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슈투름 운트 드랑 시대의 천재숭배 - 괴테의 프랑크푸르트 찬가를 중심으로

Geniekult im Sturm und Drang - Im Hinblick auf Goethes Frankfurter Hymnen

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주제분류독일어와문학

초록

Jochen Schmidt behauptet: “Galt Dichtung zu Anfang des 18. Jahrhunderts nach dem Horazischen Rezept (...) als ergötzliche und belehrende Angelegenheit, so erhält sie schon bald nach der Jahrhundertmitte das Pathos und einmalige Verbindlichkeit einer Offenbarung - einer Offenbarung von Wahrheiten”. Schmidt begründet diese Rangerhöhung der Dichtung damit, dass die Dichter ein autonomes Leben führen konnten, indem sie in die bürgerliche Gesellschaft aufgenommen wurden. Dabei verbindet er die Genie-Konzeption mit dem bürgerlichen Autonomiestreben dieser Epoche. Hans-Georg Kemper argumentiert: Aufklärung “verhilft den gegen die kirchlichen Orthodoxien gerichteten frühneuzeitlichen Autonomiebestrebungen zum epochalen Durchbruch und leitet damit das Zeitalter der Moderne ein”. Dabei verweist er darauf, dass diese Autonomiebestrebungen in der gesteigerten Verehrung des Indiviuums im Sturm und Drang gipfelt. Kant definierte den Prozeß der Aufklärung als “Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit” und verband ihn mit Religionsfragen. Die Säkularisierung im 18. Jahrhundert bewirkte, dass die Menschen die Macht selbst übernahmen und mündig wurden. Gott war nun nicht mehr der Gott der Offenbarung und Erlösung, sondern der Schöpfer Gott, der in seinen Geschöpfen, d. h. in der Natur, erfahren werden kann. Die Ablehnung eines transzendenten Gottes war genauso wie die Ablehnung der bisherigen Autoritäten ein Akt der Selbstbefreiung des Menschen und Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins, das nach dem Recht der Selbstbestimmung strebte. Im Anschluß an die Religiosität der Hermetik vergöttlichten die Dichter im Sturm und Drang den Menschen und förderten damit ihre Autonomiestrebungen. Diese Tendenzen prägten auch das Bild des Genies. Shaftesbury bezeichnete den Autor als “second maker, a just Prometheus under Jove”. In den Frankfurter Hymnen des jungen Goethe übernimmt der Dichter die Rolle des schöpferischen Prometheus. Dieser von der Natur inspirierte und leidenschaftlich begeisterte Dichter identifiziert seine Geist mit Gottes Geist und wird zur “Kraft-quelle aller Inspiration” und “des Schöpfungsprozesses”. Der Dichter, der sich in diesen Hymnen als Genie vergöttlicht, will auf dem Thron seiner Religion, d. h. der Genie-Religion, die Wahrheit verkünden. Er erhöht sich als Verkünder einer neuen Naturreligiosität. Indem der Dichter des Sturm und Drang im Medium der Dichtung seine Selbstvergottung und Selbstverherrlichung erreichte, befreite er sich vom Einfluss der Theologie und der Kirche und gewann seine individuelle Autonomie. In der Epoche, in der sich die Säkularisierung vollendet, erhob die Dichtung ihren neuen Gott, nämlich das Genie bzw. seine Wahrheit auf den Thron. Damit entstand das Konzept eines vollkommen authentischen Dichtertums, das den Weg zur modernen Autor-Ästhetik vorbereitete.

Abstract

Jochen Schmidt behauptet: “Galt Dichtung zu Anfang des 18. Jahrhunderts nach dem Horazischen Rezept (...) als ergötzliche und belehrende Angelegenheit, so erhält sie schon bald nach der Jahrhundertmitte das Pathos und einmalige Verbindlichkeit einer Offenbarung - einer Offenbarung von Wahrheiten”. Schmidt begründet diese Rangerhöhung der Dichtung damit, dass die Dichter ein autonomes Leben führen konnten, indem sie in die bürgerliche Gesellschaft aufgenommen wurden. Dabei verbindet er die Genie-Konzeption mit dem bürgerlichen Autonomiestreben dieser Epoche. Hans-Georg Kemper argumentiert: Aufklärung “verhilft den gegen die kirchlichen Orthodoxien gerichteten frühneuzeitlichen Autonomiebestrebungen zum epochalen Durchbruch und leitet damit das Zeitalter der Moderne ein”. Dabei verweist er darauf, dass diese Autonomiebestrebungen in der gesteigerten Verehrung des Indiviuums im Sturm und Drang gipfelt. Kant definierte den Prozeß der Aufklärung als “Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit” und verband ihn mit Religionsfragen. Die Säkularisierung im 18. Jahrhundert bewirkte, dass die Menschen die Macht selbst übernahmen und mündig wurden. Gott war nun nicht mehr der Gott der Offenbarung und Erlösung, sondern der Schöpfer Gott, der in seinen Geschöpfen, d. h. in der Natur, erfahren werden kann. Die Ablehnung eines transzendenten Gottes war genauso wie die Ablehnung der bisherigen Autoritäten ein Akt der Selbstbefreiung des Menschen und Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins, das nach dem Recht der Selbstbestimmung strebte. Im Anschluß an die Religiosität der Hermetik vergöttlichten die Dichter im Sturm und Drang den Menschen und förderten damit ihre Autonomiestrebungen. Diese Tendenzen prägten auch das Bild des Genies. Shaftesbury bezeichnete den Autor als “second maker, a just Prometheus under Jove”. In den Frankfurter Hymnen des jungen Goethe übernimmt der Dichter die Rolle des schöpferischen Prometheus. Dieser von der Natur inspirierte und leidenschaftlich begeisterte Dichter identifiziert seine Geist mit Gottes Geist und wird zur “Kraft-quelle aller Inspiration” und “des Schöpfungsprozesses”. Der Dichter, der sich in diesen Hymnen als Genie vergöttlicht, will auf dem Thron seiner Religion, d. h. der Genie-Religion, die Wahrheit verkünden. Er erhöht sich als Verkünder einer neuen Naturreligiosität. Indem der Dichter des Sturm und Drang im Medium der Dichtung seine Selbstvergottung und Selbstverherrlichung erreichte, befreite er sich vom Einfluss der Theologie und der Kirche und gewann seine individuelle Autonomie. In der Epoche, in der sich die Säkularisierung vollendet, erhob die Dichtung ihren neuen Gott, nämlich das Genie bzw. seine Wahrheit auf den Thron. Damit entstand das Konzept eines vollkommen authentischen Dichtertums, das den Weg zur modernen Autor-Ästhetik vorbereitete.

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