본문 바로가기
KERD
논문KCI 등재

하인리히 폰 클라이스트 텍스트의 현대성- 『산토 도밍고에서의 약혼』의 인종 및 성 담론에 나타난 정체성의 문제

Die Modernität von Kleists Texten - Der Identitätskonflikt im Rassen- und Genderdiskurs der Novelle Die Verlobung in St. Domingo

0

조회

0

다운로드

2

인용

0

참고문헌

키워드

주제분류독일어와문학

초록

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Modernität von Kleists Texten, im Konkreten mit dem Identitätskonflikt, den der Rassen- sowie Geschlechterdiskurs in der Novelle Die Verlobung in St. Domingo (1811) zutage treten lässt. Kleist verarbeitet den Aufstand gegen die französische Kolonialmacht auf der Insel Haiti literarisch, um eine Liebesgeschichte zwischen einem weißen Europäer und einer Mestizin vor dem Hintergrund des Rassenkonflikts zu thematisieren. In der Novelle werden Individuen oft auf Rassenmerkmale reduziert. Auch das Geschlecht spielt eine wichtige Rolle, was u. a. an den Begriffen ,Mullattin‘ (Mutter) und ,Mestizin‘ (Tochter) ersichtlich ist. Den Dreh- und Angelpunkt des Geschehens bildet die ,Mestizin‘ Toni, die zwischen der hell- und denkelhäutigen Bevölkerungsgruppen steht. In der Anfangsphase identifiziert sich Toni als schwarze Tochter, die die von ihrem Vater auferlegten Aufgaben widerstandslos erfüllt. Durch die Begegnung mit dem Fremden - Gustav von der Ried - wird diese Tochterrolle jedoch ersetzt - Toni ist jetzt eine Braut, wodurch ihre ,schwarze‘ Identität in den Hintergrund tritt. Die Verlobung, die sich mit dem Geschlechtsakt vollzieht, markiert den Wendepunkt dieser Entwicklung. Die Missachtung der töchterlichen Pflichten bedeutet eine Verletzung der Grenze, die innerhalb der Novelle zwischen der ,schwarzen‘ und der ,weißen‘ Lebenswelt exsistiert. Darüber hinaus überschreitet Toni auch die vorgesehenen Geschlechterrollen, indem sie ihren Bräutigam rettet. Diese mutige Tat sollte eigentlich einem Mann vorbehalten bleiben. Interessanterweise ist es für Gustav irrelevant, dass er als Geretteter dem Männlichkeitsideal nicht genügt. Nach der Rettungsaktion reaktualisiert Gustav wieder die Rolle der ,schwarzen Tochter‘. Er rückt Toni durch die Bezeichnung ,Hure‘ außerdem in die Nähe der schwarzen Sklavin, die in einer Binnenerzählung erscheint. Am Schluss ermordet Gustav seine selbstlose Geliebten. Zu Beginn der Novelle wurde die Bezeichnung ,Mörder‘ ausschließlich den dunkelhäutigen Personen zugeschrieben. In zynischer Weise wird Toni dann im Sterben als ,schöne Seele‘ dargestellt, d.h. erst nach dem Tod bekommt sie den Status der ,weißen Braut‘ zuerkannt. In der Novelle dienen die Diskursfelder Geschlecht und Rasse dazu, anderen eine Identität zuzuschreiben oder eine eigene Identität aufzubauen. Kleist stellt die physischen und ethnischen Grenzsetzungen in Frage, weil die vermeintlichen Differenzen als situativ bedingt, perspektivisch erzeugt und gesellschaftlich konstruiert - und nicht zuletzt instrumentalisiert - erweisen. Das lässt seinen Text in hohem Maße ,modern‘ erscheinen.

Abstract

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Modernität von Kleists Texten, im Konkreten mit dem Identitätskonflikt, den der Rassen- sowie Geschlechterdiskurs in der Novelle Die Verlobung in St. Domingo (1811) zutage treten lässt. Kleist verarbeitet den Aufstand gegen die französische Kolonialmacht auf der Insel Haiti literarisch, um eine Liebesgeschichte zwischen einem weißen Europäer und einer Mestizin vor dem Hintergrund des Rassenkonflikts zu thematisieren. In der Novelle werden Individuen oft auf Rassenmerkmale reduziert. Auch das Geschlecht spielt eine wichtige Rolle, was u. a. an den Begriffen ,Mullattin‘ (Mutter) und ,Mestizin‘ (Tochter) ersichtlich ist. Den Dreh- und Angelpunkt des Geschehens bildet die ,Mestizin‘ Toni, die zwischen der hell- und denkelhäutigen Bevölkerungsgruppen steht. In der Anfangsphase identifiziert sich Toni als schwarze Tochter, die die von ihrem Vater auferlegten Aufgaben widerstandslos erfüllt. Durch die Begegnung mit dem Fremden - Gustav von der Ried - wird diese Tochterrolle jedoch ersetzt - Toni ist jetzt eine Braut, wodurch ihre ,schwarze‘ Identität in den Hintergrund tritt. Die Verlobung, die sich mit dem Geschlechtsakt vollzieht, markiert den Wendepunkt dieser Entwicklung. Die Missachtung der töchterlichen Pflichten bedeutet eine Verletzung der Grenze, die innerhalb der Novelle zwischen der ,schwarzen‘ und der ,weißen‘ Lebenswelt exsistiert. Darüber hinaus überschreitet Toni auch die vorgesehenen Geschlechterrollen, indem sie ihren Bräutigam rettet. Diese mutige Tat sollte eigentlich einem Mann vorbehalten bleiben. Interessanterweise ist es für Gustav irrelevant, dass er als Geretteter dem Männlichkeitsideal nicht genügt. Nach der Rettungsaktion reaktualisiert Gustav wieder die Rolle der ,schwarzen Tochter‘. Er rückt Toni durch die Bezeichnung ,Hure‘ außerdem in die Nähe der schwarzen Sklavin, die in einer Binnenerzählung erscheint. Am Schluss ermordet Gustav seine selbstlose Geliebten. Zu Beginn der Novelle wurde die Bezeichnung ,Mörder‘ ausschließlich den dunkelhäutigen Personen zugeschrieben. In zynischer Weise wird Toni dann im Sterben als ,schöne Seele‘ dargestellt, d.h. erst nach dem Tod bekommt sie den Status der ,weißen Braut‘ zuerkannt. In der Novelle dienen die Diskursfelder Geschlecht und Rasse dazu, anderen eine Identität zuzuschreiben oder eine eigene Identität aufzubauen. Kleist stellt die physischen und ethnischen Grenzsetzungen in Frage, weil die vermeintlichen Differenzen als situativ bedingt, perspektivisch erzeugt und gesellschaftlich konstruiert - und nicht zuletzt instrumentalisiert - erweisen. Das lässt seinen Text in hohem Maße ,modern‘ erscheinen.

참고문헌 (17)

  1. Kleist, Heinrich von, "Sämtliche Erzählungen, Anekdoten, Gedichte, Schriften" (2010)
  2. 권혁준, "독일 축구영화 <베른의 기적>과 집단적 정체성의 문제", 카프카 연구, (27), pp.247~270 (2012), 한국카프카학회[DOI]
  3. 노태한, "클라이스트의 노벨레 「산토도밍고 섬의 약혼」 - 이분법적 사고와 흑백논리의 비극 -", 독일언어문학, (54), pp.135~156 (2011), 한국독일언어문학회[DOI]
  4. 신지영, "젠더 협상에서 사랑의 역할 - 하인리히 폰 클라이스트의 단편 『산토 도밍고에서의 약혼』과 드라마 『펜테질레아』를 중심으로", 괴테연구, (21), pp.71~88 (2008), 한국괴테학회
  5. Angress, Ruth K., "Kleist’s Treatment of Imperialism: Die Hermannsschlacht and Die Verlobung in St. Domingo", Monatshefte, 69, pp.17~34 (1977)
  6. Blänkner, Reinhard, "Literatur und Kultur im globalen Kontext um 1800" (2012)
  7. Brittmacher, Hans Richard, "Das Opfer der Anmut. Die schöne Seele und das Erhabene in Kleists Die Verlobung in St. Domingo", Aurora, 54, pp.167~189 (1994)
  8. Charbon, Rémy, "Der “weiße” Blick. Űber Kleists Die Verlobung in St. Domingo", KJb, pp.77~88 (1996)
  9. Gribnitz, Barbara, "Studien zur Konstruktion von “Rasse” und Geschlecht in Heinrich von Kleists Erzählung Die Verlobung in St. Domingo" (2002)
  10. Harnischfeger, Johannes, "Das Versprechen romantischer Liebe. Zu Kleists Verlobung in St. Domingo", KJb, pp.278~291 (2001)
  11. Haverkamp, Anselm, "Schwarz", Weiß. Othello und Die Verlobung in St. Domingo, 1995, pp.41, 397~409
  12. Herrmann, Britta, "Der Fremde und das Mädchen. Heinrich von Kleists Die Verlobung in St. Domingo im literarischen Kontext", Zeitschrift für interkulturelle Germanistik, 5, pp.29~50 (2014)
  13. Herrmann, Hans Peter, "Kleists Erzählungen", pp.111~141 (1998)
  14. Horn, Anette, "“Du hättest mir nicht misstrauen sollen!” Eine Utopie der Gewaltlosigkeit in Kleists Die Verlobung in St. Domingo", KJb, pp.271~279 (2013)
  15. Indentitätskonstruktion im Diskurs der Rassen, dargestellt an Kleists Verlobung in St. Domingo, In Jahrbuch für internationale Germanistik, "Kim, Hee-Jin", 123~129, pp.Kongressberichte 85 (2007)
  16. Köhler, Kai, "Kleist-Handbuch Leben – Werk – Wirkung", pp.121~128 (2013)
  17. Weigel, Siegrid, "Der Körper am Kreuzpunkt von Liebesgeschichte und Rassendiskurs in Heinrich von Kleists Erzählung Die Verlobung in St. Domingo", KJb, pp.202~218 (1991)

관련 논문AI추천

이 간행물의 다른 논문 (9건)