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디터 퀸의 문학 전기와 무질의 『특성 없는 남자』 - 창작원리로 살펴본 두 작가의 친족성과 차별성

Dieter Kühns literarische Biographik und Musils Mann ohne Eigenschaften - Affinität und Differenz im Arbeitsprinzip beider Autoren

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주제분류독일어와문학

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Viele entscheidende Begriffe in Dieter Kühns literarischer Biographik haben ihre gedankliche Wurzel bei Robert Musil. Einige Literaturkonzepte Musils sind meines Erachtens für Kühn zu einer Art literaturtheoretischer Grundlage geworden. Selbst wenn sich Kühn zu Musils Literaturkonzept in manchen Punkten kritisch äußert, ist eine gedankliche sowie methodische Verwandtschaft zwischen beiden Autoren deutlich festzustellen. Unter diesem Aspekt werden in meinem Aufsatz anhand von vier Beispielen Kühns Nähe und Distanz zu Musil genauer betrachtet. Man muss zunächst Kühns Musil-Studie Analogie und Variation besondere Aufmerksamkeit widmen. In seiner Studie beschäftigt sich Kühn mit dem Begriffspaar ‘Kausalität und Simultaneität’, das eine zentrale Rolle im Mann ohne Eigenschaften spielt. Kühn verleiht diesem Begriffspaar eine wichtige Bedeutung in Bezug auf Musils Literatur, weil es mit der Thematik von Wirklichkeit und Möglichkeit eng zusammenhängt. Das Konzept von Kühns ‘Modellfigur’ ist erstaunlich identisch mit dem von Musils ‘Mann ohne Eigenschaften’. Man kann die eigenschaftslose Eigenschaft Ulrichs exakt auf die Eigenschaften der Modellfiguren Napoleon in N und Marthe Hanau in Die Präsidentin übertragen. Wie Ulrich beschränkt Kühn seine Modellfiguren nicht auf die geschichtlich fixierten Daten, so dass jede biographische Möglichkeit offen bleibt. Musil hat Ulrich auf einen ‘Koordinationspunkt’ reduziert. Ebenso hat Kühn der ‘Dame ohne Daten’ eine Rolle der ‘Koordination’ zugewiesen, um mit ihrer Hilfe ein hypothetisches Leben entwerfen zu können. Als weitere konzeptionelle Ähnlichkeit ist Kühns ‘Simulationstechnik’ zu nennen. Streng genommen ist hier nicht von einer konzeptionellen Verwandtschaft die Rede, sondern eher von Kühns konsequenter Bearbeitung des Musilschen Ansatzes. Bei Musil spielt die Variationstechnik für die Umsetzung des Möglichkeitssinnes eine wichtige Rolle. Eine solche Variationsmethode ist ebenfalls in Kühns biographischen Romanen, wenn auch in stark veränderter Form, als ‘Simulationstechnik’ erhalten geblieben. Besonders in Ausflüge im Fesselballon, N und Die Präsidentin beherrscht diese Technik die gesamte Struktur. Das vierte Beispiel ist eher ein Element, das Kühns Literatur gegen die von Musil abhebt. Kühn hat an mehreren Stellen seine Kritik an Musil deutlich zum Ausdruck gebracht. Seinem Urteil zufolge ist Musil trotz seiner neuen, radikalen Idee von der Literatur im erzähltechnischen Bereich sehr konventionell. Kühn sieht in Musils konventionellem Schreibverfahren keine Möglichkeit, dem Leser Wissen und Erkenntnis zu vermitteln. Was das Erzählverfahren betrifft, steht Kühn dem von Joyce und Broch näher. Er glaubt, dass bei ihnen die erkenntnistheoretische Intention des Autors durch das bis dahin sehr unbekannte Schreibverfahren vollkommen umgesetzt ist.

Abstract

Viele entscheidende Begriffe in Dieter Kühns literarischer Biographik haben ihre gedankliche Wurzel bei Robert Musil. Einige Literaturkonzepte Musils sind meines Erachtens für Kühn zu einer Art literaturtheoretischer Grundlage geworden. Selbst wenn sich Kühn zu Musils Literaturkonzept in manchen Punkten kritisch äußert, ist eine gedankliche sowie methodische Verwandtschaft zwischen beiden Autoren deutlich festzustellen. Unter diesem Aspekt werden in meinem Aufsatz anhand von vier Beispielen Kühns Nähe und Distanz zu Musil genauer betrachtet. Man muss zunächst Kühns Musil-Studie Analogie und Variation besondere Aufmerksamkeit widmen. In seiner Studie beschäftigt sich Kühn mit dem Begriffspaar ‘Kausalität und Simultaneität’, das eine zentrale Rolle im Mann ohne Eigenschaften spielt. Kühn verleiht diesem Begriffspaar eine wichtige Bedeutung in Bezug auf Musils Literatur, weil es mit der Thematik von Wirklichkeit und Möglichkeit eng zusammenhängt. Das Konzept von Kühns ‘Modellfigur’ ist erstaunlich identisch mit dem von Musils ‘Mann ohne Eigenschaften’. Man kann die eigenschaftslose Eigenschaft Ulrichs exakt auf die Eigenschaften der Modellfiguren Napoleon in N und Marthe Hanau in Die Präsidentin übertragen. Wie Ulrich beschränkt Kühn seine Modellfiguren nicht auf die geschichtlich fixierten Daten, so dass jede biographische Möglichkeit offen bleibt. Musil hat Ulrich auf einen ‘Koordinationspunkt’ reduziert. Ebenso hat Kühn der ‘Dame ohne Daten’ eine Rolle der ‘Koordination’ zugewiesen, um mit ihrer Hilfe ein hypothetisches Leben entwerfen zu können. Als weitere konzeptionelle Ähnlichkeit ist Kühns ‘Simulationstechnik’ zu nennen. Streng genommen ist hier nicht von einer konzeptionellen Verwandtschaft die Rede, sondern eher von Kühns konsequenter Bearbeitung des Musilschen Ansatzes. Bei Musil spielt die Variationstechnik für die Umsetzung des Möglichkeitssinnes eine wichtige Rolle. Eine solche Variationsmethode ist ebenfalls in Kühns biographischen Romanen, wenn auch in stark veränderter Form, als ‘Simulationstechnik’ erhalten geblieben. Besonders in Ausflüge im Fesselballon, N und Die Präsidentin beherrscht diese Technik die gesamte Struktur. Das vierte Beispiel ist eher ein Element, das Kühns Literatur gegen die von Musil abhebt. Kühn hat an mehreren Stellen seine Kritik an Musil deutlich zum Ausdruck gebracht. Seinem Urteil zufolge ist Musil trotz seiner neuen, radikalen Idee von der Literatur im erzähltechnischen Bereich sehr konventionell. Kühn sieht in Musils konventionellem Schreibverfahren keine Möglichkeit, dem Leser Wissen und Erkenntnis zu vermitteln. Was das Erzählverfahren betrifft, steht Kühn dem von Joyce und Broch näher. Er glaubt, dass bei ihnen die erkenntnistheoretische Intention des Autors durch das bis dahin sehr unbekannte Schreibverfahren vollkommen umgesetzt ist.

참고문헌 (30)

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