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페터 바이스의 『마라/사드』에 나타난 폭력 담론

Der Gewalt-Diskurs in Marat/Sade von Peter Weiss

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주제분류기타인문학

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Das bekannteste Drama von Peter Weiss, Marat/Sade, ist ein Spiel im Spiel. In der Rahmenhandlung wird ein Marat-Stück unter der Leitung von Sade von den Patienten in der Irrenanstalt Charlenton aufgeführt. In der Binnenhandlung wird der Revolutionäre Marat von einer konservativ gesinnten jungen Frau namens Corday ermordet. In diesem Stück treten Marat und Sade als Gegenspieler auf, obwohl Marat eigentlich eine vom Regisseur Sade erfundene Figur und daher strukturell diesem untergeordnet ist. Marat vertritt die Idee der Revolution und rechtfertigt die Notwendigkeit der Gewalt für die gesellschaftliche Umwälzung, während Sade auf den hinter den revolutionären Forderungen verborgenen Egoismus hinweist und daher den Lustmord als Voraussetzung für die individuelle Befreiung bejaht. Sade kritisiert den Massenmord der französischen Revolution, der mittels der Guillotine mechanisch durchgeführt wird. Diesen anonymen Morden stellt er Cordays Mord an Marat als exemplarischen Lustmord gegenüber. Darüber hinaus will er die Natur, die kein Interesse am Tod des Menschen zeigt, mit ihren eigenen Waffen schlagen. Mit dem gleichen Desinteresse lehnt er die Natur ab, indem er Wahrheit und Ich-Identität radikal in Frage stellt. Seine Gewalt gipelft nicht in der szenischen Darstellung des Lustmordes, sondern in der absoluten Negation im geistigen Spiel, die auf der theatralischen Ebene als Grausamkeit im Sinne von Artaud realisiert wird. Sade, der keinen realen Lustmord zu begehen vermag, schwelgt in Mordphantasien im fiktiven Spiel, während Marat und sein Anhänger Roux im Gegensatz zum Ästheten Sade für die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse eine reale Handlung fordern. Weiss hält die Frage offen, ob Sade oder Marat seine Weltanschauung vertreten. Diese Offenheit ist beabsichtigt, denn das unentschiedene Rededuell zwischen Marat und Sade im Binnenstück ist eine Art blutiger Kampf und verbreitet die Gewalt wie eine Epidemie. Sade und Marat, die unterschiedliche Gewaltformen verkörpern, wenden sich gegen die Gewalt von Coulmier, der die durch den Kaiser Napoleon verkörperte bürgerliche Gesellschaftsordnung vertritt. Die Irrenanstalt, in der die Patienten eigentlich gesund werden sollen, entpuppt sich im Lauf der Geschichte als Folterkammer, in der sie unmenschlich behandelt werden und ihnen Gewalt angetan wird. Gegen die Irrenanstalt als Inkarnation der bürgerlichen Gesellschaft, die die schwachen Geisteskranken als Sündenböcke im Sinn von René Girard aufopfern will, lehnt sich Weiss auf, indem er dieser bürgerlich institutionalisierten Gewalt die von Sade und Marat vertretenen anderen Gewaltformen entgegensetzt und sie dadurch grundsätzlich erschüttert.

Abstract

Das bekannteste Drama von Peter Weiss, Marat/Sade, ist ein Spiel im Spiel. In der Rahmenhandlung wird ein Marat-Stück unter der Leitung von Sade von den Patienten in der Irrenanstalt Charlenton aufgeführt. In der Binnenhandlung wird der Revolutionäre Marat von einer konservativ gesinnten jungen Frau namens Corday ermordet. In diesem Stück treten Marat und Sade als Gegenspieler auf, obwohl Marat eigentlich eine vom Regisseur Sade erfundene Figur und daher strukturell diesem untergeordnet ist. Marat vertritt die Idee der Revolution und rechtfertigt die Notwendigkeit der Gewalt für die gesellschaftliche Umwälzung, während Sade auf den hinter den revolutionären Forderungen verborgenen Egoismus hinweist und daher den Lustmord als Voraussetzung für die individuelle Befreiung bejaht. Sade kritisiert den Massenmord der französischen Revolution, der mittels der Guillotine mechanisch durchgeführt wird. Diesen anonymen Morden stellt er Cordays Mord an Marat als exemplarischen Lustmord gegenüber. Darüber hinaus will er die Natur, die kein Interesse am Tod des Menschen zeigt, mit ihren eigenen Waffen schlagen. Mit dem gleichen Desinteresse lehnt er die Natur ab, indem er Wahrheit und Ich-Identität radikal in Frage stellt. Seine Gewalt gipelft nicht in der szenischen Darstellung des Lustmordes, sondern in der absoluten Negation im geistigen Spiel, die auf der theatralischen Ebene als Grausamkeit im Sinne von Artaud realisiert wird. Sade, der keinen realen Lustmord zu begehen vermag, schwelgt in Mordphantasien im fiktiven Spiel, während Marat und sein Anhänger Roux im Gegensatz zum Ästheten Sade für die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse eine reale Handlung fordern. Weiss hält die Frage offen, ob Sade oder Marat seine Weltanschauung vertreten. Diese Offenheit ist beabsichtigt, denn das unentschiedene Rededuell zwischen Marat und Sade im Binnenstück ist eine Art blutiger Kampf und verbreitet die Gewalt wie eine Epidemie. Sade und Marat, die unterschiedliche Gewaltformen verkörpern, wenden sich gegen die Gewalt von Coulmier, der die durch den Kaiser Napoleon verkörperte bürgerliche Gesellschaftsordnung vertritt. Die Irrenanstalt, in der die Patienten eigentlich gesund werden sollen, entpuppt sich im Lauf der Geschichte als Folterkammer, in der sie unmenschlich behandelt werden und ihnen Gewalt angetan wird. Gegen die Irrenanstalt als Inkarnation der bürgerlichen Gesellschaft, die die schwachen Geisteskranken als Sündenböcke im Sinn von René Girard aufopfern will, lehnt sich Weiss auf, indem er dieser bürgerlich institutionalisierten Gewalt die von Sade und Marat vertretenen anderen Gewaltformen entgegensetzt und sie dadurch grundsätzlich erschüttert.

참고문헌 (20)

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