독일인과 유태인의 새로운 대화가능성을 모색하는 여성적 시도 - 루트 클뤼거, 『삶은 계속된다』
Weiblicher Versuch über neue Möglichkeiten eines deutsch-jüdischen Gesprächs - Ruth Klügers weiter leben. Eine Jugend
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초록
Die Autorin Ruth Klüger, in Wien geboren, erlebte als Volljüdin den Antisemitismus bis zum Äußersten, überlebte die Vernichtungslager durch Flucht und griff als eine amerikanische Germanistin erst 1992 mit der erfolgreichen autobiographischen Prosa weiter leben. Eine Jugend auf diese Erfahrungen zurück. In Zusammenhang mit der Holocaust-Literatur steht die Erzählweise Klügers im krassen Kontrast zum tradierten Erzählduktus der Holocaust-Erinnerungen: stilisierte Umgangssprache gegen Pathos, Humor gegen Erhabenheit, offene Zeitstruktur gegen abgeschlossene, ‘De-Dämonisierung der Täter’ und ‘Ent-Heroisierung der Opfer’ gegen Opfer-Täter-Dualismus. Zwischen dem elften und dem dreizehnten Lebensjahr wandert die Ich-Erzählerin mit ihrer Mutter nacheinander durch die KZ-Lager: Theresienstadt - Auschwitz-Birkenau - Christianstadt. Hier kämpft sie um ihr Leben und erlangt letztendlich infolge ihrer freien Entscheidung die Freiheit. Dabei nimmt die Suche nach der eigenen Identität einen wichtigen Platz ein. Die Lage ist für die Autorin als feministische Jüdin noch verwickelter, weil sie mit der doppelten Last, Jude- und Frau-Sein, fertig werden muss, wobei diese oftmals miteinander kollidieren. Denn bei der Auseinandersetzung mit der Judenvernichtung ist sie als Jude fest an ihrer Volkszugehörigkeit gebunden, während die Kritik am Patriarchalismus eher aus einer volksübergreifenden Haltung erfolgt. Somit wird die Diskriminierung und soziale Marginalisierung der Frauen und Juden in der Gesellschaft angesprochen. Und für ein weibliches jüdisches Kind kommt eine weitere Diskriminierung hinzu, d. h. es leidet unter der dreifachen Benachteiligung: einem Kind/Jude/Frau-Dasein. Vor diesem Hintergrund ist dieser Erinnerungstext als ein Ausdruck gesuchter und gefundener, verworfener und neu konstruierter Identitat eines jüdischen Mädchens zu lesen. Die bisher erfolgten Vereinfachung und Vereinheitlichung der Holocaust-Bilder ergeben sich aus der Ausblendung solcher ‘Subjektivität’ genauer bestimmenden Elemente wie Geschlechterdifferenz, Nationalität, Religion, Klasse, Alter usw. Aufgerufen zu einer mehrdimensionalen Annäherung an die Erfahrungen von Überlebenden, entzünden sich seither feministische Diskurse über die Holocaust- Literatur. Klügers Erinnerungen sind demnach als ein Versuch zu betrachten, neben anderer Problematik auch den ‘Riß’ zwischen Genozid und Geschlecht auszufüllen. Die Ansicht von Klüger ist deutlich erkennbar an ihrem allenthalben zu spürenden Blick, der sich auf den Antisemitismus und zugleich den Chauvinismus richtet. Im Großen und Ganzen geht Klüger davon aus, dass die Frauen, im Vergleich zu den Männern, den Kriegsakteuren, ein friedfertiges Wesen sind. Außerdem fungiert bei Klüger die Weiblichkeit als eine übergeordnete Kategorie. Die geschlechtsspezifische Sicht lenkt den Blick von der rassischen oder religiösen Trennlinie weg zur allgemeingültigen Problematik zwischen den Geschlechtern und ermöglicht dadurch Gesprächsmöglichkeiten zwischen jenen verfeindeten Seiten. Gerade diese Brücke zwischen den verfolgten Juden und den deutschen Verfolgern versucht Klüger mit ihrem Text zu schlagen. Die oppositionelle Haltung, die Klüger gegen die Deutschen nimmt, setzt voraus, dass Klüger sich den Deutschen nicht mit dem Täter/Opfer-Dualismus, sondern mit dem Prinzip der ‘Auseinandersetzung’ annähert. Sie steht den Deutschen nicht als gedemütigtes Opfer gegenüber, sondern geht mit dem Selbstbewusstsein eines Über- und Weiterlebenden auf die Problematik Judenvernichtung ein. Bisher schrieben viele Überlebenden ihre Erfahrungen auf, doch kaum ein anderer Autor hat die Weitsichtigkeit von Klüger, deren Buch nicht als eine Anklage, nicht aus Resignation und Ressentiments entstand, sondern nach einer Möglichkeit sucht, mit dem Täter ins Gespräch zu kommen und dadurch zur Klärung der Angelegenheit beizutragen.
Abstract
Die Autorin Ruth Klüger, in Wien geboren, erlebte als Volljüdin den Antisemitismus bis zum Äußersten, überlebte die Vernichtungslager durch Flucht und griff als eine amerikanische Germanistin erst 1992 mit der erfolgreichen autobiographischen Prosa weiter leben. Eine Jugend auf diese Erfahrungen zurück. In Zusammenhang mit der Holocaust-Literatur steht die Erzählweise Klügers im krassen Kontrast zum tradierten Erzählduktus der Holocaust-Erinnerungen: stilisierte Umgangssprache gegen Pathos, Humor gegen Erhabenheit, offene Zeitstruktur gegen abgeschlossene, ‘De-Dämonisierung der Täter’ und ‘Ent-Heroisierung der Opfer’ gegen Opfer-Täter-Dualismus. Zwischen dem elften und dem dreizehnten Lebensjahr wandert die Ich-Erzählerin mit ihrer Mutter nacheinander durch die KZ-Lager: Theresienstadt - Auschwitz-Birkenau - Christianstadt. Hier kämpft sie um ihr Leben und erlangt letztendlich infolge ihrer freien Entscheidung die Freiheit. Dabei nimmt die Suche nach der eigenen Identität einen wichtigen Platz ein. Die Lage ist für die Autorin als feministische Jüdin noch verwickelter, weil sie mit der doppelten Last, Jude- und Frau-Sein, fertig werden muss, wobei diese oftmals miteinander kollidieren. Denn bei der Auseinandersetzung mit der Judenvernichtung ist sie als Jude fest an ihrer Volkszugehörigkeit gebunden, während die Kritik am Patriarchalismus eher aus einer volksübergreifenden Haltung erfolgt. Somit wird die Diskriminierung und soziale Marginalisierung der Frauen und Juden in der Gesellschaft angesprochen. Und für ein weibliches jüdisches Kind kommt eine weitere Diskriminierung hinzu, d. h. es leidet unter der dreifachen Benachteiligung: einem Kind/Jude/Frau-Dasein. Vor diesem Hintergrund ist dieser Erinnerungstext als ein Ausdruck gesuchter und gefundener, verworfener und neu konstruierter Identitat eines jüdischen Mädchens zu lesen. Die bisher erfolgten Vereinfachung und Vereinheitlichung der Holocaust-Bilder ergeben sich aus der Ausblendung solcher ‘Subjektivität’ genauer bestimmenden Elemente wie Geschlechterdifferenz, Nationalität, Religion, Klasse, Alter usw. Aufgerufen zu einer mehrdimensionalen Annäherung an die Erfahrungen von Überlebenden, entzünden sich seither feministische Diskurse über die Holocaust- Literatur. Klügers Erinnerungen sind demnach als ein Versuch zu betrachten, neben anderer Problematik auch den ‘Riß’ zwischen Genozid und Geschlecht auszufüllen. Die Ansicht von Klüger ist deutlich erkennbar an ihrem allenthalben zu spürenden Blick, der sich auf den Antisemitismus und zugleich den Chauvinismus richtet. Im Großen und Ganzen geht Klüger davon aus, dass die Frauen, im Vergleich zu den Männern, den Kriegsakteuren, ein friedfertiges Wesen sind. Außerdem fungiert bei Klüger die Weiblichkeit als eine übergeordnete Kategorie. Die geschlechtsspezifische Sicht lenkt den Blick von der rassischen oder religiösen Trennlinie weg zur allgemeingültigen Problematik zwischen den Geschlechtern und ermöglicht dadurch Gesprächsmöglichkeiten zwischen jenen verfeindeten Seiten. Gerade diese Brücke zwischen den verfolgten Juden und den deutschen Verfolgern versucht Klüger mit ihrem Text zu schlagen. Die oppositionelle Haltung, die Klüger gegen die Deutschen nimmt, setzt voraus, dass Klüger sich den Deutschen nicht mit dem Täter/Opfer-Dualismus, sondern mit dem Prinzip der ‘Auseinandersetzung’ annähert. Sie steht den Deutschen nicht als gedemütigtes Opfer gegenüber, sondern geht mit dem Selbstbewusstsein eines Über- und Weiterlebenden auf die Problematik Judenvernichtung ein. Bisher schrieben viele Überlebenden ihre Erfahrungen auf, doch kaum ein anderer Autor hat die Weitsichtigkeit von Klüger, deren Buch nicht als eine Anklage, nicht aus Resignation und Ressentiments entstand, sondern nach einer Möglichkeit sucht, mit dem Täter ins Gespräch zu kommen und dadurch zur Klärung der Angelegenheit beizutragen.
참고문헌 (10)
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- Heidelberger-Leonard, Irene, "Eine weibliche Autobiographie nach Auschwitz? Zu «weiter leben. Eine Jugend» von Ruth Klüger in : Das erdichtete Ich - eine echte Erfindung. Studien zu autobiographischer Literatur von Schriftstellerinnen", pp.1998, Frankfurt
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- Klüger, Ruth, "weiter leben. Eine Jugend" (1997), dtv
- Lezzi, Eva, "Zerstörte Kindheit. Literarische Autobiographien zur Shoah" (2001), Köln u.a.
- Ringelheim, Joan, "Thoughts about Women and the Holocaust in : Thinking the Unthinkable: Meanings of the Holocaust", pp.141~149 (1990)
- Weigel, Sigrid, "Der Ort von Frauen im Gedächtnis des Holocaust. Symbolisierungen, Zeugenschaft und kollektive Identität", Sprache im technischen Zeitalter, 33, pp.260~268 (1995)
