본문 바로가기
KERD
논문KCI 등재

『칠레의 지진』은 단지 신정론에 대한 비판인가? - 하인리히 폰 클라이스트와 계몽주의

Ist Das Erdbeben in Chili bloß die Kritik an der Theodizee? - Die Erschütterung der Aufklärung bei Heinrich von Kleist

0

조회

0

다운로드

3

인용

0

참고문헌

키워드

주제분류독일어와문학

초록

Das Erdbeben in Chili (1806) beginnt mit der Angabe von Zeit und Ort der beschriebenen Erderschütterung: St. Jago im Jahre 1647. Dies postuliert eine Historizität der Novelle. Doch das Erdbeben, von dem die Hauptstadt Chili am 13.Mai 1647 erschüttert wurde, verlegte Kleist auf Ende Juli oder Anfang August. Es wird, so Norbert Oellers, gar nicht (oder nicht nur) von dem Beben in Chili erzählt, sondern (auch) von anderen Beben, also vom Erdbeben in Lissabon (am 1.November 1755) und vom Beben der Französischen Revolution. Dabei rückt die Novelle in den Mittelpunkt der Theodizeediskussion. Der Begriff Theodizee, der auf den deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz zurückgeht, heißt die Gerechtigkeit Gottes, die der Frage gegenübersteht, wie das malum/das Böse/das Übel in der Welt, welche der allmächtige und gute Gott geschaffen hat, zu erklären ist. Im System der prästabilierten Harmonie sei die Welt, so Leibniz, die beste aller möglichen Welten. Der Glaube an das System des Optimums (des Besten) ist der Optimismus. Dabei sind alle Wesen schließlich in der Kette der Harmonie und der Notwendigkeit. Nach ihm gibt es allerdings drei Arten vom malum in der Welt, und zwar malum metaphysicum, das traditionell als privatio boni (Mangel am Guten), dabei als Mangel an Sein bezeichnet ist, malum physicum, unter dem z.B. Naturkatastrophen, Krankheiten, Tod usw. zu subsumieren sind, und malum morale. Insbesondere hielt Leibniz das physische Übel für die notwendige Folge des moralischen Übels und für ein Mittel zum Besseren. Dabei sind die zwei mala, also das physische Übel und das moralische grundlegend miteinander verbunden. Anlässlich des Erdbebens von Lissabon kritisierte Voltaire mit seinem Gedicht Poème sur le désastre de Lisbonne (1756) und seinem Roman Candide ou l'opitmisme (1759) die Leibnizische Theodizee bzw. den Optimismus, indem der Roman, statt von der Kette der Notwendigkeit, von (glücklichen oder) unglücklichen Zufällen handelte. Ferner geht es beim Erdbeben in Chili um ihre „Zufälligkeit“; nicht um kontingente Ereignisse, sondern ihre „unversicherbare Kontingenz“. Kleists Erdbeben-Novelle ist außerdem nicht als die mehr als ein halbes Jahrhundert verspätete Wiedergabe von Voltaires Roman, sondern als die Kritik an den zeitgenössischen Strömungen des neuen verinnerlichten Optimismus zu verstehen. Kleist distanzierte sich von der zeitgenössischen Aufklärung und attackierte diese. Kleists Position gegenüber der Aufklärung ist, so Geisenhanslücke und Heimböckel, nicht (allein) „kritisch, sondern subversiv“. Mit seiner Novelle nahm er eine Position ein, die „dem teleologischen Denken der Romantik und des deutschen Idealismus diametral entgegengesetzt ist“. Damit blieb er nicht nur in der Kritik des Optimismus, sondern setzt ihn fort: also wurde bei ihm der Baustein der Aufklärung grundlegend erschüttert: der Glaube an die zu verstehende Welt und dabei das Vertrauen auf den Fortschritt durch die Vernunft.

Abstract

Das Erdbeben in Chili (1806) beginnt mit der Angabe von Zeit und Ort der beschriebenen Erderschütterung: St. Jago im Jahre 1647. Dies postuliert eine Historizität der Novelle. Doch das Erdbeben, von dem die Hauptstadt Chili am 13.Mai 1647 erschüttert wurde, verlegte Kleist auf Ende Juli oder Anfang August. Es wird, so Norbert Oellers, gar nicht (oder nicht nur) von dem Beben in Chili erzählt, sondern (auch) von anderen Beben, also vom Erdbeben in Lissabon (am 1.November 1755) und vom Beben der Französischen Revolution. Dabei rückt die Novelle in den Mittelpunkt der Theodizeediskussion. Der Begriff Theodizee, der auf den deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz zurückgeht, heißt die Gerechtigkeit Gottes, die der Frage gegenübersteht, wie das malum/das Böse/das Übel in der Welt, welche der allmächtige und gute Gott geschaffen hat, zu erklären ist. Im System der prästabilierten Harmonie sei die Welt, so Leibniz, die beste aller möglichen Welten. Der Glaube an das System des Optimums (des Besten) ist der Optimismus. Dabei sind alle Wesen schließlich in der Kette der Harmonie und der Notwendigkeit. Nach ihm gibt es allerdings drei Arten vom malum in der Welt, und zwar malum metaphysicum, das traditionell als privatio boni (Mangel am Guten), dabei als Mangel an Sein bezeichnet ist, malum physicum, unter dem z.B. Naturkatastrophen, Krankheiten, Tod usw. zu subsumieren sind, und malum morale. Insbesondere hielt Leibniz das physische Übel für die notwendige Folge des moralischen Übels und für ein Mittel zum Besseren. Dabei sind die zwei mala, also das physische Übel und das moralische grundlegend miteinander verbunden. Anlässlich des Erdbebens von Lissabon kritisierte Voltaire mit seinem Gedicht Poème sur le désastre de Lisbonne (1756) und seinem Roman Candide ou l'opitmisme (1759) die Leibnizische Theodizee bzw. den Optimismus, indem der Roman, statt von der Kette der Notwendigkeit, von (glücklichen oder) unglücklichen Zufällen handelte. Ferner geht es beim Erdbeben in Chili um ihre „Zufälligkeit“; nicht um kontingente Ereignisse, sondern ihre „unversicherbare Kontingenz“. Kleists Erdbeben-Novelle ist außerdem nicht als die mehr als ein halbes Jahrhundert verspätete Wiedergabe von Voltaires Roman, sondern als die Kritik an den zeitgenössischen Strömungen des neuen verinnerlichten Optimismus zu verstehen. Kleist distanzierte sich von der zeitgenössischen Aufklärung und attackierte diese. Kleists Position gegenüber der Aufklärung ist, so Geisenhanslücke und Heimböckel, nicht (allein) „kritisch, sondern subversiv“. Mit seiner Novelle nahm er eine Position ein, die „dem teleologischen Denken der Romantik und des deutschen Idealismus diametral entgegengesetzt ist“. Damit blieb er nicht nur in der Kritik des Optimismus, sondern setzt ihn fort: also wurde bei ihm der Baustein der Aufklärung grundlegend erschüttert: der Glaube an die zu verstehende Welt und dabei das Vertrauen auf den Fortschritt durch die Vernunft.

참고문헌 (51)

  1. 김중현, "인간 불평등 기원론" (2010), 웅진씽크빅
  2. 볼테르, "깡디드", pp.125~316 (2011), 깡디드
  3. Leibniz, G. W., "Hauptschriften zur Grundlegung der Philosophie Bd. II. Übersetzt von Artur Buchenau", pp.219~134 (1906), Leipzig
  4. Leibniz, G. W., "Philosophische Werke in vier Bänden. in der Zusammenstellung von Ernst Cassirer. Übersetzt v. Artur Buchenau. Bd. 4" (1996), Philosophische Werke in vier Bänden. in der Zusammenstellung von Ernst Cassirer. Übersetzt v. Artur Buchenau. Bd. 4. (Leipzig 1925). Hamburg
  5. Kant, I., "Vorkritische Schriften von Immanuel Kant. Bd. I", pp.439~473 (1922)
  6. Kant, I., "Immauel Kant. Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik 1", pp.103~124 (1977)
  7. Kleist, Heinrich von, "Sämtliche Werke und Briefe" (1977)
  8. Pope, Alexander, "Vom Mensch: Essay on Man (1733-1734)" (2013)
  9. Voltaire, "Korrespondenz aus den Jahren 1749 bis 1760" (1978)
  10. Voltaire, "Rousseau, Jean-Jecques: Lettre de J.J. Rousseau citoyen de Geneve, a Monsieur de Voltaire, concernant le poeme sur le desastre de Lisbonne" (2011), nabu press
  11. 시라디, 니콜라스, "운명의 날 - 유럽의 근대화를 꽃피운 1755년 리스본 대지진"
  12. 김은정, "인간의 ‘근본악’에 대한 고찰 ― 칸트의 ‘근본악’ 개념과 옐리넥의 『피아노 치는 여자』를 중심으로", 독일문학, 51(4), pp.165~188 (2010), 한국독어독문학회
  13. 김화성, "리스본의 대지진과 악(惡) 개념의 근대적 전환 ― 악의 문제에 대한 철학적 방법론에 관하여", 대동철학, (49), pp.283~304 (2009), 대동철학회
  14. 박영식, "칸트의 신정론과 신학", 한국기독교신학논총, (58), pp.115~134 (2008), 한국기독교학회
  15. 백종현, "칸트에서 선의지와 자유의 문제", 인문논총, 71(2), pp.11~42 (2014), 인문학연구원
  16. 윤선구, "라이프니츠에서 자유의 개념", 철학연구, 41, pp.17~43 (1997)
  17. 이남원, "칸트 초기 저술에서 옵티미즘", 철학연구, 115, pp.163~192 (2010), 대한철학회
  18. Aldridge, Alfred Owen, "The Background of Kleist's Das Erdbeben in Chili", arcadia. Zeitschrift für vergleichende Literaturwissenschaft, 3, pp.173~180 (1968)
  19. Appelt, Hedwig, "Erläuterungen und Dokumente: Heinrich von Kleist, „Das Erdbeben in Chili“" (1986), Stuttgart
  20. Belaval, Y., "Optimismus. In. Historisches Wörterbuch der Philosophie", pp.1240~1246 (1984), Basel
  21. Bojanowski, Jochen, "Kants Theorie der Freiheit: Rekonstruktion und Rehabilitierung" (2006)
  22. Bourke, Thomas E., "Klassik und Moderne. Die Weimarer Klassik als historisches Ereignis und Herausforderung im kulturgeschichtlichen Prozess. Walter Müller-Seidel zum 65. Geburtstag", pp.228~253 (1983)
  23. Cassirer, Ernst, "Die Philosophie der Aufklärung" (1998)
  24. Fink, Kristina, "Die sogenannte »Kantkrise« Heinrich von Kleists: Ein altes Problem aus neuer Sicht" (2012), Würzburg
  25. Fonnesu, Luca, "The Cambridge History of Eighteenth-Century Philosophy", pp.749~778 (2006)
  26. Gall, Ulrich, "Philosophie bei Heinrich von Kleist. Untersuchungen zu Herkunft und Bestimmung des philosophischen Gehalts seiner Schriften" (1985)
  27. "Deux afflictions mises ensemble peuvent devenir une consolation“. Theodizee bei Jean Paul und Heinrich von Kleist, 1-12" (2007)[URL]
  28. Geyer, Carl-Friedrich, "Das „Jahrhundert der Theodizee“", Kant-Studien, 4, pp.393~405 (1982)
  29. Gisler, Monika, "Gerahrd Lauer und Thorsten Unger. Das Erdbeben von Lissabon und der Katastrophendiskurs im 18. Jahrhundert", pp.230~243 (2008), Göttingen
  30. Grathoff, Dirk, "Kleist: Geschichte, Politik, Sprache", pp.96~111 (2000)
  31. Green, Ronald M., "Theodicy", The Encyclopedia of Religion, 14, pp.430~441 (1987)
  32. Günter, Horst, "Das Erdbeben von Lissabon. und die Erschütterung des aufgeklärten Europa" (2005)
  33. Hamacher, Werner, "Positionen der Literaturwissenschaft. Acht Modellanalysen am Beispiel von Kleists Das Erdbeben in Chili", pp.149~173 (2007), Positionen der Literaturwissenschaft. Acht Modellanalysen am Beispiel von Kleists Das Erdbeben in Chili(1985). 5. Aufl. München, 149-173, 188-192
  34. Herrath, Saskia, "Jeziorkowski, Klaus: Kleine Lauben, Arcadien und Schnabelewopsik: Festschrift für Klaus Jeziorkowski", pp.27~39 (1995)
  35. Hügli, Anton, "Malum. VI. Neuzeit", pp.682~686 (1980)
  36. Hügli, Anton, "Die Wirklichkeit des Bösen", pp.159~183 (1998)
  37. Kendrick, T.D., "The Lisbon Earthquake" (2014), Nabu Press
  38. Ledanff, Susanne, "Kleist und die »beste aller Welten«. „Das Erdbeben in Chili“ - gesehen im Spiegel der philosophischen und literarischen Stellungsnahmen zur Theodizee im 18. Jahrhundert", Kleist-Jahrbuch, 125~155 (1986)
  39. Lorenz, S, "Theodizee", pp.1065~1073 (1998), Basel
  40. Lovejoy, Arthur O., "Die große Kette der Wesen. Geschichte eines Gedankens" (1985)
  41. Marquard, Odo, "Malum. I. Einführung und Überblick", pp.652~656 (1980), Basel
  42. Marquard, Odo, "Lauer, Gerhard und Unger, Thorsten: Das Erdbeben von Lissabon und der Katastrophendiskurs im 18. Jahrhundert", pp.205~215 (2008)
  43. Neiman, Susan, "Das Böse denken. Eine andere Geschichte der Philosophie. Aus dem Amerikanischen von Christiana Goldmann", pp.47~72 (2004)
  44. Oellers, Norbert, "Interpretationen: Kleists Erzählungen", pp.85~110 (1998)
  45. Paton, Herbert J., "Der Katergorische Imperativ: Eine Untersuchung über Kant's Moralphilosophie" (1962)
  46. Schneider, H., "Malum. IV. Malum in der Gnosis und im Manichäismus", pp.665~669 (1980), Basel
  47. Schneider, Wolfgang, "Die Herzenswunde Gottes: die Theologie des durchbohrten Herzens Jesu als Zugang zu einer spirituellen Theodizeefrage" (2008)
  48. Schulte, Christoph, "radikal böse. Die Karriere des Bösen von Kant bis Nietzsche" (1991)
  49. Sparn, Walter, "Colpe, Carsten und Schmidt-Biggemann, Wilhelm: Das Böse. eine historische Phänomenologie des Unerklärlichen" (1993)
  50. Strässle, Urs, "Heinrich von Kleist. Die keiförmige Vernuft" (2002)
  51. Weinrich, Harald, "Literatur für Leser. Essays und Aufsätze zur Literaturwissenschaft", pp.64~76 (1971)

관련 논문AI추천

이 간행물의 다른 논문 (20건)