Was ist eine gelungene Übersetzung? Zu den Kriterien und dem Anspruch von Übersetzungskritik
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Fundierte Kritik von Literaturübersetzung ist komplex: Subjektive und objektivierbare Bestandteile sind zu unterscheiden, weil sie unterschiedlich triftig und gültig sind, zudem lohnt es sich, übersetzungshandwerkliche von künstlerischen Textphänomenen zu trennen. Am wichtigsten für die Übersetzungskritik ist die Erkenntnis, dass Übersetzen, wie Lesen, einen Akt der Interpretation darstellt, also mit legitimen, ja wichtigen Spielräumen ausgestattet. Interpretiert wird die durch das Wechselspiel von Erzählhaltung und stilistischer Sprachgestaltung entstehende Wirkung des Tons, den ein Text entwickelt. Übersetzungskritik versucht also, die erstrebte Äquivalenz der Wirkung zwischen Original und Übersetzung zu ermessen. Da jeder literarische Text ein vielschichtiges Gemenge von Faktoren und Aspekten ist, werden zwei weitere Punkte relevant für den kritischen Blick auf die Übersetzung von Literatur: erstens die von der Übersetzerin vorgenommene Prioritätensetzung (denn Literaturübersetzung ist niemals eine 100%-Entsprechung, kann und will es auch nicht sein, wegen des Wechsels der Sprache und des kulturellen Kontextes), und zweitens der Umgang des Übersetzers mit dem jeweiligen kulturellen und ggf. auch zeitlichen Abstand zwischen dem Original und der Übersetzung. Im Blick auf den Kulturaustausch zwischen Deutschland und Korea kann eine genauere Betrachtung verschiedener Techniken des Umgangs mit dem kulturellen Abstand fruchtbar werden und ist daher als kleiner Exkurs eingefügt. Insgesamt will ich mit diesem Aufsatz sowohl Vorschläge dazu machen, wie sich die Komplexität von Literaturübersetzung beim kritischen Blick darauf auflösen lässt, als auch Angebote formulieren, welche Kriterien zu einer fundierten Einschätzung von konkreten Übersetzungen verhelfen können.
Abstract
Fundierte Kritik von Literaturübersetzung ist komplex: Subjektive und objektivierbare Bestandteile sind zu unterscheiden, weil sie unterschiedlich triftig und gültig sind, zudem lohnt es sich, übersetzungshandwerkliche von künstlerischen Textphänomenen zu trennen. Am wichtigsten für die Übersetzungskritik ist die Erkenntnis, dass Übersetzen, wie Lesen, einen Akt der Interpretation darstellt, also mit legitimen, ja wichtigen Spielräumen ausgestattet. Interpretiert wird die durch das Wechselspiel von Erzählhaltung und stilistischer Sprachgestaltung entstehende Wirkung des Tons, den ein Text entwickelt. Übersetzungskritik versucht also, die erstrebte Äquivalenz der Wirkung zwischen Original und Übersetzung zu ermessen. Da jeder literarische Text ein vielschichtiges Gemenge von Faktoren und Aspekten ist, werden zwei weitere Punkte relevant für den kritischen Blick auf die Übersetzung von Literatur: erstens die von der Übersetzerin vorgenommene Prioritätensetzung (denn Literaturübersetzung ist niemals eine 100%-Entsprechung, kann und will es auch nicht sein, wegen des Wechsels der Sprache und des kulturellen Kontextes), und zweitens der Umgang des Übersetzers mit dem jeweiligen kulturellen und ggf. auch zeitlichen Abstand zwischen dem Original und der Übersetzung. Im Blick auf den Kulturaustausch zwischen Deutschland und Korea kann eine genauere Betrachtung verschiedener Techniken des Umgangs mit dem kulturellen Abstand fruchtbar werden und ist daher als kleiner Exkurs eingefügt. Insgesamt will ich mit diesem Aufsatz sowohl Vorschläge dazu machen, wie sich die Komplexität von Literaturübersetzung beim kritischen Blick darauf auflösen lässt, als auch Angebote formulieren, welche Kriterien zu einer fundierten Einschätzung von konkreten Übersetzungen verhelfen können.
참고문헌 (23)
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