알프레드 되블린의 자연철학적 세계관
Die naturphilosophische Weltanschauung Alfred Döblins
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초록
Viele der kolossalen Werke, die dieser eminente Autor des 20. Jahrhunderts außer dem weltberühmten Roman Berlin Alexanderplatz verfasst hat, sind dem heutigen Publikum und sogar den Germanisten immer noch weithin nicht so bekannt wie die Werke vergleichbarer Autoren, etwa diejenigen von Thomas Mann,Robert Musil und Franz Kafka. Aufgrund der schwierigen Lesbarkeit und der hermetischen Ambiguität mancher seiner Texte ist die negative Rezeption Döblins in der literarischen Öffentlichkeit kein Zufall. Seine antiklassische Hermetik gegenüber der ästhetischen Konvention und dem stilistisch Bekannten hing ganz wesentlich mit seinem Willen zur Entsubjektivierung der Welt mit dem Ziel einer Wiederherstellung der nicht im Subjekt zu generalisierenden Komplexität der Welt zusammen. Demzufolge bestimmte der Mensch nicht mehr die Welt, sondern der Mensch konnte nur noch in der Beziehung zur Welt bestimmt werden. Dieser anti-rationale und anti-psychologische Gedanke wurde schon in seiner frühen Depersonationspoetik und in seinem frühen erkenntnistheoretischen Traktat Gespräche mit Kalypso von 1910 deutlich thematisiert. Die Indifferenz des Menschen von der Welt war die Kernthese von Döblins Naturalismus. Damit distanzierte sich sein Naturalismus von dem zur Nachahmung der Realität tendierenden historischen Naturalismus. Sein Naturalismus, der alle Dinge und überhaupt die Natur als geistige Wesen verstand, war ein Lösungsversuch in der Situation der geistigen Ausweglosigkeit an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, als sowohl der Rationalismus als auch der vulgäre Materialismus die Welt nicht mehr erhalten konnten. Infolge des Verlustes der Metaphysik, mit der der Idealismus die Welt ganzheitlich umfasst hatte, wurde die Welt immer mehr säkularisiert und entmythologisiert. Diese haltlose, entmythisierte Welt wollte Döblin durch seinen Naturalismus remythisieren. Zu Beginn der 1920er Jahre systematisierte er seinen geistigen Naturalismus zu einer umfassenderen Weltanschauung, d.h. einer neuen Totalität. Damit endstand seine Naturphilosophie. In dem Werk Das Ich über der Natur versuchte Döblin, die Welt durch die metaphysischen Begriffe Ur-Sinn und Ur-Ich ontologisch zu begründen und das Subjekt durch ein Schichtenmodell erkenntnistheoretisch neu zu schematisieren. In dem Text Unser Dasein setzte er das Verhältnis des Ur-Sinns (Essenz) zu dem Einzelnen (Existenz) und in Das Ich über der Natur in die Formel “Stück und Gegenstück der Natur” um. Dieses dialektische Verhältnis erklärte Döblin als das Weltprinzip. Aufgrund des Spannungsgefälles erschien das Individuum sowohl als ein kollektives Wesen als auch als ein individuelles Wesen. Das Individuum als kollektives Wesen ist ein Teil der Natur, d.h. ein geschaffenes Wesen. Das Individuum als individuelles Wesen ist ein Teil gegen die Natur, d.h. die schaffende Natur, die aufbauende Kraft, die Eigentümlichkeit und Einzigkeit in sich hat. In diesem Spannungsgefälle werden die Welt und das Individuum durch die Aktion und die Reaktion ständig aufgebaut.
Abstract
Viele der kolossalen Werke, die dieser eminente Autor des 20. Jahrhunderts außer dem weltberühmten Roman Berlin Alexanderplatz verfasst hat, sind dem heutigen Publikum und sogar den Germanisten immer noch weithin nicht so bekannt wie die Werke vergleichbarer Autoren, etwa diejenigen von Thomas Mann,Robert Musil und Franz Kafka. Aufgrund der schwierigen Lesbarkeit und der hermetischen Ambiguität mancher seiner Texte ist die negative Rezeption Döblins in der literarischen Öffentlichkeit kein Zufall. Seine antiklassische Hermetik gegenüber der ästhetischen Konvention und dem stilistisch Bekannten hing ganz wesentlich mit seinem Willen zur Entsubjektivierung der Welt mit dem Ziel einer Wiederherstellung der nicht im Subjekt zu generalisierenden Komplexität der Welt zusammen. Demzufolge bestimmte der Mensch nicht mehr die Welt, sondern der Mensch konnte nur noch in der Beziehung zur Welt bestimmt werden. Dieser anti-rationale und anti-psychologische Gedanke wurde schon in seiner frühen Depersonationspoetik und in seinem frühen erkenntnistheoretischen Traktat Gespräche mit Kalypso von 1910 deutlich thematisiert. Die Indifferenz des Menschen von der Welt war die Kernthese von Döblins Naturalismus. Damit distanzierte sich sein Naturalismus von dem zur Nachahmung der Realität tendierenden historischen Naturalismus. Sein Naturalismus, der alle Dinge und überhaupt die Natur als geistige Wesen verstand, war ein Lösungsversuch in der Situation der geistigen Ausweglosigkeit an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, als sowohl der Rationalismus als auch der vulgäre Materialismus die Welt nicht mehr erhalten konnten. Infolge des Verlustes der Metaphysik, mit der der Idealismus die Welt ganzheitlich umfasst hatte, wurde die Welt immer mehr säkularisiert und entmythologisiert. Diese haltlose, entmythisierte Welt wollte Döblin durch seinen Naturalismus remythisieren. Zu Beginn der 1920er Jahre systematisierte er seinen geistigen Naturalismus zu einer umfassenderen Weltanschauung, d.h. einer neuen Totalität. Damit endstand seine Naturphilosophie. In dem Werk Das Ich über der Natur versuchte Döblin, die Welt durch die metaphysischen Begriffe Ur-Sinn und Ur-Ich ontologisch zu begründen und das Subjekt durch ein Schichtenmodell erkenntnistheoretisch neu zu schematisieren. In dem Text Unser Dasein setzte er das Verhältnis des Ur-Sinns (Essenz) zu dem Einzelnen (Existenz) und in Das Ich über der Natur in die Formel “Stück und Gegenstück der Natur” um. Dieses dialektische Verhältnis erklärte Döblin als das Weltprinzip. Aufgrund des Spannungsgefälles erschien das Individuum sowohl als ein kollektives Wesen als auch als ein individuelles Wesen. Das Individuum als kollektives Wesen ist ein Teil der Natur, d.h. ein geschaffenes Wesen. Das Individuum als individuelles Wesen ist ein Teil gegen die Natur, d.h. die schaffende Natur, die aufbauende Kraft, die Eigentümlichkeit und Einzigkeit in sich hat. In diesem Spannungsgefälle werden die Welt und das Individuum durch die Aktion und die Reaktion ständig aufgebaut.
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