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Kulturelle Topographie des Reisens. Rilke zwischen Ägyptenreisen und Schaffen

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주제분류독일어와문학

초록

Eigentümlicherweise nimmt Rilkes Gestaltung seiner Ägyptenreise moderne Raumkonzepte vorweg. Darüber hinaus vertiefen diese das Verständnis der Raumphänomene im Werk Rilkes. Die Räume, die Rilke gestaltet, sind gemäß dem modernen Raumbegriff dynamisch, denn sich der Übergang zwischen Räumen spielt immerfort ab. Ägyptische Landschaft wird durch Rilkes Reisen/Denken fortwährend auf den glatten Raum in Deleuzeschen Sinn zurückgeführt. Der mythische Raum, den Rilke dank seinem imaginativ vorentworfenen Erlebnis und seiner Imagination über uraltem Urtümliches an ägyptischen Landschaft und Alltag fand, geht zum ästhetischen Raum von Cassirer über, indem er an altägyptischen Denkmälern und Skulpturen kosmische Gesetze erkennt. Rilkes Ägyptenreise an sich bildet als Zwischenraum zwischen Kulturen Foucaults Heterotopie. Denn dessen Heterotopie lässt sich als Zwischenraum konkretisieren, der für die vielfältigen Übergangsprozesse zwischen Kulturen zu verwenden ist. Rilkes Ägyptenreise war eine Kulturreise unter dem Aspekt der Interkulturalität, d.h. die Begegnung europäischer Kultur Rilkes mit der fremden Kultur Ägyptens. So schreibt Rilke am 4. Jan. 1911: "daß man das Allervertrauteste plötzlich mitten im Fremden erlebt, in einem starken neuen Jenseits, in dem man mit allen Sinnen Anfänger ist [...]"(Rilkes Briefe mit Kippenberg 1954, 16). Er spürt, dass diese Reise, die ihm soviel Inspiration geben sollte, ihn in seiner Arbeit blockiert, dass er nicht in der Lage ist, das Erlebte in Worte zu fassen. Das ist der Grund dafür, dass er während des Ägyptenreisens selbst in seinen Briefen die Eindrücke nicht beschreiben konnte. Doch in 13 Jahren lässt Rilke eine Interkulturalität spüren, die er durch diese Reise erfüllt hat: "daß ich allein sein durften in so viel Ländern, Städten, und Landschaften, ungestört, mit der ganzen Vielfalt, mit allem Gehör und Gehorsam meines Wesens einem Neuen ausgesetzt, willig ihm zuzugehören und doch wieder genötigt, mich von ihm abzuheben"(B II, 441). Es handelt sich um die Spannung zwischen fremder Kultur und Identität, die bei der Interkulturalität hervortritt. Die Folgen der Auseinandersetzung mit der ägyptischen Kultur sind im Werk selten direkt ablesbar, gehen aber befruchtend in einen Hintergrund ein, vor dem Rilke eigene Vorstellungen findet und entfaltet. Häufig dienen die Ägypten-Kenntnisse als Folie, als fest verankerter Bestandteil seiner dichterischen Phantasie.

Abstract

Eigentümlicherweise nimmt Rilkes Gestaltung seiner Ägyptenreise moderne Raumkonzepte vorweg. Darüber hinaus vertiefen diese das Verständnis der Raumphänomene im Werk Rilkes. Die Räume, die Rilke gestaltet, sind gemäß dem modernen Raumbegriff dynamisch, denn sich der Übergang zwischen Räumen spielt immerfort ab. Ägyptische Landschaft wird durch Rilkes Reisen/Denken fortwährend auf den glatten Raum in Deleuzeschen Sinn zurückgeführt. Der mythische Raum, den Rilke dank seinem imaginativ vorentworfenen Erlebnis und seiner Imagination über uraltem Urtümliches an ägyptischen Landschaft und Alltag fand, geht zum ästhetischen Raum von Cassirer über, indem er an altägyptischen Denkmälern und Skulpturen kosmische Gesetze erkennt. Rilkes Ägyptenreise an sich bildet als Zwischenraum zwischen Kulturen Foucaults Heterotopie. Denn dessen Heterotopie lässt sich als Zwischenraum konkretisieren, der für die vielfältigen Übergangsprozesse zwischen Kulturen zu verwenden ist. Rilkes Ägyptenreise war eine Kulturreise unter dem Aspekt der Interkulturalität, d.h. die Begegnung europäischer Kultur Rilkes mit der fremden Kultur Ägyptens. So schreibt Rilke am 4. Jan. 1911: "daß man das Allervertrauteste plötzlich mitten im Fremden erlebt, in einem starken neuen Jenseits, in dem man mit allen Sinnen Anfänger ist [...]"(Rilkes Briefe mit Kippenberg 1954, 16). Er spürt, dass diese Reise, die ihm soviel Inspiration geben sollte, ihn in seiner Arbeit blockiert, dass er nicht in der Lage ist, das Erlebte in Worte zu fassen. Das ist der Grund dafür, dass er während des Ägyptenreisens selbst in seinen Briefen die Eindrücke nicht beschreiben konnte. Doch in 13 Jahren lässt Rilke eine Interkulturalität spüren, die er durch diese Reise erfüllt hat: "daß ich allein sein durften in so viel Ländern, Städten, und Landschaften, ungestört, mit der ganzen Vielfalt, mit allem Gehör und Gehorsam meines Wesens einem Neuen ausgesetzt, willig ihm zuzugehören und doch wieder genötigt, mich von ihm abzuheben"(B II, 441). Es handelt sich um die Spannung zwischen fremder Kultur und Identität, die bei der Interkulturalität hervortritt. Die Folgen der Auseinandersetzung mit der ägyptischen Kultur sind im Werk selten direkt ablesbar, gehen aber befruchtend in einen Hintergrund ein, vor dem Rilke eigene Vorstellungen findet und entfaltet. Häufig dienen die Ägypten-Kenntnisse als Folie, als fest verankerter Bestandteil seiner dichterischen Phantasie.

참고문헌 (20)

  1. Bachmann-Medick, Doris, "Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften" (2009)
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  3. Borsó, Vittoria, "Kulturelle Topographien" (2004)
  4. Cassirer, Ernst, "Symbol, Technik, Sprache, Aufsätze aus dem Jahren 1927-1933" (1933)
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  7. Döring, Jörg, "Spatial Turn. Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften" (2009)
  8. Ehmcke, Franziska, "Reisen im Zwischenraum - Zur Interkulturalität von Kulturwissenschaft. Festschrift für Helmolt Vittinghoff zum 65. Geburtstag" (2012)
  9. Engel, Manfred, "Rilke-Handbuch: Leben-Werk-Wirkung" (2004)
  10. Foucault, Michel, "Schriften in vier Bänden. Bd.4" (2003)
  11. Kippenberg, Katharina, "Rainer Maria Rilkes 'Duineser Elegien‘ und 'Sonnete an Orpheus'" (1948)
  12. Mehigan, Tim, "Raumlektüren. Der Spatial Turn und die Literatur der Moderne" (2013)
  13. Rilke, Rainer Maria, "Briefe 2 Bände" (1950)
  14. Rilke, Rainer Maria, "Briefwechsel mit Benwenuta" (1954), Eßlingen
  15. Rilke, Rainer Maria, "Briefwechsel, Rextrevision, Erläuterung und Nachwort Bettina von Bombard" (1954)
  16. Rilke, Rainer Maria, "Rilke Werke. Kommentierte Ausgabe in vier Bänden" (1996)
  17. Schrögel, Karl, "Im Raum lesen wir die Zeit. Über Zivilisationsgeschichte und Geopolitik" (2003)
  18. Steiner, Jacob, "Rilkes Duineser Elegien" (1962)
  19. Steiner, Jacob, "Rilke. Vorträge und Aufsätze", pp.42~60 (1986)
  20. Weidel, Sigrid, "Zum 'topographical turn'. Kartographie, Topographie und Raumkonzepte in den Kulturwissenschaften", KulturPoetik, 2(2), pp.151~165 (2002)

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