카니발적 웃음 - 토마스 브루시히의 『우리같은 영웅들』 분석
Karnevaleskes Lachen - Zum Roman Helden wie wir von Thomas Brussig
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초록
“Der Leser lacht wie bei fast allen Äußerungen, die Brussig seinem Helden über zwanzig Jahre Realsozialismus in den Mund legt”. So sagte Roberto Simanowski einmal über den Roman Helden wie wir. Aufgrund einer ähnlichen Leseerfahrung versuche ich in der vorliegenden Arbeit eine eingehende Analyse über den Charakter und die Funktion des Lachens, wie es im Roman angelegt ist. Ich begreife das Lachen im Roman und durch ihn unter Zuhilfenahme der Theorie der Karnevalskultur von Michail Bachtin als das karnevaleske Lachen. Laut ihm ist der Karneval durchdrungen von einem allumfassenden Gelächter. Es verbindet Gegensätzliches - Heiliges und Profanes, Hohes und Niedriges, Großes und Nichtiges, Weises und Dummes - miteinander. Diese Art des Lachens ist aber nicht auf eine Auflösung von dialektischen Gegensätzlichkeiten aus. Vielmehr verkehrt es die Weltordnung, zerstört sie und ruft den Tod ins Leben herein. Das karnevaleske Lachen ist ambivalent, weil es bei seiner lustvollen Zerstörung der bestehenden, herrschenden Ordnung der Dinge den Keim eines neuen Anfangs legt. Im “Lachprinzip” in der Konzeption Bachtins finde ich einen Denkanstoß, den Roman Helden wie wir zu analysieren. Der komplexbeladene, schelmenhafte, und nicht zuletzt perverse Klaus Ultzscht, der Held des Romans und der Ich-Erzähler zugleich, zieht respekt- und schamlos alles in die Lächerlicherkeit. Nichts, weder Stasi noch Christa Wolf, wird ernst genommen. Wer im Romen eine politische Abrechnung mit der DDR sucht oder von seinem Held eine politische Korrektheit erwartet, mag enttäuscht werden. Denn es liegt dem Roman fern, eine analytische Erkenntnis und gar eine moralische Aufklärung über die DDR anzubieten. Das Lachen im Roman und durch den Roman hat seinen Sinn in der Befreiung von der Macht der Vergangenheit. Bis zum Erscheinen des Romans Helden wie wir gab es, schematisch gesagt, zwei Arten von Erinnerung an die DDR: Entweder wurde DDR beim melancholischen Rückblick als die bessere Heimat verklärt oder als ein Überwachungsstaat verteufelt und verworfen, wodurch die Vergangenheit konserviert wird und somit die Auseinandersetzung mit ihr unmöglich wird. Brussigs Roman widersetzt sich der Konservierung der DDR. Lachen tötet die Macht der Vergangenheit und macht es dadurch erst möglich, sich der Vergangenheit auf neue Weise zu stellen.
Abstract
“Der Leser lacht wie bei fast allen Äußerungen, die Brussig seinem Helden über zwanzig Jahre Realsozialismus in den Mund legt”. So sagte Roberto Simanowski einmal über den Roman Helden wie wir. Aufgrund einer ähnlichen Leseerfahrung versuche ich in der vorliegenden Arbeit eine eingehende Analyse über den Charakter und die Funktion des Lachens, wie es im Roman angelegt ist. Ich begreife das Lachen im Roman und durch ihn unter Zuhilfenahme der Theorie der Karnevalskultur von Michail Bachtin als das karnevaleske Lachen. Laut ihm ist der Karneval durchdrungen von einem allumfassenden Gelächter. Es verbindet Gegensätzliches - Heiliges und Profanes, Hohes und Niedriges, Großes und Nichtiges, Weises und Dummes - miteinander. Diese Art des Lachens ist aber nicht auf eine Auflösung von dialektischen Gegensätzlichkeiten aus. Vielmehr verkehrt es die Weltordnung, zerstört sie und ruft den Tod ins Leben herein. Das karnevaleske Lachen ist ambivalent, weil es bei seiner lustvollen Zerstörung der bestehenden, herrschenden Ordnung der Dinge den Keim eines neuen Anfangs legt. Im “Lachprinzip” in der Konzeption Bachtins finde ich einen Denkanstoß, den Roman Helden wie wir zu analysieren. Der komplexbeladene, schelmenhafte, und nicht zuletzt perverse Klaus Ultzscht, der Held des Romans und der Ich-Erzähler zugleich, zieht respekt- und schamlos alles in die Lächerlicherkeit. Nichts, weder Stasi noch Christa Wolf, wird ernst genommen. Wer im Romen eine politische Abrechnung mit der DDR sucht oder von seinem Held eine politische Korrektheit erwartet, mag enttäuscht werden. Denn es liegt dem Roman fern, eine analytische Erkenntnis und gar eine moralische Aufklärung über die DDR anzubieten. Das Lachen im Roman und durch den Roman hat seinen Sinn in der Befreiung von der Macht der Vergangenheit. Bis zum Erscheinen des Romans Helden wie wir gab es, schematisch gesagt, zwei Arten von Erinnerung an die DDR: Entweder wurde DDR beim melancholischen Rückblick als die bessere Heimat verklärt oder als ein Überwachungsstaat verteufelt und verworfen, wodurch die Vergangenheit konserviert wird und somit die Auseinandersetzung mit ihr unmöglich wird. Brussigs Roman widersetzt sich der Konservierung der DDR. Lachen tötet die Macht der Vergangenheit und macht es dadurch erst möglich, sich der Vergangenheit auf neue Weise zu stellen.
참고문헌 (27)
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