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예니 에르펜베크의 『늙은 아이 이야기』의 상징체계와 서사구조

Politische Parabolik, Körpermetaphorik und Erzählstruktur in der Geschichte vom alten Kind von Jenny Erpenbeck

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주제분류독일어와문학

초록

In der vorliegenden Arbeit wird Jenny Erpenbecks Geschichte vom alten Kind als besonders mittels Körpermetaphorik konturierte politische Parabel betrachtet und auf ihre Erzählstruktur hin untersucht. Das Prosastück ist durchsetzt von Körpermetaphern und greift vielerlei Motive auf: die Weigerung erwachsen zu werden, den schmerzhaften Prozess der Ablösung von Vergangenem, die Sehnsucht nach Sicherheit, die Vergeblichkeit des Versuchs, Zeit zu konservieren, die Suche nach Identität. So lässt sich die Geschichte als politische Parabel lesen, in der das Heim den in sozialistischem Kollektivismus sich abschottenden DDR-Staat symbolisiert. Der Titel betont mit dem Begriff “Geschichte” den fiktionalen Charakter der Erzählung und formuliert gleichzeitig in dem Oxymoron “altes Kind” ihr leitendes Konzept: Die Verbindung sich ausschließender Lebensphasen nimmt die enge Verflechtung der tragenden Erzählebenen vorweg: der äußeres Verhalten des Mädchens und Reaktionen der Umwelt darauf schildernden Handlungsebene und der von der auktorialen Erzählinstanz bruchstückhaft mitgeteilten Bewusstseinsebene. Das durchgehende epische Präsens wirkt zwar das Geschehen vergegenwärtigend, die Namenlosigkeit der – vom ersten Satz an nur mit dem Pronomen “es” bezeichneten, also als subjektloses Neutrum erscheinenden - Protagonistin legt jedoch die Verallgemeinerbarkeit der behandelten Problematik nahe. Die dominierende Es-Erzählhaltung im objektiven Berichtsstil schafft Distanz zum Erzählten und verhindert eine Identifikation mit der Hauptfigur. Ständige Wechsel von Außensicht und Innensicht konstituieren weiterhin eine Bedeutungsebene, die Hinweise auf eine verborgene Existenz hinter der äußeren Fassade des Mädchens enthält: Seine Kindlichkeit erscheint als bewusst herbeigeführte Inszenierung, Fragen nach dem wahren Alter des Mädchens kommen auf. Der Erzähler, offensichtlich Mitspieler in dieser Inszenierung, weiß mehr über Person und früheres Leben des Mädchens, als er preisgibt. Art der Berichterstattung und bewertende Kommentare nähren und erhalten das Interesse des Lesers an der Lösung des offenbaren Rätsels um das Mädchen. In den vier kurzen Passagen, in denen unvermittelt die Ich-Form auftritt, scheint für Augenblicke ein leidendes Subjekt auf. Der distanzierte Ton des Erzählers erfährt eine leise Brechung, der Bericht wird nun als Selbstreflexion und Selbstbeobachtung der sich selbst zum Objekt werdenden Protagonistin lesbar. Vermag der Leser hier endlich Empathie zu dem Mädchen zu entwickeln, so steigert dies auch die Ambivalenz in Bezug auf eine Bewertung des Geschehens.

Abstract

In der vorliegenden Arbeit wird Jenny Erpenbecks Geschichte vom alten Kind als besonders mittels Körpermetaphorik konturierte politische Parabel betrachtet und auf ihre Erzählstruktur hin untersucht. Das Prosastück ist durchsetzt von Körpermetaphern und greift vielerlei Motive auf: die Weigerung erwachsen zu werden, den schmerzhaften Prozess der Ablösung von Vergangenem, die Sehnsucht nach Sicherheit, die Vergeblichkeit des Versuchs, Zeit zu konservieren, die Suche nach Identität. So lässt sich die Geschichte als politische Parabel lesen, in der das Heim den in sozialistischem Kollektivismus sich abschottenden DDR-Staat symbolisiert. Der Titel betont mit dem Begriff “Geschichte” den fiktionalen Charakter der Erzählung und formuliert gleichzeitig in dem Oxymoron “altes Kind” ihr leitendes Konzept: Die Verbindung sich ausschließender Lebensphasen nimmt die enge Verflechtung der tragenden Erzählebenen vorweg: der äußeres Verhalten des Mädchens und Reaktionen der Umwelt darauf schildernden Handlungsebene und der von der auktorialen Erzählinstanz bruchstückhaft mitgeteilten Bewusstseinsebene. Das durchgehende epische Präsens wirkt zwar das Geschehen vergegenwärtigend, die Namenlosigkeit der – vom ersten Satz an nur mit dem Pronomen “es” bezeichneten, also als subjektloses Neutrum erscheinenden - Protagonistin legt jedoch die Verallgemeinerbarkeit der behandelten Problematik nahe. Die dominierende Es-Erzählhaltung im objektiven Berichtsstil schafft Distanz zum Erzählten und verhindert eine Identifikation mit der Hauptfigur. Ständige Wechsel von Außensicht und Innensicht konstituieren weiterhin eine Bedeutungsebene, die Hinweise auf eine verborgene Existenz hinter der äußeren Fassade des Mädchens enthält: Seine Kindlichkeit erscheint als bewusst herbeigeführte Inszenierung, Fragen nach dem wahren Alter des Mädchens kommen auf. Der Erzähler, offensichtlich Mitspieler in dieser Inszenierung, weiß mehr über Person und früheres Leben des Mädchens, als er preisgibt. Art der Berichterstattung und bewertende Kommentare nähren und erhalten das Interesse des Lesers an der Lösung des offenbaren Rätsels um das Mädchen. In den vier kurzen Passagen, in denen unvermittelt die Ich-Form auftritt, scheint für Augenblicke ein leidendes Subjekt auf. Der distanzierte Ton des Erzählers erfährt eine leise Brechung, der Bericht wird nun als Selbstreflexion und Selbstbeobachtung der sich selbst zum Objekt werdenden Protagonistin lesbar. Vermag der Leser hier endlich Empathie zu dem Mädchen zu entwickeln, so steigert dies auch die Ambivalenz in Bezug auf eine Bewertung des Geschehens.

참고문헌 (11)

  1. Jenny Erpenbeck, "Geschichte vom alten Kind" (2001), Frankfurt a. M.
  2. 안문영, "늙은 아이 이야기" (2011), 솔출판사
  3. Dennehy, Tobias, "Weise Einfältigkeit von unterem Ende der Hierarchieleiter" (2000), Literaturkritik
  4. Eden, Wiebke, "Keine Angst vor großen Gefühlen, In Schriftstellerinnen - ein Beruf Elf Porträts" (2003), Frankfurt a. M
  5. Jones, Katie, "‘Ganz gewöhnlicher Ekel’? Disgust and Body Motifs in Jenny Erpenbeck’s Geschichte vom alten Kind, In Pushing at Boundaries. Approaches to Contemporary German Women Writers from Karen Duve to Jenny Erpenbeck", pp.119~133 (2006)
  6. Volker Hage, "Propheten im eigenen Land, In Auf der Suche nach der deutschen Literatur" (1999), München
  7. Nobile, Nancy, "So morgen wie heute, In Time and Context in Jenny Erpenbeck’s Geschichte vom alten Kind", pp.283~310 (2003), Gegenwartsliteratur II, Stauffenburg
  8. Schreiber, Mathias, "Die verlorener Tochter" (1999), Spiegel
  9. Jenny Erpenbeck, "br-online.de", kultur, lesezeichen, pp.Geschichte vom alten Kind[DOI]
  10. "Hedda Zinner"[URL]
  11. "Fritz Erpenbeck"[URL]

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