Frauenbilder in Martin Walsers frühen Romanen - Ehen in Philippsburg und Ein fliehendes Pferd
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초록
Da Walsers sog. 'Männer-Romane' Jenseits der Liebe(1976) und Brief an Lord Liszt(1982) vor allem die Leidenserfahrung eines Angestellten in der Berufswelt beschreiben und parallel dazu die Macht- und Platzkämpfe unter den Arbeitskollegen in den Blick nehmen, nimmt hier die Darstellung von weiblichen Figuren kaum einen Platz. Versucht man dennoch das Bild der weiblichen Figuren in Bezug auf die Gesellschaftsdarstellung zu betrachten, sieht man hier ein anderes Bild als in Ehen in Philippsburg und Ein fliehendes Pferd. Während die Frauen in Ehen in Philippsburg und Ein fliehendes Pferd durch ihre passive und demütige Haltung als schwächeres Geschlecht charakterisiert sind, bleiben die Frauen in Jenseits der Liebe und Brief an Lord Liszt nicht mehr in dieser Rolle. Sie haben im Vergleich mit Sabine, Helene, Anne, Birga usw. einen erweiterten Spielraum und, zumindest äußerlich gesehen, die Gleichrangigkeit erreicht. Z. B. lebt in Jenseits der Liebe Hilde, die Frau von Franz Horn, schon seit fünf Jahren mit ihren zwei Töchtern getrennt von ihrem Mann. Sie duldet die eigenmächtige Haltung ihres Mannes nicht, sondern läßt sich von ihm scheiden. Sie ist vom Autor als eine Figur konzipiert, die unabhängig von ihrem Mann ihren eigenen Weg geht, indem sie ihre eigene berufliche Karriere aufbaut. Sie ist in der Gegend eine beliebte Sopranistin und arbeitet gleichzeitig an einer Schule. In Brief an Lord Liszt lebt Frau Liszt ebenfalls getrennt von ihrem Mann. Sie hat eine lesbische Freundin namens Olga Steinmetz und betreibt Malerei. Vergleicht man dieses Frauenbild mit dem in Ehen in Philippsburg und Ein fliehendes Pferd, entsteht der Eindruck, dass die Frauen nicht mehr als diejenigen dargestellt sind, die dem von den Männern zugewiesenen Rollenzwang gehorchen. Sie sind wesentlich mehr nach außen gerichtet als die Frauen in früheren Romanen. Sie treten nun vielmehr selbstbewusst und eigenständig auf. Man könnte wohl die Veränderung der Bilder der weiblichen Figuren als ein Spiegelbild der emanzipatorischen Bewegung bezeichnen. Ebenfalls bemerkenswert ist der Zusammenhang zwischen der gestörten Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen aufgrund der Verletzung in der Berufswelt und im Familienleben. Das entfremdete Leben eines Familienvaters oder eines Mannes am Arbeitsplatz übt eine erhebliche Wirkung auf das Leben in der Familie aus. In diesem Sinne ist der Hinweis von Rainer Nägele, dass die Ehekrise eine gesellschaftliche Krise reflektiere(vgl. Nägele 1975, 325), sehr treffend.
Abstract
Da Walsers sog. 'Männer-Romane' Jenseits der Liebe(1976) und Brief an Lord Liszt(1982) vor allem die Leidenserfahrung eines Angestellten in der Berufswelt beschreiben und parallel dazu die Macht- und Platzkämpfe unter den Arbeitskollegen in den Blick nehmen, nimmt hier die Darstellung von weiblichen Figuren kaum einen Platz. Versucht man dennoch das Bild der weiblichen Figuren in Bezug auf die Gesellschaftsdarstellung zu betrachten, sieht man hier ein anderes Bild als in Ehen in Philippsburg und Ein fliehendes Pferd. Während die Frauen in Ehen in Philippsburg und Ein fliehendes Pferd durch ihre passive und demütige Haltung als schwächeres Geschlecht charakterisiert sind, bleiben die Frauen in Jenseits der Liebe und Brief an Lord Liszt nicht mehr in dieser Rolle. Sie haben im Vergleich mit Sabine, Helene, Anne, Birga usw. einen erweiterten Spielraum und, zumindest äußerlich gesehen, die Gleichrangigkeit erreicht. Z. B. lebt in Jenseits der Liebe Hilde, die Frau von Franz Horn, schon seit fünf Jahren mit ihren zwei Töchtern getrennt von ihrem Mann. Sie duldet die eigenmächtige Haltung ihres Mannes nicht, sondern läßt sich von ihm scheiden. Sie ist vom Autor als eine Figur konzipiert, die unabhängig von ihrem Mann ihren eigenen Weg geht, indem sie ihre eigene berufliche Karriere aufbaut. Sie ist in der Gegend eine beliebte Sopranistin und arbeitet gleichzeitig an einer Schule. In Brief an Lord Liszt lebt Frau Liszt ebenfalls getrennt von ihrem Mann. Sie hat eine lesbische Freundin namens Olga Steinmetz und betreibt Malerei. Vergleicht man dieses Frauenbild mit dem in Ehen in Philippsburg und Ein fliehendes Pferd, entsteht der Eindruck, dass die Frauen nicht mehr als diejenigen dargestellt sind, die dem von den Männern zugewiesenen Rollenzwang gehorchen. Sie sind wesentlich mehr nach außen gerichtet als die Frauen in früheren Romanen. Sie treten nun vielmehr selbstbewusst und eigenständig auf. Man könnte wohl die Veränderung der Bilder der weiblichen Figuren als ein Spiegelbild der emanzipatorischen Bewegung bezeichnen. Ebenfalls bemerkenswert ist der Zusammenhang zwischen der gestörten Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen aufgrund der Verletzung in der Berufswelt und im Familienleben. Das entfremdete Leben eines Familienvaters oder eines Mannes am Arbeitsplatz übt eine erhebliche Wirkung auf das Leben in der Familie aus. In diesem Sinne ist der Hinweis von Rainer Nägele, dass die Ehekrise eine gesellschaftliche Krise reflektiere(vgl. Nägele 1975, 325), sehr treffend.
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