안톤 라이저의 자기발견의 변증법
Anton Reisers Dialektik der Selbstfindung - Ein Traum vom theatralischen Leben und dessen Grenze
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초록
Es ist ein Kunstgriff, biographische Daten in poetische Fiktionalität einzukleiden und daraus einen Entwicklungsroman zu schneidern. Das war der Fall bei Anton Reiser, einem psychologischen bzw. biographischen - je nach dem Gesichtspunkt - Roman von Karl Phillip Moritz. Der vorliegende Aufsatz macht es sich zur Aufgabe, aus den vielfältigen Ereignissen im Lebenslauf des Protagonisten Anton Reiser dessen Selbstfindung darzustellen und dabei eine Struktur der dialektischen Entwicklung zwischen Pietismus und Aufklärung, Kontaktmangel und Suche nach Öffentlichkeit, Absonderung und Wanderung zu diagnostizieren. Anton Reiser wuchs in einem armseligen Milieu von damals zur Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg auf, wobei der Quietismus bzw. Pietismus es vermochte, solcher materiellen Armut standzuhalten und eine bestimmte geistige Energie zu bieten. Sein Vater war selbsterzogen und tätig als Militärmusikant und Regimentsschreiber, da er musikalisch etwas begabt war. Aber er war letzten Endes nicht lebenstüchtig, nur pietistisch durchtränkt und kompromisslos, während die Ehefrau zwar auch christlich gesinnt, aber einer menschlichen Wärme und Liebe bedürftig war. Also litten der kleine Knabe Anton und seine Mutter viel unter der Kuratel des dogmatischen Hausvaters. Er wurde in eine 'Klippschule' in Hannover geschickt. Dabei war Anton Reiser einerseits einer Spannung zwischen Pietismus und Aufklärung ausgesetzt, andererseits fühlte er sich “wegen seiner armseligen, schmutzigen und zerrißenen Kleidung” äußerst demütig und von der Umwelt außer Acht gelassen. Nach einiger Zeit musste er sich, - durch eine von dem Vater im pietistischen Milieu unternommene Einrichtung, - in eine Hutmacherlehre in Braunschweig begeben. Nach der wegen harter Behandlung abgebrochenen Lehre kehrte er nach Hannover wie ein dialektisches Pendel vom versagten Pietismus zur Schulung zurück. Er setzte dank einem Wohltäter seinen Schulbesuch fort. Obwohl er wie sonst an Kontaktmangel sowie an Verlust von Selbstachtung litt, fand er doch einen Ausweg in seiner Lektüre von Büchern, da er als Schüler in Spracherlernen, besonders in Latein, und Poesie ausgebildet war. Allmählich zeichnete er sich auch für seine weitere Entwicklung in der Deklamation von seinen selbstverfassten Gedichten aus. Er spürte dabei ein starkes Bedürfnis danach, wie ein Pastor auf die Lebensbühne zu treten und eine Menge zu berühren. Als Kompensation für Kontaktmangel und Abkapselung von der Umwelt entwickelte der Protagonist alsdann eine Theaterleidenschaft, indem er sich nach Mannigfaltigkeit des Lebens im theatralischen Ersatz sowie nach Anerkennung von der Umwelt sehnte. Nach verschiedenen Wanderungen und dem Scheitern zum theatralischen Debüt kommt er doch zur Selbsterkenntnis, dass er seinen wahren Beruf im Leben verkannt hat. Auf der durch die Biographie des Autors ausgedehnten Strecke lässt sich dann so eine dialektische Entwicklung des Anton Reiser zu seiner schließlichen Selbstfindung, nämlich zur akademischen Laufbahn als Antithese zur theatralischen folgern. Anhand der im Roman durchgeführten psychologischen Analyse lässt es sich auch weiter feststellen, dass der künstlerische Charakter des Romans über die klassifikatorische Grenze von Klassik und Romantik hinaus bis in die Moderne transzendiert.
Abstract
Es ist ein Kunstgriff, biographische Daten in poetische Fiktionalität einzukleiden und daraus einen Entwicklungsroman zu schneidern. Das war der Fall bei Anton Reiser, einem psychologischen bzw. biographischen - je nach dem Gesichtspunkt - Roman von Karl Phillip Moritz. Der vorliegende Aufsatz macht es sich zur Aufgabe, aus den vielfältigen Ereignissen im Lebenslauf des Protagonisten Anton Reiser dessen Selbstfindung darzustellen und dabei eine Struktur der dialektischen Entwicklung zwischen Pietismus und Aufklärung, Kontaktmangel und Suche nach Öffentlichkeit, Absonderung und Wanderung zu diagnostizieren. Anton Reiser wuchs in einem armseligen Milieu von damals zur Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg auf, wobei der Quietismus bzw. Pietismus es vermochte, solcher materiellen Armut standzuhalten und eine bestimmte geistige Energie zu bieten. Sein Vater war selbsterzogen und tätig als Militärmusikant und Regimentsschreiber, da er musikalisch etwas begabt war. Aber er war letzten Endes nicht lebenstüchtig, nur pietistisch durchtränkt und kompromisslos, während die Ehefrau zwar auch christlich gesinnt, aber einer menschlichen Wärme und Liebe bedürftig war. Also litten der kleine Knabe Anton und seine Mutter viel unter der Kuratel des dogmatischen Hausvaters. Er wurde in eine 'Klippschule' in Hannover geschickt. Dabei war Anton Reiser einerseits einer Spannung zwischen Pietismus und Aufklärung ausgesetzt, andererseits fühlte er sich “wegen seiner armseligen, schmutzigen und zerrißenen Kleidung” äußerst demütig und von der Umwelt außer Acht gelassen. Nach einiger Zeit musste er sich, - durch eine von dem Vater im pietistischen Milieu unternommene Einrichtung, - in eine Hutmacherlehre in Braunschweig begeben. Nach der wegen harter Behandlung abgebrochenen Lehre kehrte er nach Hannover wie ein dialektisches Pendel vom versagten Pietismus zur Schulung zurück. Er setzte dank einem Wohltäter seinen Schulbesuch fort. Obwohl er wie sonst an Kontaktmangel sowie an Verlust von Selbstachtung litt, fand er doch einen Ausweg in seiner Lektüre von Büchern, da er als Schüler in Spracherlernen, besonders in Latein, und Poesie ausgebildet war. Allmählich zeichnete er sich auch für seine weitere Entwicklung in der Deklamation von seinen selbstverfassten Gedichten aus. Er spürte dabei ein starkes Bedürfnis danach, wie ein Pastor auf die Lebensbühne zu treten und eine Menge zu berühren. Als Kompensation für Kontaktmangel und Abkapselung von der Umwelt entwickelte der Protagonist alsdann eine Theaterleidenschaft, indem er sich nach Mannigfaltigkeit des Lebens im theatralischen Ersatz sowie nach Anerkennung von der Umwelt sehnte. Nach verschiedenen Wanderungen und dem Scheitern zum theatralischen Debüt kommt er doch zur Selbsterkenntnis, dass er seinen wahren Beruf im Leben verkannt hat. Auf der durch die Biographie des Autors ausgedehnten Strecke lässt sich dann so eine dialektische Entwicklung des Anton Reiser zu seiner schließlichen Selbstfindung, nämlich zur akademischen Laufbahn als Antithese zur theatralischen folgern. Anhand der im Roman durchgeführten psychologischen Analyse lässt es sich auch weiter feststellen, dass der künstlerische Charakter des Romans über die klassifikatorische Grenze von Klassik und Romantik hinaus bis in die Moderne transzendiert.
참고문헌 (8)
- Moritz, Karl Phillip, "Dichtungen und Schriften zur Erfahrungsseelenkunde" (1999), Deutscher Klassiker Verlag
- Moritz, Karl Phillip, "Popularphilosophie Reisen Ästhetische Theorie" (1999), Deutscher Klassiker Verlag
- Moritz: Karl Phillip, "Anton Reiser. Ein psychologischer Roman. Mit einem Nachwort von Max Brück" (1979), Insel
- Grams, Wolfgang, "Karl Philipp Moritz. Eine Untersuchung zum Naturbegriff zwischen Aufklärug und Romantik" (1992), Westdeutscher Verlag
- Hubert, Ulrich, "Karl Philipp Moritz und die Anfänge der Romantik" (1971), Athenäum
- Kim, Hee-Ju, "Ich-Theater. Zur Identitätsrecherche in Karl Phillip Moritz ́ Anton Reiser" (2005), Universitätsverlag Winter
- Meier, Albert, "Karl Phillip Moritz. Literatur Studium" (2000), Reclam
- Winkler, Willi, "Karl Phillip Moritz" (2006), Rowohlt
