클라라 피비히의 생태의식과 생태적 유토피아
Clara Viebigs ökologisches Bewusstsein und ihre ökologische Utopie
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Natur ist nicht nur ein wesentlicher Faktor der persönlichen Entwicklung Clara Viebigs und der Entfaltung ihrer Literaturauffassung, sondern neben der Verarbeitung historischer Ereignisse auch ein zentrales und essentielles Thema in ihren Romanen und Erzählungen. Dabei ist das für Viebig spezifisch erscheinende Verhältnis von Natur und Heimat immer wieder zu reflektieren. Ist die nichtmenschliche Natur zunächst primär idyllische Kulisse, wird sie unter dem Einfluss der Milieutheorie zum Determinationsfaktor und zum anthropomorphisierten Agens der Handlung. Zu einer dem menschlichen Willen entzogenen Ordnungs- und Schicksalsmacht stilisiert, dient sie der Deutung individueller und gesellschaftlicher Fakten und Prozesse unter naturgesetzlichen Prämissen. Z. B. ist Ambrosius im Werk Lebensbaum im Wald zuhause. Er trägt alle Züge eines Naturkindes. Auf seine Naturverbundenheit weist schon der Vorname Ambrosius hin, was im Lateinischen und Griechischen ‘der Unsterbliche’ bedeutet. Die Naturhaftigkeit und Ursprünglichkeit seines Wesens wird durch eine zum Teil stark überzeichnete und ungewollt grotesk wirkende Naturmetaphorik hervorgehoben. Schließlich kehrt er in den Kosmos zurück, dem er entstammt. Im Werk Weiberdorf besitzt die Natur die Rolle des Garanten der Fiktion. Die Akzentuierung des Biologischen und die Substantialisierung des Weiblichen zum Natürlichen und Ursprünglichen verbindet, wenn auch mit unterschiedlicher Bewertung, den triebhaften mit dem vitalen lebenstüchtigen Frauentypus. Positive Gegengestalt zu den Frauenfiguren des Weiberdorfs ist Bäbbi, die sich zu Beginn der Handlung noch kaum von den übrigen Frauen unterscheidet. Bäbbi bezieht ihre Kraft aus der Verbundenheit mit der Scholle und der Heimat. Heimat heißt für Bäbbi Verankerung im heimischen Boden und Verbundenheit mit der Natur im Sinne eines innerlichen Reifens. Bäbbis Heimatbewusstsein ist die familiäre Geborgenheit. Die auf das Kommende gerichtete, im Metaphernbereich des Lichts und der aufgehenden Sonne verbildlichte Hoffnung verweist auf das darwinistisch-evolutionäre Weltbild und impliziert eine soziale Botschaft im Sinne einer Höherentwicklung menschlichen Lebens im Einklang mit der Natur. Diese Darstellungs- und Denkweise Clara Viebigs wird von Haeckels Monismus beeinflusst. Der Zoologe Ernst Haeckel baute die Lehre Darwins nicht nur zu einer naturwissenschaftlichen Systematik der Evolution von Tier und Mensch aus, sondern überführte sie darüber hinaus in eine monistische Weltanschauung, eine Konzeption sowohl aus mechanisch- materialistischen wie auch pantheistischen Momenten im Sinne Goethes, Spinozas und Giordano Brunos, eine Synthese aus idealistischer Naturphilosophie und Darwinismus. Der Gedanke eines den Gesamtkosmos umspannenden Evolutionsprozesses, der grundsätzichen Einheit der organischen und anorganischen Natur, und die Vorstellung beseelter Materie sind fundamentale Bestandteile des Haeckelschen Monismus. Diesen Gedanken nennt er die Ökologie. Haeckels Monismus prägte das Bewusstsein und Weltbild Clara Viebigs, wie aus der Analyse ihrer Romane und Erzählungen hervorgeht. Somit hat Clara Viebig mit ihrem ökologischen Bewusstsein eine ökologische Utopie in ihren Werken dargestellt.
Abstract
Natur ist nicht nur ein wesentlicher Faktor der persönlichen Entwicklung Clara Viebigs und der Entfaltung ihrer Literaturauffassung, sondern neben der Verarbeitung historischer Ereignisse auch ein zentrales und essentielles Thema in ihren Romanen und Erzählungen. Dabei ist das für Viebig spezifisch erscheinende Verhältnis von Natur und Heimat immer wieder zu reflektieren. Ist die nichtmenschliche Natur zunächst primär idyllische Kulisse, wird sie unter dem Einfluss der Milieutheorie zum Determinationsfaktor und zum anthropomorphisierten Agens der Handlung. Zu einer dem menschlichen Willen entzogenen Ordnungs- und Schicksalsmacht stilisiert, dient sie der Deutung individueller und gesellschaftlicher Fakten und Prozesse unter naturgesetzlichen Prämissen. Z. B. ist Ambrosius im Werk Lebensbaum im Wald zuhause. Er trägt alle Züge eines Naturkindes. Auf seine Naturverbundenheit weist schon der Vorname Ambrosius hin, was im Lateinischen und Griechischen ‘der Unsterbliche’ bedeutet. Die Naturhaftigkeit und Ursprünglichkeit seines Wesens wird durch eine zum Teil stark überzeichnete und ungewollt grotesk wirkende Naturmetaphorik hervorgehoben. Schließlich kehrt er in den Kosmos zurück, dem er entstammt. Im Werk Weiberdorf besitzt die Natur die Rolle des Garanten der Fiktion. Die Akzentuierung des Biologischen und die Substantialisierung des Weiblichen zum Natürlichen und Ursprünglichen verbindet, wenn auch mit unterschiedlicher Bewertung, den triebhaften mit dem vitalen lebenstüchtigen Frauentypus. Positive Gegengestalt zu den Frauenfiguren des Weiberdorfs ist Bäbbi, die sich zu Beginn der Handlung noch kaum von den übrigen Frauen unterscheidet. Bäbbi bezieht ihre Kraft aus der Verbundenheit mit der Scholle und der Heimat. Heimat heißt für Bäbbi Verankerung im heimischen Boden und Verbundenheit mit der Natur im Sinne eines innerlichen Reifens. Bäbbis Heimatbewusstsein ist die familiäre Geborgenheit. Die auf das Kommende gerichtete, im Metaphernbereich des Lichts und der aufgehenden Sonne verbildlichte Hoffnung verweist auf das darwinistisch-evolutionäre Weltbild und impliziert eine soziale Botschaft im Sinne einer Höherentwicklung menschlichen Lebens im Einklang mit der Natur. Diese Darstellungs- und Denkweise Clara Viebigs wird von Haeckels Monismus beeinflusst. Der Zoologe Ernst Haeckel baute die Lehre Darwins nicht nur zu einer naturwissenschaftlichen Systematik der Evolution von Tier und Mensch aus, sondern überführte sie darüber hinaus in eine monistische Weltanschauung, eine Konzeption sowohl aus mechanisch- materialistischen wie auch pantheistischen Momenten im Sinne Goethes, Spinozas und Giordano Brunos, eine Synthese aus idealistischer Naturphilosophie und Darwinismus. Der Gedanke eines den Gesamtkosmos umspannenden Evolutionsprozesses, der grundsätzichen Einheit der organischen und anorganischen Natur, und die Vorstellung beseelter Materie sind fundamentale Bestandteile des Haeckelschen Monismus. Diesen Gedanken nennt er die Ökologie. Haeckels Monismus prägte das Bewusstsein und Weltbild Clara Viebigs, wie aus der Analyse ihrer Romane und Erzählungen hervorgeht. Somit hat Clara Viebig mit ihrem ökologischen Bewusstsein eine ökologische Utopie in ihren Werken dargestellt.
참고문헌 (29)
- Clara Viebig, "Das Weiberdorf. Roman aus der Eifel" (2007)
- Clara Viebig, "Lebensbaum. in: Naturgewalten. Geschichten aus der Eifel" (2007)
- Clara Viebig, "Kinder der Eifel. Novellen" (2007)
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