독재체제에서 핀 서정의 진정성-2009년 노벨문학상 수상작가 헤르타 뮐러의 삶과 문학
Authentizität der Poesie in der Diktatur -Literatur und Leben der Nobelpreisträgerin Herta Müller
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초록
Als die aus Rumänien stammende deutsche Autorin Herta Müller 1984 mit ihrem Prosaband Niederungen in der BRD debütierte, jubelten Literaturkritiker und Leser gleichermaßen. In diesem Werk beschreibt sie das Landleben der Banater Schwaben, einer deutschsprachigen ethnischen Minderheit, deren Hauptsiedlungsgebiet im rumänischen Banat liegt. Die Erzählungen werden dabei zu einer umfassenden und schonungslos kritischen Dorf- und Familienchronik, aber auch zur Chronik einer traumatischen Kindheit in der deutschsprachigen Provinz nach dem Zweiten Weltkrieg. In dieser Weise sind sie zugleich Dokumente der Entfernung, Entfremdung und Isolierung, die durch Repressionen eines korrupten kommunistischen Regimes und eine latent fortlebende faschistische Vergangenheit verstärkt werden. Sämtliche Erzählungen werden aus der Perspektive eines Mädchens erzählt, das mit fantasievollem, aber auch verfremdendem Blick den gesamten Repressalien-Prozess schildert. Die auf Niederungen folgende Erzählung Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt (1986) ist das Dokument einer tiefwurzelnden Fremdheit im eigenen Land Rumänien. Auch der erste Roman Herta Müllers Der Fuchs war damals schon der Jäger (1992) handelt von der Endphase der Ceauşescu-Diktatur und führt in eine armselige rumänische Kleinstadt. Die Hauptfigur des Romans, Adina, wird, wie die Autorin selbst, von der Securitate bespitzelt, verfolgt und bedroht. Wie in der Erzählung Was bleibt (1989) von Christa Wolf wird mit dieser Geschichte ein lähmender Alltag aus Bedrohung, Verrat und Misstrauen gegenüber intellektuellen Dissidenten in einem geistfeindlichen Überwachungsstaat gezeichnet. Ihr folgender Roman Herztier (1994) handelt ebenfalls vom totalitären Ceauşescu-Regime, diesmal in der Zeit der siebziger und achtziger Jahre. Er ist stark autobiografisch gefärbt, insbesondere hinsichtlich der Kindheit im Banater Dorf, dem Studium und Berufsleben in Temeswar, dem Versuch der Geheimpolizei, sie zur Zusammenarbeit zu bewegen, die anschließende Verfolgung durch den Geheimdienst sowie letztendlich die Übersiedlung in die BRD. Bei diesem Roman handelt es sich um ein sehr eindringliches Buch über die Angst. Gerade die tägliche Grunderfahrung gewaltsamer Tode und das Grundgefühl einer existenziellen Angst in einem erstarrten, lebensfeindlichen System ist für Herta Müller nach ihrem Weggang aus Rumänien bis heute lebensprägend und schreibbestimmend geblieben. Vielleicht würdigt der Nobelpreis für Literatur 2009 gerade diese thematische Beharrlichkeit und ihr beständiges Anschreiben gegen das Vergessen. In diesem Sinne ist auch ihr im gleichen Jahr erschienener Roman Atemschaukel (2009) eine Elendsschilderung und ein anklagendes Erinnern voll poetischer Kraft. Aus den Beschreibungen ihrer Mutter und Oskar Pastior kennt Müller die Demütigungen und den Hunger, denen die deutsche Minderheit nach 1945 ausgesetzt war, die auf Befehl Stalins zur Zwangsarbeit herangezogen wurde. Aber ihre Ästhetisierung des Elends verharmlost nicht, sondern erzeugt Mitgefühl. Herta Müllers Lebenswerk legt Zeugnis ab von einer düsteren Vergangenheit unter der totalitären Ceauşescu-Diktatur und dem Leben der deutschen Minderheit in Rumänien.
Abstract
Als die aus Rumänien stammende deutsche Autorin Herta Müller 1984 mit ihrem Prosaband Niederungen in der BRD debütierte, jubelten Literaturkritiker und Leser gleichermaßen. In diesem Werk beschreibt sie das Landleben der Banater Schwaben, einer deutschsprachigen ethnischen Minderheit, deren Hauptsiedlungsgebiet im rumänischen Banat liegt. Die Erzählungen werden dabei zu einer umfassenden und schonungslos kritischen Dorf- und Familienchronik, aber auch zur Chronik einer traumatischen Kindheit in der deutschsprachigen Provinz nach dem Zweiten Weltkrieg. In dieser Weise sind sie zugleich Dokumente der Entfernung, Entfremdung und Isolierung, die durch Repressionen eines korrupten kommunistischen Regimes und eine latent fortlebende faschistische Vergangenheit verstärkt werden. Sämtliche Erzählungen werden aus der Perspektive eines Mädchens erzählt, das mit fantasievollem, aber auch verfremdendem Blick den gesamten Repressalien-Prozess schildert. Die auf Niederungen folgende Erzählung Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt (1986) ist das Dokument einer tiefwurzelnden Fremdheit im eigenen Land Rumänien. Auch der erste Roman Herta Müllers Der Fuchs war damals schon der Jäger (1992) handelt von der Endphase der Ceauşescu-Diktatur und führt in eine armselige rumänische Kleinstadt. Die Hauptfigur des Romans, Adina, wird, wie die Autorin selbst, von der Securitate bespitzelt, verfolgt und bedroht. Wie in der Erzählung Was bleibt (1989) von Christa Wolf wird mit dieser Geschichte ein lähmender Alltag aus Bedrohung, Verrat und Misstrauen gegenüber intellektuellen Dissidenten in einem geistfeindlichen Überwachungsstaat gezeichnet. Ihr folgender Roman Herztier (1994) handelt ebenfalls vom totalitären Ceauşescu-Regime, diesmal in der Zeit der siebziger und achtziger Jahre. Er ist stark autobiografisch gefärbt, insbesondere hinsichtlich der Kindheit im Banater Dorf, dem Studium und Berufsleben in Temeswar, dem Versuch der Geheimpolizei, sie zur Zusammenarbeit zu bewegen, die anschließende Verfolgung durch den Geheimdienst sowie letztendlich die Übersiedlung in die BRD. Bei diesem Roman handelt es sich um ein sehr eindringliches Buch über die Angst. Gerade die tägliche Grunderfahrung gewaltsamer Tode und das Grundgefühl einer existenziellen Angst in einem erstarrten, lebensfeindlichen System ist für Herta Müller nach ihrem Weggang aus Rumänien bis heute lebensprägend und schreibbestimmend geblieben. Vielleicht würdigt der Nobelpreis für Literatur 2009 gerade diese thematische Beharrlichkeit und ihr beständiges Anschreiben gegen das Vergessen. In diesem Sinne ist auch ihr im gleichen Jahr erschienener Roman Atemschaukel (2009) eine Elendsschilderung und ein anklagendes Erinnern voll poetischer Kraft. Aus den Beschreibungen ihrer Mutter und Oskar Pastior kennt Müller die Demütigungen und den Hunger, denen die deutsche Minderheit nach 1945 ausgesetzt war, die auf Befehl Stalins zur Zwangsarbeit herangezogen wurde. Aber ihre Ästhetisierung des Elends verharmlost nicht, sondern erzeugt Mitgefühl. Herta Müllers Lebenswerk legt Zeugnis ab von einer düsteren Vergangenheit unter der totalitären Ceauşescu-Diktatur und dem Leben der deutschen Minderheit in Rumänien.
참고문헌 (26)
- Müller, Herta, "Niederungen" (1984), Berlin
- Müller, Herta, "Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt" (1995), Reinbek bei Hamburg
- Müller, Herta, "Barfüßiger Februar" (1987), Berlin
- Müller, Herta, "Reisende auf einem Bein" (1989), Berlin
- Müller, Herta, "Wie Wahrnehmung sich erfindet" (1990), Paderborn
- Müller, Herta, "Der Teufel sitzt im Spiegel" (1991), Berlin
- Müller, Herta, "Der Fuchs war damals schon der Jäger" (1992), Reinbek bei Hamburg
- Müller, Herta, "Herztier" (1994), Reinbek bei Hamburg
- Müller, Herta, "Hunger und Seide. Essays" (1995), Reinbek bei Hamburg
- Müller, Herta, "Heute wär ich mir lieber nicht begegnet" (1997), Reinbek bei Hamburg
- Müller, Herta, "Der Fremde Blick oder Das Leben ist ein Furz in der Laterne" (1999), Göttingen
- Müller, Herta, "Atemschaukel" (2009), München
- 박정희, "동서독 통합이후 슈타지의 문학적 형상화", 헤세연구, (12), pp.487~508 (2004), 한국헤세학회
- 박정희, "‘프라하의 봄’과 이주 작가 리브제 모니코바", 헤세연구, (15집), pp.390~409 (2006), 한국헤세학회
- 박정희, "바나트 독일-루마니아 소수민족과 차우세스크 독재정권 - 헤르타 뮐러의 텍스트를 중심으로", 독일어문학, 14(4), pp.63~84 (2006), 한국독일어문학회
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- Glajar, Valentina, "Banatswabian, Romanian, and German: Conflicting Identities in Herta Müller's Herztier", Monatshefte, 89(4), pp.521~540 (1997)
- Harnisch, Antje, "“Ausländerin im Ausland”: Herta Müllers Reisende auf einem Bein", Monatshefte, 89(4), pp.507~520 (1997)
- Haupt-Cucuin, Herta, "Eine Poesie der Sinne Herta Müllers ≫Diskurs des Alleinseins≪ und seine Wurzeln" (1996), Paderborn
- Müller, Herta, "Heimat oder der Betrug der Dinge. In: Kein Land in Sicht. Heimat-weiblich?" (1997), München
- Neumann, Michael, "Sie gehört der Welt" (2009), Die Zeit
- Park, Chung-Hi, "Menschen ohne Territorium: Das Scheitern einer Liebe an deutscher Gegenwart und Vergangenheit" (2008), AGT
- Radisch, Iris, "Allegorien des gefrorenen Lebens" (2009), Die Zeit
- Steinfeld, Thomas, "Ein Schmerz muss hier zu grunde liegen" (2009), Süddeutsche Zeitung
- Wagner, Richard, "Die Aktionsgruppe Banat. Versuch einer Selbstdarstellung. In: Nachruf auf die rümaniendeutsche Literatur", pp.121~129 (1990), Marburg
- Wagner, Richard, "Begrüßungsgeld" (1991), Frankfurt a. M
