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Karl Kraus und Goethe

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주제분류독일어와문학

초록

Welche Kriterien liegen diesem eigentümlichen Individualkanon von Karl Kraus zugrunde? Welche Haltung artikuliert sich in ihm? Nun, das auszeichnende Moment an all diesen Dichtern liegt darin, dass sie ihrer Verantwortung vor der Sprache gerecht werden: sie schaffen Poesie, sie überraschen durch Witz, und sie gelangen zur Erkenntnis. Damit sind sie so etwas wie Bollwerke gegen den Sprachverfall, den Kraus in seinem täglichen Kampf gegen den Journalismus in Wien und in der Welt nicht müde wird zu diagnostizieren. Zugleich wohnt diesem Kanon ein starker Traditionalismus inne. Shakespeare und Goethe repräsentieren eine absolute sprachliche Norm, die für die eigene Gegenwart von Karl Kraus immer noch unmittelbare Geltung beanspruchen kann, ungeachtet allen historischen Wandels. Die Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts mit ihren sprachlichen (aber nicht nur sprachlichen) Experimenten spielen für Kraus gar keine Rolle. Schließlich ist es auch kein Wunder, dass der Kanon von Karl Kraus, je mehr wir uns seiner Gegenwart nähern, immer unkonventionellere Züge annimmt. Eine Gesellschaft, die so durch sprachlichen und geistigen Verfall gekennzeichnet ist wie für Karl Kraus das Österreich des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts, muss sich selbstverständlich auch im Urteil über seine eigene Literatur täuschen. Es sind notwendig die Außenseiter wie Wedekind oder Else Lasker-Schüler, die für Kraus das gefährdete Erbe der Poesie in der Gegenwart bewahren.

Abstract

Welche Kriterien liegen diesem eigentümlichen Individualkanon von Karl Kraus zugrunde? Welche Haltung artikuliert sich in ihm? Nun, das auszeichnende Moment an all diesen Dichtern liegt darin, dass sie ihrer Verantwortung vor der Sprache gerecht werden: sie schaffen Poesie, sie überraschen durch Witz, und sie gelangen zur Erkenntnis. Damit sind sie so etwas wie Bollwerke gegen den Sprachverfall, den Kraus in seinem täglichen Kampf gegen den Journalismus in Wien und in der Welt nicht müde wird zu diagnostizieren. Zugleich wohnt diesem Kanon ein starker Traditionalismus inne. Shakespeare und Goethe repräsentieren eine absolute sprachliche Norm, die für die eigene Gegenwart von Karl Kraus immer noch unmittelbare Geltung beanspruchen kann, ungeachtet allen historischen Wandels. Die Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts mit ihren sprachlichen (aber nicht nur sprachlichen) Experimenten spielen für Kraus gar keine Rolle. Schließlich ist es auch kein Wunder, dass der Kanon von Karl Kraus, je mehr wir uns seiner Gegenwart nähern, immer unkonventionellere Züge annimmt. Eine Gesellschaft, die so durch sprachlichen und geistigen Verfall gekennzeichnet ist wie für Karl Kraus das Österreich des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts, muss sich selbstverständlich auch im Urteil über seine eigene Literatur täuschen. Es sind notwendig die Außenseiter wie Wedekind oder Else Lasker-Schüler, die für Kraus das gefährdete Erbe der Poesie in der Gegenwart bewahren.

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