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릴케와 기독교

Rilke und Christentum

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주제분류독일어와문학

초록

Rilke sah seine Sendung als Künstler nicht zuletzt darin, 󰡐die Welt als Aufgabe zu übernehmen󰡑. Das heißt, dass er sich durch sein Schaffen nicht nur um die Weltdeutung, sondern darüber hinaus um das Heil der Welt bemühte. Hierin erkennt man die Quintessenz der Rilkeschen Dichtung, die sich durch eine über alles Konfessionelle hinausweisende Religiosität charakterisieren lässt. Bedenkt man, dass Rilke sich nicht nur verschiedene traditionelle christliche Formen schöpferisch aneignete, sondern in seiner Kunst auch biblische Motive, Gestalten und kirchlich vorgeprägte Rollen immer wieder übernahm, könnte man behaupten, Rilke sei dem Christentum stark verhaftet gewesen. Angesichts der ernüchternden Selbstaussagen Rilkes, die eine heftige Ablehnung von Christus und Kirche bezeugen, muss man sich jedoch fragen, wie sich dieser Widerspruch erklärt, der sowohl Nähe als auch Distanz einschließt. In dem vorliegenden Aufsatz geht es in erster Linie darum, dieser Frage nachzugehen. Dabei wird der Versuch unternommen, zuerst die Wesenszüge der eigentümlichen Religiosität Rilkes zu beleuchten und dann die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Rilkes und der christlichen Religiosität zu konstatieren. Aufgrund seiner unermüdlichen Auseinandersetzung mit Daseinsproblemen suchte Rilke danach, ein gültiges Konzept für das Heil der Welt und die Erlösung des Menschen von seinen existentiellen Nöten zu entwickeln. Er musste selbst einen leidvollen existentiellen Wandel seines Schaffens sowie Lebens hinnehmen, um dieses Konzept für die Erlösung zu verkünden. Das gefundene Konzept stellt sich letztlich als jene Weltsicht dar, die durch eine offene, alles bejahende Haltung gegenüber der Welt, d.h. durch eine absolute Affirmation des Daseins zu kenn- zeichnen ist. Diese Weltsicht kulminiert im 󰡐Offenen󰡑, das sich als eine ganz- heitliche Dimension versteht, in der alle dualistischen Gegensätze aufgehoben sind. Dass Rilke das 󰡐Offene󰡑 mit Gott gleichsetzt, ist zweifellos darin zu begründen, dass es sich bei beiden um die numinose, letzte Wirklichkeit handelt. Hervorzuheben ist aber: Rilkes Gott ist nicht der ewige König, der Geschichte und Geschicke in der Hand hält und mit Gericht und Gnade über sie herrscht. Er ist auch nicht der Vater Jesu Christi, der durch Menschwerdung, Opfertod und Auferstehung seines Sohnes sich auch denen zum Vater gegeben hat, die an den Sohn glauben. Rilkes Gott ist der Ursprung, der sich da ereignet, wo keine Subjekt-Objekt-Spaltung mehr existiert. Rilke bezeichnet ihn darum als 󰡐eine Richtung der Liebe󰡑und 󰡐keinen Liebesgegenstand󰡑 Es ist deutlich zu erkennen, dass sich Rilke hier vom Christentum verabschiedet. Wie seine zahlreichen Selbstzeugnisse bestätigen, richtet sich Rilke ganz entschieden gegen das Christentum. Rilkes Kritik am Christentum beinhaltet vor allem drei Dimensionen: Erstens, Ablehnung der Christologie. Er verweigert einem Christus, der sich als Gottessohn und Mittler zwischen Menschen und Gott versteht, die Nachfolge. Er sieht durch das Mittlertum Christi die religiöse Unmittelbarkeit zu Gott gefährdet. Zweitens, Verurteilung des Jenseitsglaubens, der alle irdischen Erfüllungen verdächtigt und den Sinn des Lebens um der Erlösung nach dem Tode willen für nichtig erklärt. Rilke sieht darin die Ausbeutung des Lebens und die Gefahr, das Verhältnis zur Welt zu verfälschen. Drittens, Zurückweisung der christlichen Lebenshaltung, die er als moralische Verleugnung des Lebens versteht. Sein Protest wendet sich gegen Evangelium und Kirche, die den Menschen als Sünder verstehen.

Abstract

Rilke sah seine Sendung als Künstler nicht zuletzt darin, 󰡐die Welt als Aufgabe zu übernehmen󰡑. Das heißt, dass er sich durch sein Schaffen nicht nur um die Weltdeutung, sondern darüber hinaus um das Heil der Welt bemühte. Hierin erkennt man die Quintessenz der Rilkeschen Dichtung, die sich durch eine über alles Konfessionelle hinausweisende Religiosität charakterisieren lässt. Bedenkt man, dass Rilke sich nicht nur verschiedene traditionelle christliche Formen schöpferisch aneignete, sondern in seiner Kunst auch biblische Motive, Gestalten und kirchlich vorgeprägte Rollen immer wieder übernahm, könnte man behaupten, Rilke sei dem Christentum stark verhaftet gewesen. Angesichts der ernüchternden Selbstaussagen Rilkes, die eine heftige Ablehnung von Christus und Kirche bezeugen, muss man sich jedoch fragen, wie sich dieser Widerspruch erklärt, der sowohl Nähe als auch Distanz einschließt. In dem vorliegenden Aufsatz geht es in erster Linie darum, dieser Frage nachzugehen. Dabei wird der Versuch unternommen, zuerst die Wesenszüge der eigentümlichen Religiosität Rilkes zu beleuchten und dann die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Rilkes und der christlichen Religiosität zu konstatieren. Aufgrund seiner unermüdlichen Auseinandersetzung mit Daseinsproblemen suchte Rilke danach, ein gültiges Konzept für das Heil der Welt und die Erlösung des Menschen von seinen existentiellen Nöten zu entwickeln. Er musste selbst einen leidvollen existentiellen Wandel seines Schaffens sowie Lebens hinnehmen, um dieses Konzept für die Erlösung zu verkünden. Das gefundene Konzept stellt sich letztlich als jene Weltsicht dar, die durch eine offene, alles bejahende Haltung gegenüber der Welt, d.h. durch eine absolute Affirmation des Daseins zu kenn- zeichnen ist. Diese Weltsicht kulminiert im 󰡐Offenen󰡑, das sich als eine ganz- heitliche Dimension versteht, in der alle dualistischen Gegensätze aufgehoben sind. Dass Rilke das 󰡐Offene󰡑 mit Gott gleichsetzt, ist zweifellos darin zu begründen, dass es sich bei beiden um die numinose, letzte Wirklichkeit handelt. Hervorzuheben ist aber: Rilkes Gott ist nicht der ewige König, der Geschichte und Geschicke in der Hand hält und mit Gericht und Gnade über sie herrscht. Er ist auch nicht der Vater Jesu Christi, der durch Menschwerdung, Opfertod und Auferstehung seines Sohnes sich auch denen zum Vater gegeben hat, die an den Sohn glauben. Rilkes Gott ist der Ursprung, der sich da ereignet, wo keine Subjekt-Objekt-Spaltung mehr existiert. Rilke bezeichnet ihn darum als 󰡐eine Richtung der Liebe󰡑und 󰡐keinen Liebesgegenstand󰡑 Es ist deutlich zu erkennen, dass sich Rilke hier vom Christentum verabschiedet. Wie seine zahlreichen Selbstzeugnisse bestätigen, richtet sich Rilke ganz entschieden gegen das Christentum. Rilkes Kritik am Christentum beinhaltet vor allem drei Dimensionen: Erstens, Ablehnung der Christologie. Er verweigert einem Christus, der sich als Gottessohn und Mittler zwischen Menschen und Gott versteht, die Nachfolge. Er sieht durch das Mittlertum Christi die religiöse Unmittelbarkeit zu Gott gefährdet. Zweitens, Verurteilung des Jenseitsglaubens, der alle irdischen Erfüllungen verdächtigt und den Sinn des Lebens um der Erlösung nach dem Tode willen für nichtig erklärt. Rilke sieht darin die Ausbeutung des Lebens und die Gefahr, das Verhältnis zur Welt zu verfälschen. Drittens, Zurückweisung der christlichen Lebenshaltung, die er als moralische Verleugnung des Lebens versteht. Sein Protest wendet sich gegen Evangelium und Kirche, die den Menschen als Sünder verstehen.

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