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하인리히 폰 클라이스트의 노벨레 『칠레의 지진』 - 변증법적 구조와 다의성

Heinrich von Kleists Novelle Das Erdbeben in Chili - dialektische Struktur und Mehrdeutigkeit

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주제분류독일어와문학

초록

Kleists Das Erdbeben in Chili, das zuerst 1807 in einer Zeitung unter dem Titel Jeronimo und Josephe. Eine Scene aus dem Erdbeben zu Chili, vom Jahre 1647 veröffentlicht wurde und dann 1810 in der Buchversion unter dem endgültigen Titel erschien, besteht aus drei Teilen. Durch diese 3-teilige Gliederung der Handlung, der der schnelle Wechsel von Glück und Unglück zu Grunde liegt, zeigt sich Kleists Anschauung von der Dialektik des menschlichen Daseins und geschichtlichen Verlaufes. Sie weist auch auf Kleists Kritik an die traditionelle optimistische Ansicht von dem Geschichts ablauf hin und entspricht damit seinem Geschichtspessimismus angesichts der Folgeerscheinungen der Französischen Revolution. Ein wichtiges Thema der Novelle ist das Theodizee-Problem. Während das Erdbeben für den Klerus und das Volk eine göttliche Strafe bedeutet, gilt es dem Liebespaar als eine wunderbare Rettung. Nach dem Erdbeben entsteht ein utopischer Naturzustand der freien und klassenlosen Menschengemeinschaft. Sie erweist sich allerdings bald durch die Lynchjustiz des Pöbels im Schlussteil als eine nur für kurze Zeit dauernde Ausnahmesituation. Das Überleben des natürlichen Kindes Philipp lässt jedoch wieder auf eine Hoffnung setzen. In dieser Novelle ist Gott ein unbegreifliches verborgenes Wesen, das für die Dinge auf der Welt nicht zuständig ist. Das Problem der Deutung selbst ist auch ein bedeutendes Thema dieser Novelle. Darin kreuzen sich die verschiedenen Deutungen des Geschehens durch die Figuren, die wieder auch als Treibkraft der Handlung fungieren. Nach Kleist besteht die menschliche Existenz in einer Folge von Deutungen der Dinge, die meistens aus der subjektiven Perspektive des jeweilig Betroffenen gemacht werden und damit sehr situationsabhängig sind. Sie sind deshalb urgründlich den Fehlurteilen ausgesetzt, wofür Das Erdbeben in Chiliein Paradebeispiel gibt. Ein weiteres Hauptthema ist das von der Gesellschaftskritik. Sie kommt hauptsächlich in der Vorgeschichte und im Schlussteil zum Ausdruck, und im ländlichen Mittelteil stellt Kleist als eine Art Gegenmodell der depravierten Gesellschaft eine Traumvision der utopischen Gemeinschaft dar. Er betont aber auch das Wunschhafte und Unhistorische der neu entstandenen Gemeinschaft durch die wiederholten Als ob-Strukturen bzw. konjunktivischen Sätze und durch die Restauration der alten gesellschaftlichen Institutionen und Normen im Schlussteil. Die Freude Don Fernandos im letzten Satz der Novelle, die er in der neu gegründeten Familie findet, deutet jedoch eine Möglichkeit eines neuartigen Zusammenlebens der Menschen an: “Don Fernando und Donna Elvire nahmen hierauf den kleinen Fremdling zum Pflegesohn an; und wenn Don Fernando Philippen und Juan verglich, und wie er beide erworben hatte, so war es ihm fast, als müsst er sich freuen.”

Abstract

Kleists Das Erdbeben in Chili, das zuerst 1807 in einer Zeitung unter dem Titel Jeronimo und Josephe. Eine Scene aus dem Erdbeben zu Chili, vom Jahre 1647 veröffentlicht wurde und dann 1810 in der Buchversion unter dem endgültigen Titel erschien, besteht aus drei Teilen. Durch diese 3-teilige Gliederung der Handlung, der der schnelle Wechsel von Glück und Unglück zu Grunde liegt, zeigt sich Kleists Anschauung von der Dialektik des menschlichen Daseins und geschichtlichen Verlaufes. Sie weist auch auf Kleists Kritik an die traditionelle optimistische Ansicht von dem Geschichts ablauf hin und entspricht damit seinem Geschichtspessimismus angesichts der Folgeerscheinungen der Französischen Revolution. Ein wichtiges Thema der Novelle ist das Theodizee-Problem. Während das Erdbeben für den Klerus und das Volk eine göttliche Strafe bedeutet, gilt es dem Liebespaar als eine wunderbare Rettung. Nach dem Erdbeben entsteht ein utopischer Naturzustand der freien und klassenlosen Menschengemeinschaft. Sie erweist sich allerdings bald durch die Lynchjustiz des Pöbels im Schlussteil als eine nur für kurze Zeit dauernde Ausnahmesituation. Das Überleben des natürlichen Kindes Philipp lässt jedoch wieder auf eine Hoffnung setzen. In dieser Novelle ist Gott ein unbegreifliches verborgenes Wesen, das für die Dinge auf der Welt nicht zuständig ist. Das Problem der Deutung selbst ist auch ein bedeutendes Thema dieser Novelle. Darin kreuzen sich die verschiedenen Deutungen des Geschehens durch die Figuren, die wieder auch als Treibkraft der Handlung fungieren. Nach Kleist besteht die menschliche Existenz in einer Folge von Deutungen der Dinge, die meistens aus der subjektiven Perspektive des jeweilig Betroffenen gemacht werden und damit sehr situationsabhängig sind. Sie sind deshalb urgründlich den Fehlurteilen ausgesetzt, wofür Das Erdbeben in Chiliein Paradebeispiel gibt. Ein weiteres Hauptthema ist das von der Gesellschaftskritik. Sie kommt hauptsächlich in der Vorgeschichte und im Schlussteil zum Ausdruck, und im ländlichen Mittelteil stellt Kleist als eine Art Gegenmodell der depravierten Gesellschaft eine Traumvision der utopischen Gemeinschaft dar. Er betont aber auch das Wunschhafte und Unhistorische der neu entstandenen Gemeinschaft durch die wiederholten Als ob-Strukturen bzw. konjunktivischen Sätze und durch die Restauration der alten gesellschaftlichen Institutionen und Normen im Schlussteil. Die Freude Don Fernandos im letzten Satz der Novelle, die er in der neu gegründeten Familie findet, deutet jedoch eine Möglichkeit eines neuartigen Zusammenlebens der Menschen an: “Don Fernando und Donna Elvire nahmen hierauf den kleinen Fremdling zum Pflegesohn an; und wenn Don Fernando Philippen und Juan verglich, und wie er beide erworben hatte, so war es ihm fast, als müsst er sich freuen.”

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