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‘상호문화적 문학작품’에 나타난 문화번역의 문제 - 괴테의 발라드 <신과 무희-인도 성담>을 중심으로

Die Problematik der Kultur?bersetzung bei interkulturellen Literaturwerken: am Beispiel von Goethes Ballade Der Gott und die Bajadere - Indische Legende

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주제분류독일어와문학

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Durch die Globalisierung werden die kulturellen ,Schwellenzonen‘ vermehrt, in denen verschiedene Kulturen und Wertvorstellungen aufeinander treffen und sich sowohl überschneiden als auch vermengen. Dadurch werden die Menschen noch öfter zur interkulturellen Kommunikation genötigt. Angesichts der globalisierten und sich noch weiter globalisierenden Welt wird nun die Übersetzung als Form des Kulturenkontakts in die Mitte der Diskussionen gerückt. Vor allem in der Ethnographie spricht man daher von der „Kulturübersetzung“. Dabei versteht man die Übersetzung als „Medium einer Repräsentation fremder Kulturen“ bzw. als „Medium der interkulturellen Kommunikation“. Hier geht es um den zeitlichen und räumlichen Kontext der Kulturübersetzung und ebenfalls um das Subjekt der Kulturübersetzung. Je nach dem Gewicht dieser beiden Elemente kann das Negotiation zwischen den Kulturen zur symmetrischen oder asymmetrischen Beziehung führen. Ein solches Verständnis der Übersetzung ist mit der langen Geschichte der europäischen Machtentfaltung verknüpft. Daher ist die heutige Diskussion über die Übersetzung mit dem postkolonialien Diskurs über das imperialistische Zeitalter des Westens verzahnt. Auch in der Übersetzungswissenschaft oder -forschung spricht man von „translational turn / translative turn“. Bei der Übersetzungforschung hat sich daher der Akzent von der linguistischen Äquivalenz auf die „transferorientierte“ Übersetzung verschoben. Im Hinblick auf diese neuen Forschungstendenzen wird in der vorliegenden Arbeit die Problematik der Kulturübersetzung an einem interkulturellen Literaturwerk, nämlich an Goethes Ballade Der Gott und die Bajadere - Indische Legende beispielhaft aufgezeigt. Durch die Analyse von Goethes poetischem ,Über-setzen‘ der indischen Legende werden die Intention des Autors und der durch die kulturelle Grenzüberschreitung entstandene Textsinn im Hinblick auf die Übersetzung als Medium interkultureller Kommunikation beleuchtet. Dafür wird diese Ballade zunächst mit dem Quellentext, mit Sonnerats Reise nach Ostindien und China (1774-1781) verglichen, um die Intention Goethes als Subjekts der Kulturübersetzung und den Sinn dieser Ballade im kulturellen Kontext der Entstehungszeit herauszuarbeiten. Danach wird erläutert, wie diese Ballade im intra- und interkulturellen Kontext der Rezeption gelesen und retextualisiert wurde und wird. Vom kulturellen Kontext der Entstehungszeit her gesehen, muss Goethe die ,falsche‘ Kulturübersetzung von Sonnerat in diese Ballade eingeführt haben, ohne dies kritisch reflektiert zu haben. Das heißt, Sonnerat hat in seinem Reisebericht die Bajadere (die indische Tempeltänzerin) als „öffentliche Hure“ bezeichnet, und Goethe hat in seiner Ballade die Bajadere als eine Prostituierte dargestellt. Die Bezeichnung der Bajadere als öffentlicher Hure - d. i. eine Art orientalistischer Aussage - entspricht ganz und gar den Ansichten der Europäer, die das von England kolonialisierte Indien besucht haben. Der indischen, hinduistischen Tradition zufolge wurden die Bajaderen jedoch nicht als Prostituierte angesehen, obwohl sie nicht nur als Tempeltänzerin, sondern auch als Sexpartnerin des Priesters gedient haben. Durch den Import der fremden Kultur, nämlich der indischen Kultur, in der die Sexualität nicht als Sünde angesehen wurde, muss Goethe Kritik an seiner eigenen Kultur, nämlich der christlichen Kultur geübt haben, in der die Sexualität mit der Sünde gleichgesetzt wurde. Dafür hat er sogar das indische Gottesbild entstellt, indem er dies auf die christliche, europäische Weise dargestellt hat. Durch die Erfahrung mit dem Fremden hat er die christliche Grenze überschritten. Er war ein aufklärerischer Humanist. Aber vom intra- und interkulturellen Kontext der Rezeption im 20. und 21. Jahrhundert her gesehen, hat Goethe die patriarchalische Kulturgrenze nicht überschritten. Diese Ballade Goethes wurde von seinen Nachfolgern, wie Brecht und Adorno, wieder retextualisiert. Brecht hat durch ein Sonett und Adorno durch den 112. Aporismus seiner „Minima Moralia“ Goethes Ballade kritisiert. Die beiden deutschen Nachfolger haben nur der bürgerlichen Beziehung von Mann und Frau Aufmerksamkeit geschenkt und die scheinheilige Spießigkeit der Humanität bzw. die bürgerliche Männerphantasie kritisiert. Im Vergleich mit ihnen schenkt eine koreanische Leserin im 21. Jahrhundert vielmehr ihre Aufmerksamkeit der poetischen Funktion der ,unmenschlichen‘ Sati in dieser Ballade, in der es um eine sog. „menschliche“ Liebesgeschichte geht. Sie interpretiert, Goethe sei zwar ein aufklärerischer Humanist, aber eben ein Mann. Bei der Anaylse dieser Ballade und beim Vergleich der verschiedenen Textsinne, die sich durch die unterschiedlichen Konstellationen in der Entstehungszeit des Textes und bei seiner Rezeption durch spätere Leser ergeben, lässt sich zeigen, inwiefern die für die Kommunikation zwischen zeitlich und räumlich verschiedenen Kulturen unabdingbare Kulturübersetzung zugleich eine Gelegenheit zu einer dem jeweiligen Kontext entsprechenden, neuen Sinnbildung ist

Abstract

Durch die Globalisierung werden die kulturellen ,Schwellenzonen‘ vermehrt, in denen verschiedene Kulturen und Wertvorstellungen aufeinander treffen und sich sowohl überschneiden als auch vermengen. Dadurch werden die Menschen noch öfter zur interkulturellen Kommunikation genötigt. Angesichts der globalisierten und sich noch weiter globalisierenden Welt wird nun die Übersetzung als Form des Kulturenkontakts in die Mitte der Diskussionen gerückt. Vor allem in der Ethnographie spricht man daher von der „Kulturübersetzung“. Dabei versteht man die Übersetzung als „Medium einer Repräsentation fremder Kulturen“ bzw. als „Medium der interkulturellen Kommunikation“. Hier geht es um den zeitlichen und räumlichen Kontext der Kulturübersetzung und ebenfalls um das Subjekt der Kulturübersetzung. Je nach dem Gewicht dieser beiden Elemente kann das Negotiation zwischen den Kulturen zur symmetrischen oder asymmetrischen Beziehung führen. Ein solches Verständnis der Übersetzung ist mit der langen Geschichte der europäischen Machtentfaltung verknüpft. Daher ist die heutige Diskussion über die Übersetzung mit dem postkolonialien Diskurs über das imperialistische Zeitalter des Westens verzahnt. Auch in der Übersetzungswissenschaft oder -forschung spricht man von „translational turn / translative turn“. Bei der Übersetzungforschung hat sich daher der Akzent von der linguistischen Äquivalenz auf die „transferorientierte“ Übersetzung verschoben. Im Hinblick auf diese neuen Forschungstendenzen wird in der vorliegenden Arbeit die Problematik der Kulturübersetzung an einem interkulturellen Literaturwerk, nämlich an Goethes Ballade Der Gott und die Bajadere - Indische Legende beispielhaft aufgezeigt. Durch die Analyse von Goethes poetischem ,Über-setzen‘ der indischen Legende werden die Intention des Autors und der durch die kulturelle Grenzüberschreitung entstandene Textsinn im Hinblick auf die Übersetzung als Medium interkultureller Kommunikation beleuchtet. Dafür wird diese Ballade zunächst mit dem Quellentext, mit Sonnerats Reise nach Ostindien und China (1774-1781) verglichen, um die Intention Goethes als Subjekts der Kulturübersetzung und den Sinn dieser Ballade im kulturellen Kontext der Entstehungszeit herauszuarbeiten. Danach wird erläutert, wie diese Ballade im intra- und interkulturellen Kontext der Rezeption gelesen und retextualisiert wurde und wird. Vom kulturellen Kontext der Entstehungszeit her gesehen, muss Goethe die ,falsche‘ Kulturübersetzung von Sonnerat in diese Ballade eingeführt haben, ohne dies kritisch reflektiert zu haben. Das heißt, Sonnerat hat in seinem Reisebericht die Bajadere (die indische Tempeltänzerin) als „öffentliche Hure“ bezeichnet, und Goethe hat in seiner Ballade die Bajadere als eine Prostituierte dargestellt. Die Bezeichnung der Bajadere als öffentlicher Hure - d. i. eine Art orientalistischer Aussage - entspricht ganz und gar den Ansichten der Europäer, die das von England kolonialisierte Indien besucht haben. Der indischen, hinduistischen Tradition zufolge wurden die Bajaderen jedoch nicht als Prostituierte angesehen, obwohl sie nicht nur als Tempeltänzerin, sondern auch als Sexpartnerin des Priesters gedient haben. Durch den Import der fremden Kultur, nämlich der indischen Kultur, in der die Sexualität nicht als Sünde angesehen wurde, muss Goethe Kritik an seiner eigenen Kultur, nämlich der christlichen Kultur geübt haben, in der die Sexualität mit der Sünde gleichgesetzt wurde. Dafür hat er sogar das indische Gottesbild entstellt, indem er dies auf die christliche, europäische Weise dargestellt hat. Durch die Erfahrung mit dem Fremden hat er die christliche Grenze überschritten. Er war ein aufklärerischer Humanist. Aber vom intra- und interkulturellen Kontext der Rezeption im 20. und 21. Jahrhundert her gesehen, hat Goethe die patriarchalische Kulturgrenze nicht überschritten. Diese Ballade Goethes wurde von seinen Nachfolgern, wie Brecht und Adorno, wieder retextualisiert. Brecht hat durch ein Sonett und Adorno durch den 112. Aporismus seiner „Minima Moralia“ Goethes Ballade kritisiert. Die beiden deutschen Nachfolger haben nur der bürgerlichen Beziehung von Mann und Frau Aufmerksamkeit geschenkt und die scheinheilige Spießigkeit der Humanität bzw. die bürgerliche Männerphantasie kritisiert. Im Vergleich mit ihnen schenkt eine koreanische Leserin im 21. Jahrhundert vielmehr ihre Aufmerksamkeit der poetischen Funktion der ,unmenschlichen‘ Sati in dieser Ballade, in der es um eine sog. „menschliche“ Liebesgeschichte geht. Sie interpretiert, Goethe sei zwar ein aufklärerischer Humanist, aber eben ein Mann. Bei der Anaylse dieser Ballade und beim Vergleich der verschiedenen Textsinne, die sich durch die unterschiedlichen Konstellationen in der Entstehungszeit des Textes und bei seiner Rezeption durch spätere Leser ergeben, lässt sich zeigen, inwiefern die für die Kommunikation zwischen zeitlich und räumlich verschiedenen Kulturen unabdingbare Kulturübersetzung zugleich eine Gelegenheit zu einer dem jeweiligen Kontext entsprechenden, neuen Sinnbildung ist

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