유토피아의 상실, 그 이후: 치유 (불)가능한 (국가)몸 - 크리스타 볼프의 『몸앓이』 연구
Nach dem Verlust der Utopie - Der zu heilende Leib und der nicht zu heilende Staat in Christa Wolfs Leibhaftig
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초록
In Christa Wolfs Werken bezieht sich der Leib oft auf die Gesellschaft: Die gesellschaftliche, politische Problematik schlägt sich in der Krankheit des Leibes nieder, was in Nachdenken über Christa T. am deutlichsten festzustellen ist. Leibhaftig ist eine Geschichte über den körperlichen Zusammenbruch der Erzählerin und den Prozess der Genesung. Hier ist die Krankheit auch eng mit dem gesellschaftlichen Widerspruch verbunden. Der Zusammenbruch des Immunsystems deutet in manchen Aspekten den Zusammenbruch der DDR an. Wolf schildert hier die Zustände in der DDR kurz vor dem Zusammenbruch. Insofern fungiert der Leib als eine Metapher des staatlichen Systems. Und die Frage des Arztes, warum das Immunsystem derart schwach ist, kann auch dem DDR-System gegenüber gestellt werden. Um die Krankheit in einen gesellschaftlichen Zusammenhang zu bringen, wird die Geschichte in drei Ebenen erzählt, die bruchlos ineinander übergehen. Erstens gibt es in der realistischen Ebene einen Bericht der hierarchisch aufgebauten Krankengesellschaft und der Alltagsroutine im Krankenhaus. Dabei protokolliert die Ich-Erzählerin ihr eigenes Verhalten, das sie als kooperativ entlarvt. Diese Bereitschaft zur Anpassung scheint ihr das Schuldgefühl zu geben, so wird es reflektiert, warum der Staat so schwach geworden ist. In der Ebene der Vergangenheit wird an die Beziehung mit dem ehemaligen Studienfreund und Parteigenossen Urban erinnert, der den Widerspruch der DDR vertritt und am Ende tot aufgefunden wird. Schließlich erlebt die Erzählerin in den Traumwelten, in die sie in unbewussten Fieberphantasien gerät, das dritte Reich, das Unsagbare, in dem die Trennung von wahr und unwahr, richtig und falsch nicht mehr gilt. Dadurch geht dieser Text über die Reflexion über den Fall der DDR hinaus und landet in der Kritik an der Denkweise der Moderne, die als dichotomisch zu charakterisieren ist. Am Ende der Geschichte wird der Leib geheilt, während der Staat verloren gehen wird, wie wir jetzt wissen. Der realistische Sozialismus entfernt sich weit von dem utopischen. Die DDR-Schriftstellerin Wolf schildert hier den Verlust der Utopie, aber in der Heilung des Körpers wird eine andere Hoffnung angedeutet, nämlich das Vertrauen in die Literatur: Die Patientin findet in Goethes Gedichten Trost und gewinnt ihren Lebenswillen zurück. So scheint bei Wolf die Literatur zu erstatten, wo die Utopie verloren gegangen ist.
Abstract
In Christa Wolfs Werken bezieht sich der Leib oft auf die Gesellschaft: Die gesellschaftliche, politische Problematik schlägt sich in der Krankheit des Leibes nieder, was in Nachdenken über Christa T. am deutlichsten festzustellen ist. Leibhaftig ist eine Geschichte über den körperlichen Zusammenbruch der Erzählerin und den Prozess der Genesung. Hier ist die Krankheit auch eng mit dem gesellschaftlichen Widerspruch verbunden. Der Zusammenbruch des Immunsystems deutet in manchen Aspekten den Zusammenbruch der DDR an. Wolf schildert hier die Zustände in der DDR kurz vor dem Zusammenbruch. Insofern fungiert der Leib als eine Metapher des staatlichen Systems. Und die Frage des Arztes, warum das Immunsystem derart schwach ist, kann auch dem DDR-System gegenüber gestellt werden. Um die Krankheit in einen gesellschaftlichen Zusammenhang zu bringen, wird die Geschichte in drei Ebenen erzählt, die bruchlos ineinander übergehen. Erstens gibt es in der realistischen Ebene einen Bericht der hierarchisch aufgebauten Krankengesellschaft und der Alltagsroutine im Krankenhaus. Dabei protokolliert die Ich-Erzählerin ihr eigenes Verhalten, das sie als kooperativ entlarvt. Diese Bereitschaft zur Anpassung scheint ihr das Schuldgefühl zu geben, so wird es reflektiert, warum der Staat so schwach geworden ist. In der Ebene der Vergangenheit wird an die Beziehung mit dem ehemaligen Studienfreund und Parteigenossen Urban erinnert, der den Widerspruch der DDR vertritt und am Ende tot aufgefunden wird. Schließlich erlebt die Erzählerin in den Traumwelten, in die sie in unbewussten Fieberphantasien gerät, das dritte Reich, das Unsagbare, in dem die Trennung von wahr und unwahr, richtig und falsch nicht mehr gilt. Dadurch geht dieser Text über die Reflexion über den Fall der DDR hinaus und landet in der Kritik an der Denkweise der Moderne, die als dichotomisch zu charakterisieren ist. Am Ende der Geschichte wird der Leib geheilt, während der Staat verloren gehen wird, wie wir jetzt wissen. Der realistische Sozialismus entfernt sich weit von dem utopischen. Die DDR-Schriftstellerin Wolf schildert hier den Verlust der Utopie, aber in der Heilung des Körpers wird eine andere Hoffnung angedeutet, nämlich das Vertrauen in die Literatur: Die Patientin findet in Goethes Gedichten Trost und gewinnt ihren Lebenswillen zurück. So scheint bei Wolf die Literatur zu erstatten, wo die Utopie verloren gegangen ist.
참고문헌 (13)
- Wolf, Christa, "Leibhaftig" (2009)
- Wolf, Christa, "Kassandra" (1983)
- Wolf, Christa, "Medea. Stimmen" (1996)
- Wolf, Christa, "Nachdenken über Christa T. Halle" (1968)
- Wolf, Christa, "Was bleibt" (1979)
- Wolf, Christa, "Auf dem Weg nach Tabou. Texte 1990-1994" (1994)
- Wolf, Christa, "Im Stein, In Hierzulande Andernorts. Erzählungen und andere Texte 1994-1998", pp.81~96 (1999)
- Dieckmann, Christoph, "Die Zeit" (2002)
- Dittberner, Hugo, "Die Seele des Blinddarms. Christa Wolfs Erzählung Leibhaftig ein Grenzbefund", Neue deutsche Literatur, 50(3), pp.166~168 (2002)
- Gülke, Peter, "Die Partituren der Christa Wolf", Sinn und Form, 63(2), pp.275~285 (2011)
- Kaute, Brigitte, "Sprach-Reflexion in Christa Wolf: Leibhaftig", Studia neophilologica, 75(1), pp.47~57 (2003)
- Magenau, Jörg, "Christa Wolf. Eine Biographie" (2002)
- Maus, Stephan, "Kassandra im Kernspintomographen", Frankfurter Rundschau vom 20.03.02, ~
