sinn entsteht. Darüber hinaus redet Boehm von der “ikonischen Wendung”, mit der er ein neuartiges kulturelles, gesellschaftliches und insbesondere wissenschaftliches Interesse am Bild bezeichnet. Worum es im Grunde geht, sind Bedingungen des Erkennens, ist letzte Begründung des Wissens. Sprache allein konnte dem philosophischen Erkenntnisanspruch nicht Genüge tun, führte schließlich im 20. Jahrhundert zur Infragestellung ihres sprachlichen Fundaments. Je mehr die Autorität der Sprache verblasste, desto mehr rückten alternative Erkenntnisformen in den wissenschaftlichen Blick. Diesem Wandel versucht Boehm mit der Formel der ikonischen Wendung gerecht zu werden.

참고문헌 (27)

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