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Das Berliner Stadtbild im Feuilleton - im Vergleich zu Feuilleton und Brief
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In dieser Arbeit geht es nicht darum, einen Versuch der Bestimmung des gesamten Genres Feuilleton zu leisten, sondern darum, die Genese des Berliner Stadtbildes im Feuilleton seit Heine zu verfolgen. Unter Rückgriff auf die als Ausgangspunkt des Genres benannten Briefe aus Berlin Heines wird dabei die Genese dieses Subgenres aus dem Genre des (Reise-)Briefs untersucht. Wenn Heines Briefe aus Berlin den Beginn des Berliner Stadtbildes im Feuilleton markieren, dann steht das feuilletonistische Schreiben über die Stadt Berlin zunächst in der literarischen Tradition des Reisebriefs. Auf der phänomenlogischen Ebene besteht die Nähe zwischen Feuilleton und Brief darin, dass die ‘Persönlichkeit’ bzw. ‘Subjektivität’ der Verfasser im Brief wie im Feuilleton zum Vorschein kommt, und darin, dass im Brief ebenso wie im Feuilleton unsystematische und assoziative Berichte von ‘Begebnissen’ mit ‘Gedanken und Gefühlen’ gemischt werden, dass also die Grenze zwischen Faktum und Fiktion zumindest verwischt ist. Dem Brief ähnelt das Feuilleton als ‘kleine Form’, aber nicht nur deshalb, weil Individualität und Subjektivität des Schreibenden in ihm sichtbar werden können, sondern auch, weil sowohl das Feuilleton als auch der Brief keine thematischen Grenzen setzen. Speziell die feuilletonische Stadtbeschreibung ist ein Ort des Experiments, an dem Reaktionen auf Modernisierungsprozesse, die in der Stadt besonders schnell spür- und sichtbar werden, erprobt werden können. Feuilleton und Brief sind auch aufgrund der spezifischen Zeitlichkeit und Vergänglichkeit der Texte vergleichbar, d.h. aufgrund ihrer Gebundenheit an den Tag und den Augenblick. Gerade diese Eigenschaft wird nicht als Einschränkung oder als Gefährdung des Subjekts oder der Kommunikation, sondern als angemessener Ausdruck der Modernität und damit als Vorzug aufgefasst. War in der politischen Auseinandersetzung ‘für’ oder ‘gegen’ Berlin(und damit auch ‘für’ und ‘gegen’ Modernisierung) die Eindeutigkeit der Stellungsnahme unumgänglich, so bot der feuilletonistische Text die Gelegenheit dazu, die Erfahrung der Modernisierungsprozesse in der Stadt zu beschreiben, ohne dass sich der Autor unbedingt einem der beiden Lager zuordnen lassen musste. Auch in der feuilletonistischen Darstellung der Stadt Berlin schlägt sich natürlich nieder, wie das beobachtende Autor-Ich den beschriebenen Modernisierungsprozessen gegenübersteht; doch die Distanz zu den politischen Auseinandersetzungen gestattet in Kombination mit der genannten seriellen Produktion größere Differenziertheit und vor allem auch: Ambivalenz als Haltung zu den verschiedenen Facetten der Modernisierung. Die Ambivalenz vieler feuilletonstischer Berliner Stadtbilder ist nicht auf die in Entwicklung begriffene Massenkultur beschänkt, auch wenn dieser Aspekt einen Großteil der feuilletonistischen Texte stark beschäftigt. Ambivalent ist vielmehr, zumindest überwiegend, die Reaktion auf die Modernisierung in all ihren Facetten.
Abstract
In dieser Arbeit geht es nicht darum, einen Versuch der Bestimmung des gesamten Genres Feuilleton zu leisten, sondern darum, die Genese des Berliner Stadtbildes im Feuilleton seit Heine zu verfolgen. Unter Rückgriff auf die als Ausgangspunkt des Genres benannten Briefe aus Berlin Heines wird dabei die Genese dieses Subgenres aus dem Genre des (Reise-)Briefs untersucht. Wenn Heines Briefe aus Berlin den Beginn des Berliner Stadtbildes im Feuilleton markieren, dann steht das feuilletonistische Schreiben über die Stadt Berlin zunächst in der literarischen Tradition des Reisebriefs. Auf der phänomenlogischen Ebene besteht die Nähe zwischen Feuilleton und Brief darin, dass die ‘Persönlichkeit’ bzw. ‘Subjektivität’ der Verfasser im Brief wie im Feuilleton zum Vorschein kommt, und darin, dass im Brief ebenso wie im Feuilleton unsystematische und assoziative Berichte von ‘Begebnissen’ mit ‘Gedanken und Gefühlen’ gemischt werden, dass also die Grenze zwischen Faktum und Fiktion zumindest verwischt ist. Dem Brief ähnelt das Feuilleton als ‘kleine Form’, aber nicht nur deshalb, weil Individualität und Subjektivität des Schreibenden in ihm sichtbar werden können, sondern auch, weil sowohl das Feuilleton als auch der Brief keine thematischen Grenzen setzen. Speziell die feuilletonische Stadtbeschreibung ist ein Ort des Experiments, an dem Reaktionen auf Modernisierungsprozesse, die in der Stadt besonders schnell spür- und sichtbar werden, erprobt werden können. Feuilleton und Brief sind auch aufgrund der spezifischen Zeitlichkeit und Vergänglichkeit der Texte vergleichbar, d.h. aufgrund ihrer Gebundenheit an den Tag und den Augenblick. Gerade diese Eigenschaft wird nicht als Einschränkung oder als Gefährdung des Subjekts oder der Kommunikation, sondern als angemessener Ausdruck der Modernität und damit als Vorzug aufgefasst. War in der politischen Auseinandersetzung ‘für’ oder ‘gegen’ Berlin(und damit auch ‘für’ und ‘gegen’ Modernisierung) die Eindeutigkeit der Stellungsnahme unumgänglich, so bot der feuilletonistische Text die Gelegenheit dazu, die Erfahrung der Modernisierungsprozesse in der Stadt zu beschreiben, ohne dass sich der Autor unbedingt einem der beiden Lager zuordnen lassen musste. Auch in der feuilletonistischen Darstellung der Stadt Berlin schlägt sich natürlich nieder, wie das beobachtende Autor-Ich den beschriebenen Modernisierungsprozessen gegenübersteht; doch die Distanz zu den politischen Auseinandersetzungen gestattet in Kombination mit der genannten seriellen Produktion größere Differenziertheit und vor allem auch: Ambivalenz als Haltung zu den verschiedenen Facetten der Modernisierung. Die Ambivalenz vieler feuilletonstischer Berliner Stadtbilder ist nicht auf die in Entwicklung begriffene Massenkultur beschänkt, auch wenn dieser Aspekt einen Großteil der feuilletonistischen Texte stark beschäftigt. Ambivalent ist vielmehr, zumindest überwiegend, die Reaktion auf die Modernisierung in all ihren Facetten.
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