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“고요한 근원적 슬픔”- 발터 벤야민의 고트프리트 켈러 읽기

“Stille Grundtrauer”: Walter Benjamins Gottfried Keller-Lektüre

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주제분류독일어와문학

초록

Walter Benjamin bezeichnete in seinem Essay Gottfried Keller(1927) den Schweizer Autor Keller(1819–1890) als “einen der größten deutschen Prosaiker”. Dieser Essay, den Benjamin selbst als seinen besten Aufsatz sah, ist von besonderer Bedeutung, da die Denkbilder und Motive, die sich bei seiner Keller-Lektüre herausgebildet haben, in den aufeinanderfolgenden Schriften die Grundlage seiner Literaturkritik bilden. Benjamin erkannte Keller als einen “gefährlichen Schriftsteller” und war fasziniert von seiner “epischen Unberechenbarkeit”. Die Gründe dafür werden in diesem Beitrag in Bezug auf die Motive und Denkbilder in Kellers Werken untersucht. Sie bestehen in der subversiven Fantasie, in der Androgynität der Figuren, der Ambivalenz von Weiblichkeit und Männlichkeit, der kühnen Kombination von Antike und Barock sowie der Ambivalenz von Impotenz und Eros usw. Mit seinem subtilen Blick auf die vielfältigen und unberechenbaren Strukturen des Kellerschen Erzählens liefert Benjamin eine einzigartige Autor-Skizze, welche über die damals wie heute noch übliche Einschätzung, Keller als einen ‘Autor des bürgerlichen Realismus’ zu sehen, weit hinausgeht. Allen Dichtungen Kellers liegt nämlich die tiefe melancholische Wahrnehmung der menschlichen Existenz zugrunde. Die “stille Grundtrauer”, aus dem ständig tiefsinniger Humor hervorquillt, ist die Schwerkraft der Kellerschen Dichtung. Benjamin teilte mit Keller diesen Bedingungszusammenhang von Trauer und Freude, Melancholie und Humor, der sich aus der anthropologischen Einsicht in die fundamentale Endlichkeit des Daseins ergibt. Keller war dadurch für Benjamin der magische Spiegel der Selbsterkenntnis.

Abstract

Walter Benjamin bezeichnete in seinem Essay Gottfried Keller(1927) den Schweizer Autor Keller(1819–1890) als “einen der größten deutschen Prosaiker”. Dieser Essay, den Benjamin selbst als seinen besten Aufsatz sah, ist von besonderer Bedeutung, da die Denkbilder und Motive, die sich bei seiner Keller-Lektüre herausgebildet haben, in den aufeinanderfolgenden Schriften die Grundlage seiner Literaturkritik bilden. Benjamin erkannte Keller als einen “gefährlichen Schriftsteller” und war fasziniert von seiner “epischen Unberechenbarkeit”. Die Gründe dafür werden in diesem Beitrag in Bezug auf die Motive und Denkbilder in Kellers Werken untersucht. Sie bestehen in der subversiven Fantasie, in der Androgynität der Figuren, der Ambivalenz von Weiblichkeit und Männlichkeit, der kühnen Kombination von Antike und Barock sowie der Ambivalenz von Impotenz und Eros usw. Mit seinem subtilen Blick auf die vielfältigen und unberechenbaren Strukturen des Kellerschen Erzählens liefert Benjamin eine einzigartige Autor-Skizze, welche über die damals wie heute noch übliche Einschätzung, Keller als einen ‘Autor des bürgerlichen Realismus’ zu sehen, weit hinausgeht. Allen Dichtungen Kellers liegt nämlich die tiefe melancholische Wahrnehmung der menschlichen Existenz zugrunde. Die “stille Grundtrauer”, aus dem ständig tiefsinniger Humor hervorquillt, ist die Schwerkraft der Kellerschen Dichtung. Benjamin teilte mit Keller diesen Bedingungszusammenhang von Trauer und Freude, Melancholie und Humor, der sich aus der anthropologischen Einsicht in die fundamentale Endlichkeit des Daseins ergibt. Keller war dadurch für Benjamin der magische Spiegel der Selbsterkenntnis.

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