볼프 비어만의 운문서사시 『독일. 겨울 동화』 연구
Wolf Biermanns Versepos Deutschland. Ein Wintermärchen in der Nachfolge Heinrich Heines
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초록
Heinrich Heine hat mit seinem Versepos Deutschland. Ein Wintermärchen traditionsstiftend gewirkt. Dies unterscheidet das Wintermärchen von allen anderen Werken Heines. Wolf Biermann ist der einzige Autor, der Heines Titel Deutschland. Ein Wintermärchen exakt übernimmt. Das zentrale Thema Biermanns Wintermärchen ist Kritik an den politischen Zuständen in den geteilten deutschen Staaten. In der vorliegenden Arbeit wird versucht zu erklären, wie Biermann die wichtigsten Motive des Heineschen Wintermärchens (der Mutterbesuch und das Zusammentreffen mit Hammonia) wieder aufgenommen und sie mit neuem Inhalt gefüllt hat. Heines Mutter ist, entsprechend ihrer bürgerlichen Herkunft, an politischen Fragen nur deshalb interessiert, um den genauen Standort ihres Sohnes zu ermitteln, dessen politischen Einstellung ihr suspekt erscheint. Biermanns Mutter dagegen ist plebejisch-kommunistisch, vor allem parteilich. Sie berichtet über den politischen Kampf und weiht ihren Sohn in die Schwierigkeiten der illegallen Tätigkeit der KPD ein. Dabei zeigt sie Züge der Wlassowa aus Gorkis bzw. Brechts Mutter. Während Heine durch leichte Ironisierung die bürgerliche Penetranz seines Kindheitsmilieus entschuldigt, entwickelt Biermann eher Stolz auf seine Mutter, die durchaus ein Vorbild für das proletarische Bewußtsein ist. Eine ähnliche Gegenüberstellung zeigt sich in Biermanns Neuinterpretation Hammonias. War diese Göttin, das Wahrzeichen Hamburgs, bei Heine noch das konservative, ja reaktionäre Element, die Allegorie der Heimatstadt mit sentimentalem Anspruch auf seine Liebe, so wird sie bei Biermann zum proletarischen Fischweib, das sich als Verkörperung der Hamburger Bevölkerung fühlt und sich durch Volksnähe und Wirklichkeitssinn auszeichnet. Sie weigert sich, anders als einst Heine gegenüber, Biermann den Blick in die Zukunft tun zu lassen. Für Biermann ist sie die Zukunft selbst. Biermanns proletarisches Bewußtsein, sein demokratisch-kommunistisches Selbstverständnis führt zu einer neuen Interpretation des überlieferten Stoffes, führt zu neuen politsichen Perspektiven auf dieser inzwischen schon literarisch zum Topos gewordenen Reise durch Deutschland.
Abstract
Heinrich Heine hat mit seinem Versepos Deutschland. Ein Wintermärchen traditionsstiftend gewirkt. Dies unterscheidet das Wintermärchen von allen anderen Werken Heines. Wolf Biermann ist der einzige Autor, der Heines Titel Deutschland. Ein Wintermärchen exakt übernimmt. Das zentrale Thema Biermanns Wintermärchen ist Kritik an den politischen Zuständen in den geteilten deutschen Staaten. In der vorliegenden Arbeit wird versucht zu erklären, wie Biermann die wichtigsten Motive des Heineschen Wintermärchens (der Mutterbesuch und das Zusammentreffen mit Hammonia) wieder aufgenommen und sie mit neuem Inhalt gefüllt hat. Heines Mutter ist, entsprechend ihrer bürgerlichen Herkunft, an politischen Fragen nur deshalb interessiert, um den genauen Standort ihres Sohnes zu ermitteln, dessen politischen Einstellung ihr suspekt erscheint. Biermanns Mutter dagegen ist plebejisch-kommunistisch, vor allem parteilich. Sie berichtet über den politischen Kampf und weiht ihren Sohn in die Schwierigkeiten der illegallen Tätigkeit der KPD ein. Dabei zeigt sie Züge der Wlassowa aus Gorkis bzw. Brechts Mutter. Während Heine durch leichte Ironisierung die bürgerliche Penetranz seines Kindheitsmilieus entschuldigt, entwickelt Biermann eher Stolz auf seine Mutter, die durchaus ein Vorbild für das proletarische Bewußtsein ist. Eine ähnliche Gegenüberstellung zeigt sich in Biermanns Neuinterpretation Hammonias. War diese Göttin, das Wahrzeichen Hamburgs, bei Heine noch das konservative, ja reaktionäre Element, die Allegorie der Heimatstadt mit sentimentalem Anspruch auf seine Liebe, so wird sie bei Biermann zum proletarischen Fischweib, das sich als Verkörperung der Hamburger Bevölkerung fühlt und sich durch Volksnähe und Wirklichkeitssinn auszeichnet. Sie weigert sich, anders als einst Heine gegenüber, Biermann den Blick in die Zukunft tun zu lassen. Für Biermann ist sie die Zukunft selbst. Biermanns proletarisches Bewußtsein, sein demokratisch-kommunistisches Selbstverständnis führt zu einer neuen Interpretation des überlieferten Stoffes, führt zu neuen politsichen Perspektiven auf dieser inzwischen schon literarisch zum Topos gewordenen Reise durch Deutschland.
참고문헌 (19)
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- Biermann, Wolf, "Alle Lieder" (1990)
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- 볼프 비어만, "통일은 미친 짓이다. 통일 안하는 건 더 미친 짓이다", 한겨레신문, ~ (2005)
