Ekel und Appetit als soziale Indikatoren bei Kafka mit einem Ausblick auf Han KangsDie Vegetarierin
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초록
Jede Nahrung ist ein Symbol. Die Dimensionen dieser Äußerung Jean Paul Sartres werden auch bei der Betrachtung von Essmotivik in der Literatur deutlich. Dementsprechend ist dieses Thema häufiger Gegenstand der literaturwissenschaftlichen Forschung geworden, denn es lässt sich damit nahezu alle Seiten der menschlichen Existenz verhandeln. Bei Kafka wird der Aspekt des Nichtessens, des Hungerns in einigen Texten besonders bedeutsam. Dazu gehören die Erzählungen Die Verwandlung und Der Hungerkünstler, auf die ich im Folgenden eingehen möchte.* This work was supported by Hankuk University of Foreign Studies Research Fund 2017. Dieser Aufsatz hat zur Grundlage ein Kapitel aus meiner Studie Kulinarische Lektüren. Essen und Trinken in der Literatur (Rudtke 2014) und wurde für einen Vortrag überarbeitet und erweitert. Während bei der Erzählung Der Hungerkünstler das Hungern durch die Handlung bereits in den Mittelpunkt gerückt wird, scheint es bei der Verwandlung zunächst nur ein Detail zu sein, das mit der Metamorphose einhergeht. Tatsächlich aber ist das Nichtessen in der Verwandlung von zentraler Bedeutung, was den Ablauf des Geschehens betrifft. Es werden hier verschiedene Phasen der Nahrungsaufnahme bis hin zur Nahrungsverweigerung angedeutet, die eng mit Ekel und Appetit verbunden sind. Diese sind im Gegensatz zum Hunger keine überlebensnotwendigen Triebe, sondern auf vielerlei Faktoren beruhende Gefühle, die im Laufe der Sozialisation eines Menschen ausgebildet werden. In beiden Erzählungen lassen sie Rückschlüsse auf das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft zu. Am Schluss wird auf den erst vor kurzem auf Deutsch erschienenen Roman Die Vegetarierin von Han Kang eingegangen, da es hier einige Parallelen zu Kafkas Texten auch in Bezug auf das Hungern und den Ekel gibt.
Abstract
Jede Nahrung ist ein Symbol. Die Dimensionen dieser Äußerung Jean Paul Sartres werden auch bei der Betrachtung von Essmotivik in der Literatur deutlich. Dementsprechend ist dieses Thema häufiger Gegenstand der literaturwissenschaftlichen Forschung geworden, denn es lässt sich damit nahezu alle Seiten der menschlichen Existenz verhandeln. Bei Kafka wird der Aspekt des Nichtessens, des Hungerns in einigen Texten besonders bedeutsam. Dazu gehören die Erzählungen Die Verwandlung und Der Hungerkünstler, auf die ich im Folgenden eingehen möchte.* This work was supported by Hankuk University of Foreign Studies Research Fund 2017. Dieser Aufsatz hat zur Grundlage ein Kapitel aus meiner Studie Kulinarische Lektüren. Essen und Trinken in der Literatur (Rudtke 2014) und wurde für einen Vortrag überarbeitet und erweitert. Während bei der Erzählung Der Hungerkünstler das Hungern durch die Handlung bereits in den Mittelpunkt gerückt wird, scheint es bei der Verwandlung zunächst nur ein Detail zu sein, das mit der Metamorphose einhergeht. Tatsächlich aber ist das Nichtessen in der Verwandlung von zentraler Bedeutung, was den Ablauf des Geschehens betrifft. Es werden hier verschiedene Phasen der Nahrungsaufnahme bis hin zur Nahrungsverweigerung angedeutet, die eng mit Ekel und Appetit verbunden sind. Diese sind im Gegensatz zum Hunger keine überlebensnotwendigen Triebe, sondern auf vielerlei Faktoren beruhende Gefühle, die im Laufe der Sozialisation eines Menschen ausgebildet werden. In beiden Erzählungen lassen sie Rückschlüsse auf das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft zu. Am Schluss wird auf den erst vor kurzem auf Deutsch erschienenen Roman Die Vegetarierin von Han Kang eingegangen, da es hier einige Parallelen zu Kafkas Texten auch in Bezug auf das Hungern und den Ekel gibt.
참고문헌 (14)
- Kafka, Franz, "Die Verwandlung. Text und Kontext" (2013)
- Kafka, Franz, "Sämtliche Erzählungen", pp.155~171 (1970)
- Han, Kang, "Die Vegetarierin" (2016)
- Abraham, Ulf, "Kafka-Handbuch. Leben - Werk - Wirkung", pp.421~437 (2008)
- Canetti, Elias, "Theorien des Essens", pp.85~90 (2017)
- Harris, Marvin, "Wohlgeschmack und Widerwillen. Die Rätsel der Nahrungstabus" (2005)
- Hörisch, Jochen, "Brot und Wein. Die Poesie des Abendmahls" (1991)
- Menninghaus, Wilfried, "Ekel. Theorie und Geschichte einer starken Empfindung" (2002)
- Neumann, Gerhard, "Franz Kafka. Schriftverkehr", pp.399~432 (1991)
- Ott, Christine, "Identität geht durch den Magen. Mythen der Esskultur" (2017)
- Raulff, Ulrich, "Wiederkehr des Körpers", pp.241~258 (1982)
- Rudtke, Tanja, "Kulinarische Lektüren. Vom Essen und Trinken in der Literatur" (2014)
- Wierlacher, Alois, "Vom Essen in der deutschen Literatur. Mahlzeiten in Erzähltexten von Goethe bis Grass" (1987)
- Wimmer, Gernot, "Franz Kafkas Aphorismen und Nachlasserzählungen in Auswahl. Rationalismus und Determinismus. Zur Parodie des christlich-religiösen Mythos" (2009)
