문자 언어의 한계 넘어서기 - 크리스타 볼프의 언어회의와 새로운 언어 -
Sprachskepsis, Sprachreflexion und neue Sprache in Christa Wolfs Was bleibt und Kassandra
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초록
Christa Wolfs literarische Produktion ist durch eine allgemeine Sprachskepsis geprägt, die ähnlich wie bei Autoren der Jahrhundertwende durch das Gefühl ausgelöst wurde, keine Sprache mehr für die Wirklichkeit zu haben. Hugo von Hofmannstahl erklärte in seinem berühmten Chandos Brief die Sprachskepsis; “Mein Fall ist, in Kürze, dieser: Es ist mir völlig die Fähigkeit abhanden gekommen, über irgend etwas zusammenhängend zu denken oder zu sprechen.” Die Sprachkrise Wolfs ist aber durch ihre existentielle Lage als DDR-Autorin verschärft und verdopellt worden. Wolf wurde mit der nicht mehr sozialistischen Wirklichkeit der real-existierenden sozialistischen DDR-Gesellschaft konfrontiert, die sich immer weiter in einen Überwachungsstaat verwandelte. In der Erzählung Was bleibt äußert die Ich-Erzählerin, die von der Stasi überwacht wird, ihre Verzweifelung, dass sie “in einer verlorenen Stadt leben, einer unerlösten, erbarmungslosen Stadt, versenkt auf den Grund von Nichtswürdigkeit”musste. In Was bleibt reflektiert die Ich-Erzählerin immer wieder über die Sprache, wie sie in einer Diktatur zur Sklavensprache degeneriert und wie sie von der Staatsmacht manipuliert wird. Demzufolge musste man ständig “am wahren Text vorbei” sprechen und immer seinem inneren Selbstzensor zuhören. In dieser Situation entstand der Konflikt zwischen dem Anspruch der bewußten Ich-Erzählerin, die Realität sprachlich zu erfassen und einer dissoziierten Gesellschaft, die sich diesem Vorhaben zu entziehen scheint. Trotzdem versucht sie durch die Reflexionen über die Sprache die phänomenale Welt sprachlich wieder anzueignen. Deshalb träumt sie davon, eines Tages in einer neuen Sprache darüber zu schreiben; “Den ich eines Tages, in miener neuen Sprache, benennen würde. Eines Tages, dachte ich, werde ich sprechen können,ganz leicht und frei.”In Kassandra wird die Sprachkritik und -reflexion noch verschärft thematisiert. Die Königstochter und Priesterin Kassandra erinnert vor ihrem Tod in Mykene ihr Lebenund den Untergangsprozeß ihres Vaterlandes Troja. Durch ihre Erinnerungen will Kassandra den Nachgeborenen davor warnen, wie ein Krieg durch Sprache vorbereitet wird und wie sich eine Gesellschaft durch Konfrontation mit dem Feind zum diktatorischen Überwachungsstaat verwandelt. In manchen Punkten lässt sich Troja mit der DDR vergleichen, die sich vom sozialistischen zum Stasi-Staat verwandelte. Durch Vergegenwärtigung des Mythos stellt Wolf in Kassandra die negative Seite der Sprache in Frage, wie sie von der Staatsmacht manipuliert wird und wie falsche Nachricht als Wahrheit vertäuscht werden. Wolf stellt dieser Sklavensprache eine neue freie Sprache gegenüber, die von den Leuten der Gemeinde am Ida Berg verwirklicht wird. Anchises,die Hauptfigur dieser Gemeinde, ist die Person, bei der die Möglichkeit einer neuen Sprache aufleuchtet. Er meidet die Sprache der Herrschaft, die zweipolige Freund-Feind-Sprache, spricht mit allen, ist selbst mit der Natur im Dialog und bewirkt durch die Verfertigung naturhafter Symbole eine lebneserhaltende Kommunikation. Mit Hilfe Anchises unternimmt Kassandra einen langen Marsch zur neuen Sprache. “Wer wir, und wann, die Sprache wiederfinden. Einer, dem ein Schmerz den Schädel spaltet, wird es sein.”
Abstract
Christa Wolfs literarische Produktion ist durch eine allgemeine Sprachskepsis geprägt, die ähnlich wie bei Autoren der Jahrhundertwende durch das Gefühl ausgelöst wurde, keine Sprache mehr für die Wirklichkeit zu haben. Hugo von Hofmannstahl erklärte in seinem berühmten Chandos Brief die Sprachskepsis; “Mein Fall ist, in Kürze, dieser: Es ist mir völlig die Fähigkeit abhanden gekommen, über irgend etwas zusammenhängend zu denken oder zu sprechen.” Die Sprachkrise Wolfs ist aber durch ihre existentielle Lage als DDR-Autorin verschärft und verdopellt worden. Wolf wurde mit der nicht mehr sozialistischen Wirklichkeit der real-existierenden sozialistischen DDR-Gesellschaft konfrontiert, die sich immer weiter in einen Überwachungsstaat verwandelte. In der Erzählung Was bleibt äußert die Ich-Erzählerin, die von der Stasi überwacht wird, ihre Verzweifelung, dass sie “in einer verlorenen Stadt leben, einer unerlösten, erbarmungslosen Stadt, versenkt auf den Grund von Nichtswürdigkeit”musste. In Was bleibt reflektiert die Ich-Erzählerin immer wieder über die Sprache, wie sie in einer Diktatur zur Sklavensprache degeneriert und wie sie von der Staatsmacht manipuliert wird. Demzufolge musste man ständig “am wahren Text vorbei” sprechen und immer seinem inneren Selbstzensor zuhören. In dieser Situation entstand der Konflikt zwischen dem Anspruch der bewußten Ich-Erzählerin, die Realität sprachlich zu erfassen und einer dissoziierten Gesellschaft, die sich diesem Vorhaben zu entziehen scheint. Trotzdem versucht sie durch die Reflexionen über die Sprache die phänomenale Welt sprachlich wieder anzueignen. Deshalb träumt sie davon, eines Tages in einer neuen Sprache darüber zu schreiben; “Den ich eines Tages, in miener neuen Sprache, benennen würde. Eines Tages, dachte ich, werde ich sprechen können,ganz leicht und frei.”In Kassandra wird die Sprachkritik und -reflexion noch verschärft thematisiert. Die Königstochter und Priesterin Kassandra erinnert vor ihrem Tod in Mykene ihr Lebenund den Untergangsprozeß ihres Vaterlandes Troja. Durch ihre Erinnerungen will Kassandra den Nachgeborenen davor warnen, wie ein Krieg durch Sprache vorbereitet wird und wie sich eine Gesellschaft durch Konfrontation mit dem Feind zum diktatorischen Überwachungsstaat verwandelt. In manchen Punkten lässt sich Troja mit der DDR vergleichen, die sich vom sozialistischen zum Stasi-Staat verwandelte. Durch Vergegenwärtigung des Mythos stellt Wolf in Kassandra die negative Seite der Sprache in Frage, wie sie von der Staatsmacht manipuliert wird und wie falsche Nachricht als Wahrheit vertäuscht werden. Wolf stellt dieser Sklavensprache eine neue freie Sprache gegenüber, die von den Leuten der Gemeinde am Ida Berg verwirklicht wird. Anchises,die Hauptfigur dieser Gemeinde, ist die Person, bei der die Möglichkeit einer neuen Sprache aufleuchtet. Er meidet die Sprache der Herrschaft, die zweipolige Freund-Feind-Sprache, spricht mit allen, ist selbst mit der Natur im Dialog und bewirkt durch die Verfertigung naturhafter Symbole eine lebneserhaltende Kommunikation. Mit Hilfe Anchises unternimmt Kassandra einen langen Marsch zur neuen Sprache. “Wer wir, und wann, die Sprache wiederfinden. Einer, dem ein Schmerz den Schädel spaltet, wird es sein.”
참고문헌 (18)
- Hofmannsthal, Hugo von, "Ausgewählte Werke in 2 Bde. 2.Bd" (1957), M
- Wolf, Christa, "Kassandra" (1986), Darmstadt und Neuwied
- Wolf, Christa, "Lesen und Schreiben, In Die Dimension des Autors. Bd. II" (1986)
- Wolf, Christa, "Materialbuch" (1981), Darmstadt und Neuwied
- Wolf, Christa, "Was bleibt" (1990), M
- Beutin, Wolfgang u.a., "Deutsche Literaturgeschichte. 2., Überarbeitete und erweiterte Auflage" (1984)
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- Emmerich, Wolfgang, "Kleine Literaturgeschichte der DDR. Erweit. Neuausgabe" (1996)
- Firsching, Annette, "Kontinuität und Wandel im Werk von Christa Wolf" (1996)
- Haas, Friedhelm, "Christa Wolfs Kassandra als Modellfall politischer Erfahrung" (1988), M
- Hilzinger, Sonja, "Christa Wolf" (1986)
- Krauss, Hannes, "Hauptmann Rohlfs, Leutnant Paroch, Margarete u.a. Die Stasie in der DDR-Literatur, In Text und Kritik. Heft 120. Feinderklärung" (1993), Literatur und Staatssicherheitsdienst
- Marx, Juta, "Perspektive des Verlierers, In Erinnerte Zukunft" (1985)
- Risse, Stefan, "Wahrnehmen und Erkennen in Christa Wolfs Erzählung ‘Kassandra’" (1986)
- Roebling, Irmgard, "Hier spricht keiner Sprache, der nicht mit mir stirbt, In Zum Ort der Sprachreflexion in Christa Wolfs Kassandra" (1985), Erinnerte Zukunft. 11 Studien zum Werk Christa Wolfs
- Roser, Birgit, "Mythenbehandlung und Kompositionstechnik in Christa Wolfs Medea. Stimmen" (2000), M
- SØrensen, Barbara, "Sprachkrise und Utopie in Christa Wolfs Texten nach der Wende" (1996)
- Welzel, Klaus, "Utopieverlust - die deutsche Einheit im Spiegel ostdeutschen Autoren" (1998)
