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학문의 경계와 통합, 그리고 인간 - 실러의 『보편사란 무엇이며 어떤 목적으로 연구하는가?』를 중심으로

Einzelwissenschaften, integrative Wissenschaft und der Mensch - anhand Schillers Konzept der Universalgeschichte

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주제분류독일어와문학

초록

Schillers Jenenser Antrittsvorlesung beginnt mit einer Unterscheidung zwischen dem “Brodgelehrten” und dem “philosophischen Kopf”: Während jener seinen “Studierplan” ganz nach den Erfordernissen der Berufsausbildung ausrichtet, so dass ihm das große Reich des Wissens fragmentiert in jene Bruchstücke, die sich funktional in seinen beruflichen Alltag ein- und umsetzen lassen, denkt dieser das ganze Wissen in synthetisierender Absicht auf ein zusammenhängendes harmonisches Ganzes hin: er geht über die willkürlich gesetzten Grenzen zwischen den Einzelwissenschaften hinaus und versucht in einem unabschließbaren Erkenntnisprozess Einsicht in den “Zusammenhang der Dinge” zu gewinnen. Dieser begriffliche Gegensatz beider Gelehrtentypen, dessen Wirkungen sich bis in die aktuellen Diskussionen über zweiphasige Studienmodelle als Lösung der Probleme der Massenuniversität nachweisen lassen, deutet auf ein Krisenbewusstsein, das das Aufklärungszeitalter an seinem Ende gegenüber dem von ihm selbst aufgeführten Wissen auszubilden beginnt. Obwohl die Summe des Gewussten immer größer wird, fehlt es aber an wissenschaftlichen Ordnungsmodellen, die das angehäuften Wissen wieder zu organisieren vermögen. Schillers Konzept von Universalgeschichte bildet einen solchen Ordnungsentwurf. Es geht ihm dabei um ein völlig neues Wissenschaftsverständnis, um Wissenschaft als Selbstzweck und damit als Bildung des Menschen statt ihre bisherige Instrumentalisierung für äußere Zwecke, um formale oder methodische Einheit der Wissenschaften statt der bisherigen materiellen oder inhaltlichen Anhäufung, damit er eine Revolutionierung des Wissensreichs einsetzt. Schillers Universalgeschichte meint in diesem Sinne nicht mehr die Summe alles überlieferten weltgeschichtlichen Wissens von den Ursprüngen der Menschheit bis zur Gegenwart, sondern die Darstellung eines diese historischen Daten nach den Gesetzen der Vernunft reorganisierten Ganzens als ein System, das die heutige Weltverfassung zu erklären vermag. Und die universalgeschichtliche Forschung, die sich auf alle an der Universität gelehrten Fächer erstrecken soll, beinhaltet dann die allgemeine Form wissenschaftlicher und sittlicher Bildung. Schillers Idee der Universalgeschichte, nach der das organisierende Prinzip für ihre teleologische Konstruktion in der Harmonie des menschlichen Gemüts liegt und dessen einziges methodisches Verfahren hierfür das des Analogieschlusses ist, ist der entfaltete Ausdruck seiner anthropologischen Kunstidee in seinem Poem Künstler und lässt im Universalhistoriker einen Bruder des Künstlers sehen. Das Studium der Universalgeschichte heißt nichts anderes als die Wirkung des Geistes, der über eine analoge Ordnungskraft von weltdeutender und -gestaltender Art verfügt, und der, in der Differenz zum abstrakten Denken, an sinnlich-anschaulicher Kraft orientiert ist. Ohne ästhetische Kreativität ist Universalgeschichte nicht denkbar. Indem Schiller das ästhetische Moment im geschichtlichen Verstehen hervorkehrt, betont er den Scheincharakter des universalgeschichtlichen Entwurfs und damit die Differenz zur wirklichen Geschichte. Das Studium der Universalgeschichte, zu dem nur ein ästhetischer Geist befähigt ist und durch das die Bestimmung des Menschen erreichbar wird, setzt somit eine ‘ästhetische Erziehung des Menschen’ voraus.

Abstract

Schillers Jenenser Antrittsvorlesung beginnt mit einer Unterscheidung zwischen dem “Brodgelehrten” und dem “philosophischen Kopf”: Während jener seinen “Studierplan” ganz nach den Erfordernissen der Berufsausbildung ausrichtet, so dass ihm das große Reich des Wissens fragmentiert in jene Bruchstücke, die sich funktional in seinen beruflichen Alltag ein- und umsetzen lassen, denkt dieser das ganze Wissen in synthetisierender Absicht auf ein zusammenhängendes harmonisches Ganzes hin: er geht über die willkürlich gesetzten Grenzen zwischen den Einzelwissenschaften hinaus und versucht in einem unabschließbaren Erkenntnisprozess Einsicht in den “Zusammenhang der Dinge” zu gewinnen. Dieser begriffliche Gegensatz beider Gelehrtentypen, dessen Wirkungen sich bis in die aktuellen Diskussionen über zweiphasige Studienmodelle als Lösung der Probleme der Massenuniversität nachweisen lassen, deutet auf ein Krisenbewusstsein, das das Aufklärungszeitalter an seinem Ende gegenüber dem von ihm selbst aufgeführten Wissen auszubilden beginnt. Obwohl die Summe des Gewussten immer größer wird, fehlt es aber an wissenschaftlichen Ordnungsmodellen, die das angehäuften Wissen wieder zu organisieren vermögen. Schillers Konzept von Universalgeschichte bildet einen solchen Ordnungsentwurf. Es geht ihm dabei um ein völlig neues Wissenschaftsverständnis, um Wissenschaft als Selbstzweck und damit als Bildung des Menschen statt ihre bisherige Instrumentalisierung für äußere Zwecke, um formale oder methodische Einheit der Wissenschaften statt der bisherigen materiellen oder inhaltlichen Anhäufung, damit er eine Revolutionierung des Wissensreichs einsetzt. Schillers Universalgeschichte meint in diesem Sinne nicht mehr die Summe alles überlieferten weltgeschichtlichen Wissens von den Ursprüngen der Menschheit bis zur Gegenwart, sondern die Darstellung eines diese historischen Daten nach den Gesetzen der Vernunft reorganisierten Ganzens als ein System, das die heutige Weltverfassung zu erklären vermag. Und die universalgeschichtliche Forschung, die sich auf alle an der Universität gelehrten Fächer erstrecken soll, beinhaltet dann die allgemeine Form wissenschaftlicher und sittlicher Bildung. Schillers Idee der Universalgeschichte, nach der das organisierende Prinzip für ihre teleologische Konstruktion in der Harmonie des menschlichen Gemüts liegt und dessen einziges methodisches Verfahren hierfür das des Analogieschlusses ist, ist der entfaltete Ausdruck seiner anthropologischen Kunstidee in seinem Poem Künstler und lässt im Universalhistoriker einen Bruder des Künstlers sehen. Das Studium der Universalgeschichte heißt nichts anderes als die Wirkung des Geistes, der über eine analoge Ordnungskraft von weltdeutender und -gestaltender Art verfügt, und der, in der Differenz zum abstrakten Denken, an sinnlich-anschaulicher Kraft orientiert ist. Ohne ästhetische Kreativität ist Universalgeschichte nicht denkbar. Indem Schiller das ästhetische Moment im geschichtlichen Verstehen hervorkehrt, betont er den Scheincharakter des universalgeschichtlichen Entwurfs und damit die Differenz zur wirklichen Geschichte. Das Studium der Universalgeschichte, zu dem nur ein ästhetischer Geist befähigt ist und durch das die Bestimmung des Menschen erreichbar wird, setzt somit eine ‘ästhetische Erziehung des Menschen’ voraus.

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