바벨탑에 대한 기억과 망각의 역사 - 구약의 창세기, 브뢰겔의 그림, 그리고 카프카의 문학에 나타나는 ‘바벨탑 쌓기’의 모티브를 중심으로
Vergessen und Erinnern der Sehnsucht nach dem Turmbau zu Babel - Am Beispiel der Genesis, Gemälden Bruegels und der Literatur Kafkas
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초록
Erinnerungen an die Geschichte vom Turm zu Babel kehren zwar immer, aber besonders häufig in Zeiten des technologischen Aufschwungs, wieder. Die vorliegende Arbeit will untersuchen, wie sich das Aufgreifen des Motivs des Turmbaus zu Babel zum jeweiligen Zeitgeist verhält, am Beispiel der hebräischen Bibel, Gemälden Peter Bruegels und der kurzen Erzählung Kafkas Das Stadtwappen, in dem Sinne, dass jedes Beispiel auf seine Weise den Zeitgeist der Antike, der Neuzeit und der Moderne sichtbar macht. In der Genesis des alten Testaments steht der Name Babylon als Metapher für das Schreckensbild menschlicher Hybris. Darin spiegelt sich der Gesichtspunkt Israels, des Anderen innerhalb der babylonischen Zivilisationsverhältnisse, wider, nach welchem mit dem Untergang Babylons die Rettung aller von der Weltmacht unterdrückten Völker verbunden ist. Bruegel vertritt in seinem Gemälde „Turmbau zu Babel“ hingegen jene Künstler seiner Zeit, die von den gigantischen Ausmaßen des babylonischen Turmes fasziniert waren und diese Technikfaszination bildlich zu repräsentieren versuchten. Für Bruegel und die Künstler unter seinen Zeitgenossen ging es um ein Urmodell für den Glanz und den Ruhm einer fortschreitenden Zivilisation. Das Thema Turmbau zu Babel ist für die Moderne aktueller als jemals zuvor, da sich hier einerseits die physische Welt des Babelturms immer rasanter entwickelt, und man andererseits unter dem leidet, was Lukács „transzendentale Obdachlosigkeit“ nannte. Kafkas Erzählung Das Stadtwappen handelt von den Menschen, die anfangs den Turmbau für einen absoluten Gedanken, also ein metaphysisches Telos, halten und dann dem materiellen Wohlstand der Stadt kritiklos verfallen. Diese Verfallenheit ruft wiederum die Erinnerung an die vorbestimmte Katastrophe des Babelturms hervor, aber Kafka ändert auch die Erinnerung, so dass nicht die Stadt, die den Babelturm errichtet hat, sondern die Stadt, die den Turmbau vergessen hat, vor einer eschatologischen Katastrophe steht. In diesem Sinne erinnert Kafkas Erzählung auch daran, dass die zwei auf den ersten Blick entgegengesetzten metaphorischen Aspekte, nämlich die hochentwickelte Zivilisation und die menschliche Sehnsucht nach dem Ursprung eigentlich in der Architekturgeschichte des Babelturms harmonisch miteinander verbunden waren. Die Stadt Babylon war ja eine technisch hochentwickelte Stadt und zugleich ein Tempel. In Kafkas Literatur geht es also um das moderne Entweder-Oder, das in dem Vergessen des Turms, jedoch nicht des modernen Babelturms, sondern jenes geistigen Turms als Prototyp für die menschliche Sehnsucht nach seinem Ursprung, mündet.
Abstract
Erinnerungen an die Geschichte vom Turm zu Babel kehren zwar immer, aber besonders häufig in Zeiten des technologischen Aufschwungs, wieder. Die vorliegende Arbeit will untersuchen, wie sich das Aufgreifen des Motivs des Turmbaus zu Babel zum jeweiligen Zeitgeist verhält, am Beispiel der hebräischen Bibel, Gemälden Peter Bruegels und der kurzen Erzählung Kafkas Das Stadtwappen, in dem Sinne, dass jedes Beispiel auf seine Weise den Zeitgeist der Antike, der Neuzeit und der Moderne sichtbar macht. In der Genesis des alten Testaments steht der Name Babylon als Metapher für das Schreckensbild menschlicher Hybris. Darin spiegelt sich der Gesichtspunkt Israels, des Anderen innerhalb der babylonischen Zivilisationsverhältnisse, wider, nach welchem mit dem Untergang Babylons die Rettung aller von der Weltmacht unterdrückten Völker verbunden ist. Bruegel vertritt in seinem Gemälde „Turmbau zu Babel“ hingegen jene Künstler seiner Zeit, die von den gigantischen Ausmaßen des babylonischen Turmes fasziniert waren und diese Technikfaszination bildlich zu repräsentieren versuchten. Für Bruegel und die Künstler unter seinen Zeitgenossen ging es um ein Urmodell für den Glanz und den Ruhm einer fortschreitenden Zivilisation. Das Thema Turmbau zu Babel ist für die Moderne aktueller als jemals zuvor, da sich hier einerseits die physische Welt des Babelturms immer rasanter entwickelt, und man andererseits unter dem leidet, was Lukács „transzendentale Obdachlosigkeit“ nannte. Kafkas Erzählung Das Stadtwappen handelt von den Menschen, die anfangs den Turmbau für einen absoluten Gedanken, also ein metaphysisches Telos, halten und dann dem materiellen Wohlstand der Stadt kritiklos verfallen. Diese Verfallenheit ruft wiederum die Erinnerung an die vorbestimmte Katastrophe des Babelturms hervor, aber Kafka ändert auch die Erinnerung, so dass nicht die Stadt, die den Babelturm errichtet hat, sondern die Stadt, die den Turmbau vergessen hat, vor einer eschatologischen Katastrophe steht. In diesem Sinne erinnert Kafkas Erzählung auch daran, dass die zwei auf den ersten Blick entgegengesetzten metaphorischen Aspekte, nämlich die hochentwickelte Zivilisation und die menschliche Sehnsucht nach dem Ursprung eigentlich in der Architekturgeschichte des Babelturms harmonisch miteinander verbunden waren. Die Stadt Babylon war ja eine technisch hochentwickelte Stadt und zugleich ein Tempel. In Kafkas Literatur geht es also um das moderne Entweder-Oder, das in dem Vergessen des Turms, jedoch nicht des modernen Babelturms, sondern jenes geistigen Turms als Prototyp für die menschliche Sehnsucht nach seinem Ursprung, mündet.
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