로베르트 무질의 『특성 없는 남자』에 나타난 유토피아 구상과 그 이념사적 위상
Die Utopiekonzeption im Mann ohne Eigenschaften und ihre problemgeschichtliche Einordnung
0
조회
0
다운로드
1
인용
0
참고문헌
키워드
초록
Robert Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften ist mit Blick auf die Utopietradition und die Utopiebegriffe so komplex, daß man ihn geradezu als „Summe abendländischen utopischen Denkens“ (Voßkamp) bezeichnen kann. Dabei hat die Musilforschung bisher vor allem herausgestellt, daß der Utopismus nicht nur Ulrichs Existenzform als die eines „Möglichkeitsmenschen“ begründet, sondern auch als Musils Stil- und Schaffensprinzip den ganzen Roman regiert. Indem auf diese Weise aber der Utopismus so sehr in den Vordergrund getreten ist, sind darüber von der Forschung die materialen Utopien des Romans fast völlig vernachläßigt worden. Die diversen in Musils Roman vorkommenden Utopien, von der „Utopie des exakten Lebens“ bis zu der des „anderen Zustands“, wurden bisher entweder nur als Funktionen des „Möglichkeitssinns“ betrachtet, oder es wurde als einzige die Utopie des „anderen Zustands“ als subjektive und augenblickshafte Privatutopie ernst genommen. Dagegen erhellt eine inhaltliche Untersuchung der Gesamtheit der Utopien im Mann ohne Eigenschaften, daß diese einander nicht einfach nacheinander ablösen, sondern die verschiedenen Utopien funktional voneinander abhängen und sich unter die oberste Kategorie der „Utopie der induktiven Gesinnung“ fügen. Die Erhellung dieser Zusammenhänge fördert desweiteren zutage, daß Musil mit diesem System von Utopien auf nichts anderes als auf die Überwindung der Dialektik der Moderne, also der in „Ratio und Mystik“, die Vernunft und ‚das Andere‘ der Vernunft auseinandergefallenen modernen Welt, zielt. Nach Musils eigener Darstellung werden im „MoE“ „die Sinnfragen der Existenz des modernen Menschen […] aufgeworfen und in einer ganz neuartigen, aber sowohl leicht-ironischen wie philosophisch tiefen Weise beantwortet“. Musil sieht seine Zeit in „Rationalität u. Mystik“ polarisiert. Mit der ‚Rationalität‘ meint Musil den „Geist der Positivität“ der Tatsachenwissenschaften, der die Dinge und Menschen in Formelsysteme auflöst und damit auch das „anthropozentrische Verhalten“ („Es ist eine Welt von Eigenschaften ohne Mann entstanden“). Das Ergebnis ist: „Gewinn an Wissen, Verlust an Leben“. Aus Furcht vor der wachsenden Sinnlosigkeit des Lebens durch die wissenschaftliche Ratio tritt das ‚Andere der Vernunft‘ als Instanz der Sinngebung auf. Der „andere Zustand“ bei Musil ist der moralische, ästhetische Schöpfungszustand, in dem der Mensch von seiner objektiven Bestimmung durch die Wissenschaft und normative Moral befreit ist und die Vereinigung von Subjekt und Objekt erlebt. Aus ihm geht eine Vielzahl partikularer Weltanschauungen als Ersatzreligion hervor, die aber wie die Mode kommen und gehen. So macht die Fülle an Tatsachenwissen einerseits und der „Polytheismus“ der Werte (Max Weber) andererseits die „geistige Unordnung jener Zeit“ und die Dialektik der Moderne aus. Als Allegorie der gottlosen, metaphysikfreien modernen Welt stellt der Roman „Kakanien“ vor, dessen Bewohner sich „ständig im Gefühl der unzureichenden Gründe der eigenen Existenz“ befinden. Die „Parallelaktion“, das Ereignis im ersten Band des Romans, ist das kakanische Unternehmen, eine „vereinheitlichende“ Idee zu finden. Musils Strategie gegenüber dieser Zeitproblematik ist der Utopismus und die Utopie. Musil stellt mit dem Mann „ohne Eigenschaften“ (Ulrich) das in Formelsysteme aufgelöste Subjekt als Souverän wieder her und verankert mit dem „Möglichkeitssinn“ den Utopismus anthropologisch. Die verschiedenen Utopien im Roman sind das der ‚Parallelaktion‘ entsprechende Projekt Ulrichs, dessen übergreifende Struktur die „Utopie der induktiven Gesinnung“ bildet. Wenn man unter dem Projekt der Moderne, der Aufklärung, dasjenige Unternehmen versteht, „die vereinigende Kraft der Religion im Medium der Vernunft zu regenerieren“ (Habermas), so handelt es sich bei der „Utopie der induktiven Gesinnung“ um ein solches Projekt. Denn die induktive Utopie ist der Versuch, mit der Methode der empirischen Wissenschaften (Induktion) die „Frage des rechten Lebens“ zu lösen. Das induktive Vorgehen besteht aus zwei Momenten: Genauigkeit, d. i. das genaue Achten auf die singulären Tatsachen, und Offenheit, d. i. das Hypothetisch-Bleiben der gewonnenen Aussagen; dem entspricht die „Gesinnung des Steigens“ in der „Utopie des exakten Lebens“ und der Polyperspektivismus in der „Utopie des Essayismus“. Das erste Moment schließt das Individuum als ethische Quelle ein und das zweite vermeidet die Verabsolutierung der einzelnen Werte und damit den „Glaubenskrieg in Permanenz“. Um zu einer Synthese zu gelangen, muß aber erwiesen werden, daß der ‚andere Zustand‘ trotz seiner zufälligen und hinfälligen Gestalt an der Ewigkeit und Wahrheit teilhat. Zu diesem Zweck ist das Erlebnis der Geschwister im Garten („Tausendjähriges Reich“), als der Höhepunkt des Ereignisses im zweiten Band des Romans, angelegt. Dadurch werden die partikularen Weltanschauungen als „Teilwahrheit“ anerkannt, durch deren Kombination eine Totallösung, das „Gesetz des richtigen Lebens“, erwartet wird. Es ist dabei eine „ähnlich endlose Zusammenarbeit […] wie überall in der Forschung“ vonnöten. Das Leben in der induktiven Gesinnung entfaltet sich in der Aktualität („Utopie des motivierten Lebens“) aber mit dem Bewußtsein der Steigerung und Annäherung an das ferne Ziel („Gott“), das erst nach dem Erschöpfen aller Möglichkeiten zu leben erreicht wird.
Abstract
Robert Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften ist mit Blick auf die Utopietradition und die Utopiebegriffe so komplex, daß man ihn geradezu als „Summe abendländischen utopischen Denkens“ (Voßkamp) bezeichnen kann. Dabei hat die Musilforschung bisher vor allem herausgestellt, daß der Utopismus nicht nur Ulrichs Existenzform als die eines „Möglichkeitsmenschen“ begründet, sondern auch als Musils Stil- und Schaffensprinzip den ganzen Roman regiert. Indem auf diese Weise aber der Utopismus so sehr in den Vordergrund getreten ist, sind darüber von der Forschung die materialen Utopien des Romans fast völlig vernachläßigt worden. Die diversen in Musils Roman vorkommenden Utopien, von der „Utopie des exakten Lebens“ bis zu der des „anderen Zustands“, wurden bisher entweder nur als Funktionen des „Möglichkeitssinns“ betrachtet, oder es wurde als einzige die Utopie des „anderen Zustands“ als subjektive und augenblickshafte Privatutopie ernst genommen. Dagegen erhellt eine inhaltliche Untersuchung der Gesamtheit der Utopien im Mann ohne Eigenschaften, daß diese einander nicht einfach nacheinander ablösen, sondern die verschiedenen Utopien funktional voneinander abhängen und sich unter die oberste Kategorie der „Utopie der induktiven Gesinnung“ fügen. Die Erhellung dieser Zusammenhänge fördert desweiteren zutage, daß Musil mit diesem System von Utopien auf nichts anderes als auf die Überwindung der Dialektik der Moderne, also der in „Ratio und Mystik“, die Vernunft und ‚das Andere‘ der Vernunft auseinandergefallenen modernen Welt, zielt. Nach Musils eigener Darstellung werden im „MoE“ „die Sinnfragen der Existenz des modernen Menschen […] aufgeworfen und in einer ganz neuartigen, aber sowohl leicht-ironischen wie philosophisch tiefen Weise beantwortet“. Musil sieht seine Zeit in „Rationalität u. Mystik“ polarisiert. Mit der ‚Rationalität‘ meint Musil den „Geist der Positivität“ der Tatsachenwissenschaften, der die Dinge und Menschen in Formelsysteme auflöst und damit auch das „anthropozentrische Verhalten“ („Es ist eine Welt von Eigenschaften ohne Mann entstanden“). Das Ergebnis ist: „Gewinn an Wissen, Verlust an Leben“. Aus Furcht vor der wachsenden Sinnlosigkeit des Lebens durch die wissenschaftliche Ratio tritt das ‚Andere der Vernunft‘ als Instanz der Sinngebung auf. Der „andere Zustand“ bei Musil ist der moralische, ästhetische Schöpfungszustand, in dem der Mensch von seiner objektiven Bestimmung durch die Wissenschaft und normative Moral befreit ist und die Vereinigung von Subjekt und Objekt erlebt. Aus ihm geht eine Vielzahl partikularer Weltanschauungen als Ersatzreligion hervor, die aber wie die Mode kommen und gehen. So macht die Fülle an Tatsachenwissen einerseits und der „Polytheismus“ der Werte (Max Weber) andererseits die „geistige Unordnung jener Zeit“ und die Dialektik der Moderne aus. Als Allegorie der gottlosen, metaphysikfreien modernen Welt stellt der Roman „Kakanien“ vor, dessen Bewohner sich „ständig im Gefühl der unzureichenden Gründe der eigenen Existenz“ befinden. Die „Parallelaktion“, das Ereignis im ersten Band des Romans, ist das kakanische Unternehmen, eine „vereinheitlichende“ Idee zu finden. Musils Strategie gegenüber dieser Zeitproblematik ist der Utopismus und die Utopie. Musil stellt mit dem Mann „ohne Eigenschaften“ (Ulrich) das in Formelsysteme aufgelöste Subjekt als Souverän wieder her und verankert mit dem „Möglichkeitssinn“ den Utopismus anthropologisch. Die verschiedenen Utopien im Roman sind das der ‚Parallelaktion‘ entsprechende Projekt Ulrichs, dessen übergreifende Struktur die „Utopie der induktiven Gesinnung“ bildet. Wenn man unter dem Projekt der Moderne, der Aufklärung, dasjenige Unternehmen versteht, „die vereinigende Kraft der Religion im Medium der Vernunft zu regenerieren“ (Habermas), so handelt es sich bei der „Utopie der induktiven Gesinnung“ um ein solches Projekt. Denn die induktive Utopie ist der Versuch, mit der Methode der empirischen Wissenschaften (Induktion) die „Frage des rechten Lebens“ zu lösen. Das induktive Vorgehen besteht aus zwei Momenten: Genauigkeit, d. i. das genaue Achten auf die singulären Tatsachen, und Offenheit, d. i. das Hypothetisch-Bleiben der gewonnenen Aussagen; dem entspricht die „Gesinnung des Steigens“ in der „Utopie des exakten Lebens“ und der Polyperspektivismus in der „Utopie des Essayismus“. Das erste Moment schließt das Individuum als ethische Quelle ein und das zweite vermeidet die Verabsolutierung der einzelnen Werte und damit den „Glaubenskrieg in Permanenz“. Um zu einer Synthese zu gelangen, muß aber erwiesen werden, daß der ‚andere Zustand‘ trotz seiner zufälligen und hinfälligen Gestalt an der Ewigkeit und Wahrheit teilhat. Zu diesem Zweck ist das Erlebnis der Geschwister im Garten („Tausendjähriges Reich“), als der Höhepunkt des Ereignisses im zweiten Band des Romans, angelegt. Dadurch werden die partikularen Weltanschauungen als „Teilwahrheit“ anerkannt, durch deren Kombination eine Totallösung, das „Gesetz des richtigen Lebens“, erwartet wird. Es ist dabei eine „ähnlich endlose Zusammenarbeit […] wie überall in der Forschung“ vonnöten. Das Leben in der induktiven Gesinnung entfaltet sich in der Aktualität („Utopie des motivierten Lebens“) aber mit dem Bewußtsein der Steigerung und Annäherung an das ferne Ziel („Gott“), das erst nach dem Erschöpfen aller Möglichkeiten zu leben erreicht wird.
참고문헌 (26)
- ., , ~
- "Gesammelte Werke. Hrsg. von Adolf Fris?"
- "Der Mann ohne Eigenschaften.", pp.1~5
- "Prosa und St?"
- "Essays und Reden."
- "cher 1. Hrsg. von Adolf Fris? . Neu druchgesehene und erg?"
- "Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs und Studien zur Technik und Psychotechnik. Reinbek b. Hamburg 1980."
- "Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910. Hrsg. von Gotthart Wunberg unter Mitarbeit von Jonannes J. Braakenburg. Stuttgart", pp.147~
- Georges, "t. Hrsg. von Elisabeth Lenk. Aus dem Franz? sischen von Rita Bischof"
- "Die Erotik. Hrsg. von Gert Bergfleth. M?"
- Bloch, Ernst, "Das Prinzip Hoffnung. Bd. 1: Kap. 1-32, Bd. 2: Kap. 33-42, Bd. 3: Kap. 43-55", 554 (1998), Frankfurt am Main: Suhrkamp
- "Die Entstehungsgeschichte des ?Mann ohne Eigenschaften? von Robert Musil" (2000)
- Foucault, Michel, "Die Ordnung des Diskurses. Aus dem Franzoesischen von Walter Seitter" (2003), Frankfurt a. M.: Fischer
- Die Moderne - ein unvollendetes Projekt. In, "Wege aus der Moderne. Schl㉨", pp.177~192
- "Max und Adorno Gesammelte Schriften. Bd. 3. Hrsg. von Rolf Tiedemann. Frankfurt a. M. Suhrkamp 1981."
- Mach, "Die Analyse der Empfindungen und das Verh?"
- "Ideologie und Utopie. 4."
- "mtliche Werke. Kritische Studinenausgabe in 15 Einzelb? te. Idyllen aus Messina. Die fr? hliche Wissenschaft. Hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montnari. M?", pp.490~
- "Logik der Forschung" (2005), T?bingen: Mohr Siebeck
- "bers. von Arnhelm Neus? ss in Zusammenahrbeit mit P. Weber. In Utopie. Begriff und Ph?", pp.339~360
- "Zum Gebrauch des Konjunktivs bei Robert Musil. In Rudolf Villgradter und Friedrich Krey", pp.355~388
- "Karl Popper" (2006), Paderborn: mentis
- "Grundrisse einer besseren Welt.? Messianismus und Geschichte der Utopie bei Ernst Bloch. In phane Moses und Albercht Sch? Juden in der deutschen Literatur. Ein deutsch-israelisches Symposion. Frankfurt am Main"
- "Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, mu? es auch M?glichkeitssinn geben. Traditionen des utopischen Denkens bei Robert Musil", pp.347~362 (2005), Bielefeld: transcript
- "Wissenschaft als Beruf. In tze zur Wissenschaftslehre. Hrsg. von Johannes Winckelmann. 5. erneut durchges. Auflage. T?"
- Welsch, Wolfgang, "Vernunft. Die zeitgen?ssische Vernunftkritk und das Konzept der transversalen Vernunft" (1996), Frankfurt am Main: Suhrkamp
