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낯선 타자의 아이콘으로서의 메데아 연구 - 크리스타 볼프의 『메데아. 목소리들』을 중심으로

Eine Studie zu Medea als Ikone des Fremden und des Anderen - Am Beispiel von Christa Wolfs Medea. Stimmen

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Christa Wolfs engagierte Auseinandersetzung mit ihrer Gesellschaft führt sie immer wieder in die Geschichte zurück, um dort die Ursachen, die für die widersprüchliche Entwicklung ihrer Gesellschaft verantwortlich sind, zu finden. Ihr Interesse am Mythos begann Anfang der 80er Jahre und wuchs seitdem stetig an. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie für die aktuellen Probleme ihrer Gesellschaft eine Alternativlösung in der Geschichte zu finden versucht. Denn nach eigenen Angaben ermöglicht ihr dies über die Ürsprünge der Entfremdungserscheinungen in der abendländischen Zivilisation nachzudenken. Nach Kassandra (1983), ihrem mit Abstand erfolgreichsten Buch, wendet sich Wolf noch intensiver der griechischen Mythologie zu. In Medea. Stimmen (1996) nimmt ihre kontinuierliche Beschäftigung mit dem Mythos literarisch konkrete Gestalt an. Seit Euripides in seiner Tragödie den bereits bestehenden Medea-Stoff neu gestaltete, gibt es zahlreiche Varianten, die als Bearbeitung der mythischen Medea gelesen werden können. Die seit gut zweieinhalbtausend Jahren ungebrochen vorhandene Faszination der Medea ergibt sich aus ihrer ikonischen Konstanz, die sich auf ihr Fremd- und Anderssein bezieht. Ihre Andersartigkeit macht ihren mythischen Kern aus: Medea ist eine Barbarin und keine Griechin, sie ist Ausländerin, Zauberin und Heilerin zugleich. Durch das erst von Euripides angedichtete Motiv des Kindermordes, der Medea unumgänglich brandmarkt, entsteht ihre potenzierte Fremdheit und sie wird zum Paradigma der Andersartigkeit. Dabei ist zu beachten, dass die männliche Mythenrezeption für den Zweck funktionalisiert wird, das Weibliche als das Andere zu diffamieren und zu dämonisieren. Leidenschaftlich, gewalttätig, barbarisch, mörderisch, wild, rasend sind die Attribute, mit denen Medea im Lauf der Zeit durch den patriarchalisch geprägten Diskurs beschrieben wird. Der zum Paradigma für einen patriarchalischen Diskurs gewordenen Medea setzt Wolf eine radikal entmythologisierte andere Medea entgegen, die sich den gewohnten Erwartungsschemata der furchterregenden Zauberin und Mörderin der eigenen Kinder entzieht. Für Wolf steht Medea für eine Figur an der Nahtstelle der Zeitwende, in der die patriarchalische Kultur die matriarchalische verdrängt und Frauen aus der gesellschaftlich-politischen Partizipation verbannt. Es ist das Hauptanliegen Wolfs, Medea als Projektionsfigur für die von Natur, Kultur und Gesellschaft bedingten Fremderfahrungen darzustellen. In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, wie in einer andern Medea die verschiedenen Aspekte des Fremden und Anderen thematisiert werden. Eine Analyse, welche Strategien im Umgang mit den Fremden angewendet werden, um das bedrohliche Fremde und Andere einzuordnen und zu bewältigen, soll ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung sein. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Struktur des Textes durch Wolfs Anspruch auf eine Andersartigkeit - gemessen an der Norm der männlichen Autorenschaft - determiniert ist. Genauer zu betrachten sind ebenfalls die bereits im Untertitel des Romans genannten ‘Stimmen’, die dem Text als Konstruktionsprinzip dienen. Im Zeitalter der fortschreitenden Globalisierung gewinnt der Diskurs des Fremden und des Anderen zunehmend an Signifikanz. In diesem Zusammenhang hat die Untersuchung der Medea als Ikone des Fremden und des Anderen eine besondere Bedeutung.

Abstract

Christa Wolfs engagierte Auseinandersetzung mit ihrer Gesellschaft führt sie immer wieder in die Geschichte zurück, um dort die Ursachen, die für die widersprüchliche Entwicklung ihrer Gesellschaft verantwortlich sind, zu finden. Ihr Interesse am Mythos begann Anfang der 80er Jahre und wuchs seitdem stetig an. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie für die aktuellen Probleme ihrer Gesellschaft eine Alternativlösung in der Geschichte zu finden versucht. Denn nach eigenen Angaben ermöglicht ihr dies über die Ürsprünge der Entfremdungserscheinungen in der abendländischen Zivilisation nachzudenken. Nach Kassandra (1983), ihrem mit Abstand erfolgreichsten Buch, wendet sich Wolf noch intensiver der griechischen Mythologie zu. In Medea. Stimmen (1996) nimmt ihre kontinuierliche Beschäftigung mit dem Mythos literarisch konkrete Gestalt an. Seit Euripides in seiner Tragödie den bereits bestehenden Medea-Stoff neu gestaltete, gibt es zahlreiche Varianten, die als Bearbeitung der mythischen Medea gelesen werden können. Die seit gut zweieinhalbtausend Jahren ungebrochen vorhandene Faszination der Medea ergibt sich aus ihrer ikonischen Konstanz, die sich auf ihr Fremd- und Anderssein bezieht. Ihre Andersartigkeit macht ihren mythischen Kern aus: Medea ist eine Barbarin und keine Griechin, sie ist Ausländerin, Zauberin und Heilerin zugleich. Durch das erst von Euripides angedichtete Motiv des Kindermordes, der Medea unumgänglich brandmarkt, entsteht ihre potenzierte Fremdheit und sie wird zum Paradigma der Andersartigkeit. Dabei ist zu beachten, dass die männliche Mythenrezeption für den Zweck funktionalisiert wird, das Weibliche als das Andere zu diffamieren und zu dämonisieren. Leidenschaftlich, gewalttätig, barbarisch, mörderisch, wild, rasend sind die Attribute, mit denen Medea im Lauf der Zeit durch den patriarchalisch geprägten Diskurs beschrieben wird. Der zum Paradigma für einen patriarchalischen Diskurs gewordenen Medea setzt Wolf eine radikal entmythologisierte andere Medea entgegen, die sich den gewohnten Erwartungsschemata der furchterregenden Zauberin und Mörderin der eigenen Kinder entzieht. Für Wolf steht Medea für eine Figur an der Nahtstelle der Zeitwende, in der die patriarchalische Kultur die matriarchalische verdrängt und Frauen aus der gesellschaftlich-politischen Partizipation verbannt. Es ist das Hauptanliegen Wolfs, Medea als Projektionsfigur für die von Natur, Kultur und Gesellschaft bedingten Fremderfahrungen darzustellen. In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, wie in einer andern Medea die verschiedenen Aspekte des Fremden und Anderen thematisiert werden. Eine Analyse, welche Strategien im Umgang mit den Fremden angewendet werden, um das bedrohliche Fremde und Andere einzuordnen und zu bewältigen, soll ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung sein. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Struktur des Textes durch Wolfs Anspruch auf eine Andersartigkeit - gemessen an der Norm der männlichen Autorenschaft - determiniert ist. Genauer zu betrachten sind ebenfalls die bereits im Untertitel des Romans genannten ‘Stimmen’, die dem Text als Konstruktionsprinzip dienen. Im Zeitalter der fortschreitenden Globalisierung gewinnt der Diskurs des Fremden und des Anderen zunehmend an Signifikanz. In diesem Zusammenhang hat die Untersuchung der Medea als Ikone des Fremden und des Anderen eine besondere Bedeutung.

참고문헌 (16)

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  13. Püschel, Ursula, "Ich selbst bin die Protagonistin“. Christa Wolf: ‚Medea. Stimmen‘", Neue Deutsche Literatur, 2, pp.134~141 (1996)
  14. Raja, Anita, "Worte gegen die Übel der Welt. Überlegungen zur Sprache von Christa Wolf", pp.120~125, Christa Wolfs Medea
  15. Roser, Birgit, "Mythenbehandlung und Kompositionstechnik in Christa Wolfs ‚Medea. Stimmen" (2000)
  16. Stephan, Inge, "Medea, meine Schwester? Medea-Texte von Autorinnen im 20. Jahrhundert in : Frauen: Mitsprechen Mitschreiben. Beiträge zur literatur- und sprachwissenschaftlichen Frauenforschung", pp.1~23 (1997)

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