그릴파르쩌의 『톨레도의 유태 여인』과 헵벨의 『아그네스 베르나우어』
Grillparzers Die Jüdin von Toledo und Hebbels Agnes Bernauer - Im Blick auf die Staatsauffassung der beiden Autoren
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초록
Franz Grillparzers Drama Die Jüdin von Toledo und Friedrich Hebbels Agnes Bernauer enthalten viele gemeinsame Elemente. Die beiden Dramen erzählen von einer aus Gründe der Staatsräson verbotenen Liebe. Beide Titelfiguren werden als besonders schön beschrieben, dann jedoch geopfert, um die staatliche Ordnung aufrechtzuhalten. Grillparzer und Hebbel lebten an einem Wendepunkt der Geschichte. Das auffälligste Merkmal dieser Epoche sind vor allem die politischen Wirren beim Umbruch zur modernen Zeit. Seit der französischen Revolution wiederholten sich in Europa die Umsturzversuche. Es gab heftige Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der konservative und der revolutinären Richtungen. Nachdem im Juli 1830 in Frankreich erneut die Revolution ausgebrochen war, traten auch in Deutschland verstärkt die Ideen des Liberalismus und des Nationalismus auf, die das Recht des Einzelstaates betonten und das Prinzip der Selbstbestimmung des Volkes vertraten. Aber die Reaktion der Herrschenden auf diese Forderungen war die gesteigerte Unterdrückung der geistigen Freiheit. Auch in vielen europäischen Ländern gab es Liberalismus- und Natinalismusbewegungen unter dem Einfluss der Juli-Revolution in Frankreich. Viele der damaligen Schriftsteller hatten das Bedürfnis, zur aktuellen politischen Situation Stellung zu nehmen. Die beiden Dramen Grillparzers und Hebbels, die in dieser unruhigen Zeit entstanden, schildern die Konfrontation des Individuums mit dem Staat, bei der das Individuum unterliegt und schuldlos geopfert wird. Es ist naheliegend, dass die beiden Autoren in diesen Werken ihre eigene Staatsauffassung zum Ausdruck bringen wollten. Grillparzer hatte die Auswirkungen staatlicher Maßnahme auf die geistige Freiheit des Individuums selbst erlebt und hasste das politische System Österreichs, dennoch fürchtet er sich vor der völligen Zerstörung seines Vaterlandes und stellte sich daher auf die Seite der Konservativen. In Die Jüdin von Toledo wird die lasterhafte, törichte aber schuldlose Jüdin Rahel zum Opfer, mit dessen Hilfe die staatliche Ordnung wiederhergestellt wird. Grillparzer stellt sowohl das Opfer und dessen Familienmitglieder als auch die Vertreter der staatlichen Ordung, die die Schuldlose opfern, “in der Sünder Reihe”. In den Schlussreden des letzten Akts fordert der Autor die Versöhnug zwischen Staat und Individuum und gegenseitiges Verzeihen. Das Stück endet mit dem Apell an Gottes Vergebung. Wir können dahinter das zwiespältige Verhältnis Grillparzers zum Staat erkennen, das er aufgrund der damaligen politischen Situation in Österreich gewonnen hat. Er befürwortet weder ein Handeln des Individuums, das das Staatganze nicht beachtet sondern die staatlich Ordung stört und damit Verwirrung stiftet, noch einen übermächtigen Staat, der das Recht des Individuums verletzt, indem er es brutal opfert. Agnes Bernauer, das Hebbel nach dem Scheitern der Revolution im März 1848 in drei Monaten (vom 22. Sept. bis zum 22. Dez. 1851) geschrieben hat, ist nach seiner eignen Aussage ein Drama, das ihm “der tiefe Schmerz um Deutschland abgepreßt hat”. Das Drama geht auf historische Ereignisse im Herzogtum Bayern zurück. Hebbel stellt eine ausweglos erscheinende Zwangslage des Staates dar, für die keine Lösung außer dem Opfer von Agnes gefunden werden kann. Herzog Ernst, der Herrscher von Bayern- München, der die Hinrichtung seiner bürgerlichen Schwiegertochter Agnes befohlen hatte, bezeichnet sie im Stück als “das reinste Opfer, das der Notwendigkeit im Laufe aller Jahrhunderte gefallen ist”. Ihr Opfer will er nun zu einem Zeichen machen, das dem Volk die Bedeutung des Staates vor Augen führt, indem er “für ewige Zeiten an ihrem Grab einen feierlichen Totendienst stiften” will. Albrecht erhebt sich zunächst gegen seinen Vater als den Repräsentanten des Staates und will sich an ihm für die Ermordung seiner schuldlosen Ehefrau Agnes rächen. Am Ende jedoch beugt Albrecht das Knie vor dem Vater, weil er erkennt, dass dieser Agnes nur für das Wohl des Staates und des Volkes geopfert hat. Der Herzogssohn, der eine Ehe mit einer Frau aus dem niederen Bürgerstand geschlossen hatte und damit der Mehrheit des Volkes angehören wollte, folgt schlißlich seinem Vater ohne Blutvergießen auf dem Thron. Hebbel betont in dieser Schlussszene den Vorrang des Staates vor dem Individuum und artikuliert seine Sehnsucht nach einem starken Deutschland. Er verweist darüber hinaus auf eine geschichtliche Zukunft, die nicht durch Revolution, sondern im Streben nach stabilen politischen Verhältnissen erreicht wird.
Abstract
Franz Grillparzers Drama Die Jüdin von Toledo und Friedrich Hebbels Agnes Bernauer enthalten viele gemeinsame Elemente. Die beiden Dramen erzählen von einer aus Gründe der Staatsräson verbotenen Liebe. Beide Titelfiguren werden als besonders schön beschrieben, dann jedoch geopfert, um die staatliche Ordnung aufrechtzuhalten. Grillparzer und Hebbel lebten an einem Wendepunkt der Geschichte. Das auffälligste Merkmal dieser Epoche sind vor allem die politischen Wirren beim Umbruch zur modernen Zeit. Seit der französischen Revolution wiederholten sich in Europa die Umsturzversuche. Es gab heftige Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der konservative und der revolutinären Richtungen. Nachdem im Juli 1830 in Frankreich erneut die Revolution ausgebrochen war, traten auch in Deutschland verstärkt die Ideen des Liberalismus und des Nationalismus auf, die das Recht des Einzelstaates betonten und das Prinzip der Selbstbestimmung des Volkes vertraten. Aber die Reaktion der Herrschenden auf diese Forderungen war die gesteigerte Unterdrückung der geistigen Freiheit. Auch in vielen europäischen Ländern gab es Liberalismus- und Natinalismusbewegungen unter dem Einfluss der Juli-Revolution in Frankreich. Viele der damaligen Schriftsteller hatten das Bedürfnis, zur aktuellen politischen Situation Stellung zu nehmen. Die beiden Dramen Grillparzers und Hebbels, die in dieser unruhigen Zeit entstanden, schildern die Konfrontation des Individuums mit dem Staat, bei der das Individuum unterliegt und schuldlos geopfert wird. Es ist naheliegend, dass die beiden Autoren in diesen Werken ihre eigene Staatsauffassung zum Ausdruck bringen wollten. Grillparzer hatte die Auswirkungen staatlicher Maßnahme auf die geistige Freiheit des Individuums selbst erlebt und hasste das politische System Österreichs, dennoch fürchtet er sich vor der völligen Zerstörung seines Vaterlandes und stellte sich daher auf die Seite der Konservativen. In Die Jüdin von Toledo wird die lasterhafte, törichte aber schuldlose Jüdin Rahel zum Opfer, mit dessen Hilfe die staatliche Ordnung wiederhergestellt wird. Grillparzer stellt sowohl das Opfer und dessen Familienmitglieder als auch die Vertreter der staatlichen Ordung, die die Schuldlose opfern, “in der Sünder Reihe”. In den Schlussreden des letzten Akts fordert der Autor die Versöhnug zwischen Staat und Individuum und gegenseitiges Verzeihen. Das Stück endet mit dem Apell an Gottes Vergebung. Wir können dahinter das zwiespältige Verhältnis Grillparzers zum Staat erkennen, das er aufgrund der damaligen politischen Situation in Österreich gewonnen hat. Er befürwortet weder ein Handeln des Individuums, das das Staatganze nicht beachtet sondern die staatlich Ordung stört und damit Verwirrung stiftet, noch einen übermächtigen Staat, der das Recht des Individuums verletzt, indem er es brutal opfert. Agnes Bernauer, das Hebbel nach dem Scheitern der Revolution im März 1848 in drei Monaten (vom 22. Sept. bis zum 22. Dez. 1851) geschrieben hat, ist nach seiner eignen Aussage ein Drama, das ihm “der tiefe Schmerz um Deutschland abgepreßt hat”. Das Drama geht auf historische Ereignisse im Herzogtum Bayern zurück. Hebbel stellt eine ausweglos erscheinende Zwangslage des Staates dar, für die keine Lösung außer dem Opfer von Agnes gefunden werden kann. Herzog Ernst, der Herrscher von Bayern- München, der die Hinrichtung seiner bürgerlichen Schwiegertochter Agnes befohlen hatte, bezeichnet sie im Stück als “das reinste Opfer, das der Notwendigkeit im Laufe aller Jahrhunderte gefallen ist”. Ihr Opfer will er nun zu einem Zeichen machen, das dem Volk die Bedeutung des Staates vor Augen führt, indem er “für ewige Zeiten an ihrem Grab einen feierlichen Totendienst stiften” will. Albrecht erhebt sich zunächst gegen seinen Vater als den Repräsentanten des Staates und will sich an ihm für die Ermordung seiner schuldlosen Ehefrau Agnes rächen. Am Ende jedoch beugt Albrecht das Knie vor dem Vater, weil er erkennt, dass dieser Agnes nur für das Wohl des Staates und des Volkes geopfert hat. Der Herzogssohn, der eine Ehe mit einer Frau aus dem niederen Bürgerstand geschlossen hatte und damit der Mehrheit des Volkes angehören wollte, folgt schlißlich seinem Vater ohne Blutvergießen auf dem Thron. Hebbel betont in dieser Schlussszene den Vorrang des Staates vor dem Individuum und artikuliert seine Sehnsucht nach einem starken Deutschland. Er verweist darüber hinaus auf eine geschichtliche Zukunft, die nicht durch Revolution, sondern im Streben nach stabilen politischen Verhältnissen erreicht wird.
참고문헌 (15)
- Grillparzer, Franz, "Sämtliche Werke Bd. 2" (1961)
- Grillparzer, Franz, "Werke Bd. 3. Dramen 1828-1851" (1987)
- Hebbel, Friedrich, "Agnes Bernauer. Mit einem Nachwort" (1988)
- Hebbel, Friedrich, "Sämtliche Werke Bd. 4" (1906)
- Hebbel, Friedrich, "Tagebücher. Auswahl und Nachwort von Anni Meetz" (1987)
- Borchmeyer, Dieter, "Franz Grillparzer: Die Jüdin von Toledo. in: Deutsche Dramen Bd. Ⅰ", pp.200~234 (1981)
- Klussmann, Paul Gerhard, "Hebbel. Agnes Bernauer. in: Das deutsche Drama Ⅱ", pp.141~157 (1980)
- Kraft, Herbert, "Agnes Bernauer. in: Poesie der Idee. Die tragische Dichtung Friedrich Hebbels", pp.255~273 (1971)
- Münch Ilse, "Die Bedingungen für Grillparzers menschliche Tragik. in: Die Tragik in Drama und Persönlichkeit Franz Grillparzers", pp.125~161 (1931)
- Neye Kerstin, "Versöhnung inmitten der Katastrophe: Die Jüdin von Toledo. in: Gerettete Ordnung: Grillparzers Dramen", pp.219~237 (1987)
- Pilling Claudia, "»Und das ist die Gewalt des Rechts«: Agnes Bernauer. in: »Blätter aus Glas«. Friedrich Hebbels Dramen", pp.132~147 (1993)
- Politzer, Heiz, "Das Spiel vom Fall: Die Jüdin von Toledo. in: Franz Grillparzer oder das abgründige Biedermeier", pp.328~350 (1972)
- Pörnbacher, Karl, "Erläuterungen und Dokumente. Friedrich Hebbel Agnes Bernauer" (1983)
- Rürup, Reinhard, "Deutschland im 19. jahrhundert 1815-1871" (1992)
- Wiese, Benno von, "Grillparzers »Die Jüdin von Toledo« und Hebbels »Agnes Bernauer«. in: Perspektiven I. Studien zur Literatur und Literaturwissenschaft", pp.175~187 (1978)
